Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 12. Februar 2023“

Das Wort zum Sonntag, 12. Februar 2023

Das Wort zum Sonntag, 12. Februar 2023

Pastorin Dorothea Lindow
Dorothea Lindow
Tondern/Tønder
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Das Wort zum Sonntag, 12. Februar 2023, von Pastorin Dorothea Lindow, Kirche zu Tondern.

Danke für diesen guten Morgen!

Heißt ein bekanntes Lied im deutschen Gesangbuch. Einfach mal Danke sagen für den guten Morgen, für jeden neuen Tag, für Freunde und auch für manche Traurigkeit.

Einfach mal Danke sagen. Seit 1963 singen wir dieses Lied. Lange Zeit hat es mir richtig gut gefallen. Irgendwann hatte ich es über. Aber dann wurde in Norddeutschland die Redewendung „da nich füa“ modern.

Da will man in ein Geschäft hinein, hat aber beide Hände voll. Während man die Einkäufe balanciert und gleichzeitig versucht, mit dem Ellenbogen die Tür zum Geschäft zu öffnen, kommt ein Fremder dazu. Er öffnet mir die Tür. Ich sage „vielen Dank“ und höre als Antwort im breiten Norddeutsch: „Da nich füa!“

Wie schade ist das doch! Da will ich mich bedanken, und mein Gegenüber will den Dank gar nicht haben. Zugegeben, vielleicht ist es selbstverständlich, jemandem die Tür aufzuhalten. Aber ist es nicht trotzdem nett, ein „Danke“ zu hören?

Seit ich in Dänemark lebe, höre ich viel „Danke“. Es ist Teil der dänischen Kultur, und auch deshalb ist es wichtig, die Sprache des Landes zu lernen. Statt des norddeutschen „da nich füa“ höre ich nun „tak for mad“, „tak for snak“, „tak for sidst“.

Das macht etwas mit mir. Eine ganz andere Art zu kommunizieren erlebe ich hier. Und Kommunikation kann ganz schön schwierig sein, vor allem auch, wenn kulturelle Unterschiede dazukommen. Kommunikation ist immer etwas Besonderes. Aussagen werden getroffen. Jeder meint, das müsse doch allgemein verständlich sein. Da kann es doch keine zwei Meinungen geben!

Die Wirklichkeit zeigt, dass Kommunikation immer wieder mal schiefläuft. Da wird missverstanden, da bleibt Interpretationsspielraum. Manches wird positiver gedeutet, als es gemeint war. Anderes eskaliert, war aber gar nicht so gemeint.

Da hilft nur, wahrnehmen, wer was wie zu mir sagt. Warum hat er das so gesagt? Was steckt dahinter? Wie geht es meinem Gegenüber? Ärgerlich, enttäuscht, frustriert? Ungeduldig, motiviert, voller Vorfreude?
Wie höre ich, was gesagt wird? Bin ich offen für Zwischentöne, für Missstimmungen? Höre ich die Aussage hinter der Aussage? Kommunikation kann ganz schön schwierig sein!

Da werde ich richtig dankbar für jedes „tak“, das ich höre. Wie schön ist doch dieses kleine Wort im Vergleich zum nordeutschen „da nich füa“.

Und auch das „Dankelied“ habe ich hier neu entdeckt:
Danke, dein Heil kennt keine Schranken,
danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.

Ich kann mir schlechterdings nicht vorstellen, dass ich dieses Lied singe und aus dem Himmel Gottes Stimme ertönt und mir zuruft: Da nich füa!

Dankbare Grüße

Euch allen

Dorothea Lindow, Pastorin in Tondern

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