Wort zum Sonntag

„Freud in dieser lieben Sommerzeit“

Freud in dieser lieben Sommerzeit

Freud in dieser lieben Sommerzeit

Pastor Jonathan von der Hardt
Jonathan von der Hardt Pastor
Süderwilstrup/Sønder Vilstrup
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Wer sich an den kleinen Dingen erfreuen kann, wird das, was schwer ist, auch besser ertragen, schreibt Pastor Jonathan von der Hardt aus Süderwilstrup in seinem Wort zum Sonntag, 23. Juli 2023.

Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit. Dieses Lied hat der Dichter Paul Gerhardt wenige Jahre nach Ende des 30-Jährigen Krieges verfasst.

Es ist ein Lied, in dem die Schönheit des Sommers und die Schönheit der Natur besungen wird. Doch bleibt der Dichter dabei nicht stehen. In einer der letzten Strophen stellt er sich vor, wie schön es erst im Garten Christi, also im Paradies, sein wird. Das ist uns heute fremd geworden. Der Tod ist in unserem Alltag weniger gegenwärtig als für die Menschen im 17. Jahrhundert.

Die Vorstellung, dass wir nach unserem Tod im Garten Christi sein werden, hat für die meisten von uns etwas eher Surreales. Auch ich bin vorsichtig mit konkreten Aussagen darüber, wie es bei Gott in der Ewigkeit sein wird.

Das Bild, dass es dann sein wird wie in einem schönen Garten, ist tröstlich. Aber das ist ein Bild, das ist nicht die Realität. Die Realität, in der wir hier auf der Erde leben, ist ambivalent: Da ist zum einen die Schönheit der Natur, die Schönheit des Lebens, die wir gerade im Sommer auch dankbar erleben und genießen können.

Aber da ist auch die Bedrohung der Schöpfung durch unser menschliches Verhalten, da sind Kriege, Gewalt und Katastrophen. Diese Spannung ist schwer auszuhalten. Aber sie gehört zum Menschsein dazu.

Auch Paul Gerhardt, der mit dem 30-Jährigen Krieg einen der grausamsten Kriege überhaupt erlebt hat, hat diese Spannung ausgehalten. Das hat ihn nicht gehindert, sich an der Natur zu freuen und Gott dafür zu danken. Immer im festen Vertrauen darauf, dass nach dem Leben hier auf der Erde ein Leben bei Gott kommen wird. Dieses Leben wird rundum gut und ohne Ambivalenzen sein.

Ich denke, wenn wir uns immer wieder daran erinnern, dann können wir uns an dem, was gut ist im Leben, am Sommer, an der Natur, umso dankbarer freuen. Dann können wir das, was schwer ist, auch besser ertragen. Dann bekommen wir vielleicht sogar Mut und Ideen, diesem Schweren in unserem persönlichen Umfeld immer wieder etwas entgegenzusetzen.

Ich wünsche euch diesen Mut, und ich wünsche euch, dass ihr euch jetzt am Sommer freuen könnt.

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