Leitartikel

„Wenn die letzte deutsche Einrichtung geschlossen wird“

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Minderheit: Der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig muss Geld sparen. Aber noch bevor eine Analyse fertig ist, wurde der Beschluss gefasst, den deutschen Kindergarten in Wilsbek zu schließen. Was das bedeutet, kommentiert Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es schmerzt jedes Mal, wenn die deutsche Minderheit eine Institution schließen muss. Wie in dieser Woche, als der Zusammenschluss Deutsche Kindergärten Apenrade (DKA) mitteilte, dass der Deutsche Kindergarten Wilsbek zum 30. Juni zumacht.

Es wird nicht die letzte Schließung im DSSV sein. Zu groß ist die finanzielle Herausforderung in diesen Jahren im Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig – der mit Abstand größte Geschäftsbereich der deutschen Minderheit mit einem finanziellen Volumen von rund 300 Millionen Kronen.

Vor allem der Zusammenschluss der Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) hatte zuletzt finanzielle Schwierigkeiten wegen fallender Kinderzahlen. Dass hier auch noch Misswirtschaft und Fehler in der Organisation die Probleme wachsen ließen, macht die Entscheidung, den Kindergarten in Wilsbek (Vilsbæk) zu schließen, noch wichtiger – und richtiger.


was derzeit auch analysiert wird.

Der DSSV befindet sich mitten in einer Analysephase des gesamten Verbandes – Schulen und Kindergärten –, doch die Situation in Wilsbek hat die Arbeit intern überholt. Deshalb wurde jetzt der Zahn gezogen: Acht Kinder bilden keine Grundlage für einen Kindergarten – vor allem nicht, wenn auch aus den Prognosen kein Optimismus zu schöpfen ist. Kein Grund also, auf eine Analyse zu warten.

Diese wird aber nach den Sommerferien neue Erkenntnisse mit sich bringen, wo der Rotstift ebenfalls anzusetzen ist. Und dann tut es vielleicht mehr weh als im Fall Wilsbek.

Bei einem hohen Millionen-Defizit ist der Deutsche Schul- und Sprachverein gezwungen zu handeln. Es reicht am Ende nicht nur, gute Arbeit vor Ort zu leisten: Die Gesamtstruktur muss tragfähig und zukunftsfähig sein, damit im DSSV und in der Minderheit wieder Ruhe einkehren kann.

Erst einmal wird es allerdings stürmisch werden, denn die Analyse wird natürlich Konsequenzen haben. Nicht zu handeln ist aber keine Alternative. Deshalb muss manchmal auch die letzte deutsche Einrichtung im Ort geschlossen werden, damit es für die Minderheit insgesamt eine bessere Zukunft gibt.