Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 1. August 2021“

Das Wort zum Sonntag, 1. August 2021

Das Wort zum Sonntag, 1. August 2021

Anke Krauskopf
Anke Krauskopf
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag, 1. August 2021, von Pastorin Anke Krauskopf, Kirchengemeinde Apenrade

Vom Wollen und Müssen, vom Können und Dürfen

„In diesem Jahr WILL ich aber unbedingt einen Ausritt am Strand machen.“ „Wir sind zum ersten Mal hier. Was MUSS man unbedingt gesehen haben?“ Typische Anfragen auf Urlaubsseiten von Facebook. Bloß keine kostbare Ferienzeit vergeuden. Jede Minute muss sinnvoll genutzt werden. Ich will, ich muss …

Mir ist es in diesem Jahr schwergefallen, vom Arbeits- in den Urlaubsmodus umzuschalten. Da lese ich etwas von „Schnupperseminar pferdegestütztes Coaching“ und melde mich direkt an. Keine Ahnung, was auf mich zukommt, aber ich bin neugierig. Ich treffe die Pferde Gypsy, Sidney und Oliver und natürlich den Coach. Warum Pferde? Diese Frage liegt in der Luft. Weil Pferde hochsensibel sind, Gestimmtheiten wahrnehmen können und auch müssen, weil sie Fluchttiere sind. Aha.

Mit dem Coach wird nun individuell das Thema umrissen, an dem man gerne arbeiten möchte – also etwa Stressabbau. Und während ich noch rede und einen „Ich-will-Satz“ formuliere, verwandeln sich drei eben noch friedlich grasende Pferde in eine wild galoppierende, schnaubende Horde. Ich formuliere um. Mache meinen „Ich-will-Satz“ zu einem „Ich -darf -Satz“. Dann kommt meine Pferdeübung. Ich nehme meinen Stuhl, suche mir mitten unter den Pferden meinen Platz und tue nichts und warte ab. Es geschehen erstaunliche Dinge. In dem Augenblick, als ich vom Wollen zum Dürfen umschalte, vom Müssen zum Können, da werde ich innerlich ganz gelassen. Offensichtlich überträgt sich das auf die Pferde. Sie werden ruhig und kommen ganz nahe. Ein weiches Pferdemaul direkt an meinem Gesicht. Mir kommt der Schöpfungsbericht in den Sinn: „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, (…) und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn (…).“ (1.Mose 2, 2+3). Ich denke an Psalm 31,16 „Meine Zeit steht in deinen Händen“. Und der Prediger Salomo darf auch nicht fehlen: „Ein Jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ (Pred. 3,1ff).

Ich lasse meinen Blick über die Landschaft schweifen und denke: Nö! Ich muss nix und ich will nix. Urlaub ist Urlaub. Jetzt ist die Zeit für Können und Dürfen. Und das ist auch gut so!

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