Geschichte

Dokureihe und Vortrag: Neuer Fokus auf das Fårhuslager und die Minderheit

Neuer Fokus auf das Fårhuslager und die Minderheit

Neuer Fokus auf das Fårhuslager und die Minderheit

Fröslee/Frøslev
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Historikerin Gry Scavenius Bertelsen (Mitte) ist Moderatorin und Interviewerin in einer Dokuserie über das Faarhuslager, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg viele Angehörige der deutschen Volksgruppe inhaftiert waren. Als Gesprächspartnerinnen hat sie unter anderem Katharina Kley (l.) und Lena Bargum (r.) sowie deren Familien gewinnen können. Foto: StoryPark Media

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Die Geschichte des Gefangenenlagers „Fårhuslejr“ nach dem Zweiten Weltkrieg ist in einer fünfteiligen Fernsehsendereihe aufgegriffen worden. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Familien der deutschen Volksgruppe, deren Angehörige als mutmaßliche Sympathisanten des Hitler-Regimes interniert waren und mit rückwirkender Kraft verurteilt wurden. Bei einem Vortrag in Fröslee können Interessierte Hintergründe zur Dokureihe erfahren.

„Gry og Forrædernes Lejr“ ist der Titel einer Dokuserie über das Fårhuslager, in dem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Besatzungszeit Sympathisantinnen und Sympathisanten Hitlerdeutschlands eingesperrt waren, darunter viele Angehörige der deutschen Volksgruppe.  Zuvor diente das Lager der deutschen Besatzungsmacht als Gefangenenlager für dänische Widerstandskämpfer und andere Gegnerinnen und Gegner des Deutschen Reiches.

Anlässlich der fünfteiligen Reihe, die seit dem 5. November beim Regionalsender TV Syd zu sehen und zudem auf dessen Homepage aufzurufen ist, wird im Museum Fröslevlager am Mittwoch, 15. November, von 19 bis 21 Uhr zu einem Vortrag eingeladen.

Referentin ist Museumsinspektorin und Historikerin Gry Scavenius Bertelsen, die die Dokufolgen in Zusammenarbeit mit Jesper Bradsted von „StoryPark Media“ im Auftrag von TV Syd erstellt hat und darin als Moderatorin und Interviewerin in Aktion ist. Auch Bradsted wird beim Vortragsabend über das Projekt erzählen.

Gespräche mit Familien aus der Volksgruppe

In den TV-Folgen hat Gry Bertelsen Familien aus der Volksgruppe befragt, von denen Angehörige im Fårhuslager eingesperrt waren. Sie führte unter anderem Gespräche mit der Familie Kley aus dem Raum Hadersleben (Haderslev) und der Familie Bargum mit Wurzeln im Raum Rapstedt (Ravsted).

Die Teilnahme am Vortrag kostet einschließlich Kaffee 130 Kronen. Tickets sind online über die Homepage des Fröslevlagers erhältlich.

Sie sei auf der Suche nach betroffenen Familien aus der Volksgruppe im Deutschen Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa) fündig geworden. Katarina Kley und Lena Bargum, Urenkelinnen von Fårhusinhaftierten, hatten sich freundlicherweise gemeldet. Für die Dokureihe stellten sich dann auch Eltern und Großeltern zur Verfügung, so Bertelsen auf Anfrage des „Nordschleswigers“. Mit den Familien wurde unter anderem Archivmaterial von der damaligen Zeit besprochen.

Vergangenheitsbewältigung

Aufgegriffen wird zudem das Tötungsdelikt an Wilhelmine Sass, die nach dem Krieg bei einer Feier der deutschen Gemeinschaft in Lügumkloster (Løgumkloster) Opfer eines Racheakts wurde. 

Auch mit dem BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen spricht Bertelsen in der Dokureihe. Im Gepräch geht es unter anderem um die kritische Auseinandersetzung der Volksgruppe mit ihrer Rolle in der NS-Zeit.

Im März vergangenen Jahres stand Gry Bertelsen schon mal vor der Kamera, als eine Produktionsfirma im Auftrag von TV Syd ein Porträt vom Fröslevlagermuseum machte.

Wissenslücke

„Die Filmcrew, die aus Aalborg kam, war ganz verblüfft, dass es nach dem Krieg das Fårhuslager gab. Davon hatten die Crewmitglieder gar nichts gehört. Sie meinten, dass man diesen Teil der Lagergeschichte doch viel bekannter machen müsste“, erzählt Gry Bertelsen, die trotz Geschichtsstudiums selbst erst relativ spät von diesem Kapitel des Lagers erfahren hatte, wie sie gesteht.

Ob das Kapitel Fårhuslager und die Rechtsabrechnung mit Angehörigen der deutschen Volksgruppe in der dänischen Bevölkerung ein Tabuthema war, sei eine berechtigte Frage, so die Historikerin. „Fest steht aber offensichtlich, dass viele Menschen davon keine Kenntnis haben."

Bertelsen sagte zu, an der Dokureihe mitzuwirken und erneut vor der Kamera zu stehen. Entstanden ist die fünfteilige Serie über das Fårhuslager und die Deutsche Minderheit, in der es viele Familien gibt, die mit dem Gefangenenlager und der damaligen Rechtsabrechnung im engen Zusammenhang standen und immer noch stehen.

Frøslevlager

Das Internierungslager Fröslev (dänisch: Frøslevlejren) wurde 1944 kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze errichtet und am 13. August 1944 in Betrieb genommen. Es war für etwa 1.500 Gefangene gedacht. Die Gesamtzahl der Inhaftierten beläuft sich auf etwa 12.000 Gefangene.

Das Lager wurde auf eine dänische Initiative hin gebaut, um die Deportation von dänischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern in deutsche Konzentrationslager zu vermeiden. Entgegen aller Vereinbarungen wurden dennoch ca. 1.600 Gefangene aus Fröslee in Konzentrationslager weitergeschickt.

Kurz nach dem Krieg wurde der Name des Lagers in „Fårhuslager“ geändert. Von Mai 1945 bis in den Herbst 1949 hinein diente das Lager als Straflager für dänische Landesverräter.  In den viereinhalb Jahren waren für kürzere oder längere Zeit mehr als 5.000 Personen inhaftiert, darunter viele Mitglieder der deutschen Minderheit.

1983 beschlossen das damalige Amt Nordschleswig („Sønderjyllands Amt“) und die Gemeinde Bov (Bau) die Gründung der freien Trägerschaft des Fröslevlagers. Sie wurde am 1. Januar 1984 realisiert. Das Lager liegt seit der Kommunalreform in der Kommune Apenrade (Aabenraa). Im Lager befinden sich eine Nachschule und Ausstellungen verschiedener Organisationen.

 

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