Wort zum Sonntag

„Es ist eine sehr persönliche Begegnung“

Es ist eine sehr persönliche Begegnung

Es ist eine sehr persönliche Begegnung

Carsten Pfeiffer
Carsten Pfeiffer
Nordschleswig
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Ein jeder und jede kann auf Gott vertrauen, wenn Verzweiflung das Leben übernimmt, meint Pastor Carsten Pfeiffer in seinem Wort zum Sonntag, 15. Oktober 2023, den 19. Sonntag nach Trinitatis im Kirchenjahr.

Wochenspruch: Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jeremia 17,14)

Liebe Leser und Leserinnen,

Vorausschauende Menschen gibt es, die aus Intuition, Einsicht oder im Auftrag vor bösem Geschick warnen. Es gibt sie zu jeder Zeit und in jeder Kultur.

Kassandra, die Königstochter aus dem alten Troja, warnte die Trojaner nachhaltig und wiederholt vor listigen Feinden. Ohne Ergebnisse. Jeremia, der Prophet, warnt auch vor Kriegsgefahr, Zerstörung und vor dem Abfall von Gott. Erfolg hat er nicht. Sprichwörtlich geworden sind die Kassandrarufe und die Jeremiaden als vergebliche Versuche, vor Schaden zu bewahren. Der Einsicht wird die Gefolgschaft verweigert. Zuspruch haben die Schönredner und Beschwichtiger. Es wird schon so schlimm nicht kommen, sagen sie. Wenn es dann doch so schlimm kommt, ist es zu spät.

Auf vergebliches Handeln kann schnell Resignation und Verzweiflung folgen. Vor schlimmen Geschick bewahren zu wollen, ohne Erfolg, macht auch dem Propheten Jeremia zu schaffen. Er ist zudem schweren Anfeindungen und persönlichen Nachstellungen ausgesetzt. Allen Grund hat er, auch um sein Leben zu fürchten. Statt Erfolg zu haben, ist eher die Zahl seiner Feinde gewachsen. Der Wochenspruch mit den folgenden Versen (Jeremia 17,15-18) zeigt, was der Prophet tut in seiner Situation. Er hält Zwiesprache mit Gott. Es ist eine sehr persönliche Begegnung. Der Prophet teilt Gott Zweifel mit, trägt Wünsche vor und äußert Zuversicht auch angesichts seiner Misserfolge als prophetischer Warner.

Von Martin Luther King gibt es Worte, die Gott ebenfalls Rettung zutrauen:

„Komme, was mag. Gott ist mächtig! Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große segnende Kraft gibt, die Gott heißt.

Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen.

Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.“

Einen erhellten Sonntag wünsche ich euch.

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