Wort zum Sonntag

„Entwicklungen hin zum Frieden“

Entwicklungen hin zum Frieden

Entwicklungen hin zum Frieden

Pastor Jonathan von der Hardt
Jonathan von der Hardt Pastor
Süderwilstrup/Sønder Vilstrup
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Ein friedliches Zusammenleben ist nicht selbstverständlich. Warum der Knivsberg ein Ort ist, an dem Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger sich das in besonderer Weise bewusst machen können, beschreibt Pastor Jonathan von der Hardt aus Süderwilstrup in seinem Wort zum Sonntag.

Dieses Jahr fällt das Knivsbergfest auf ein besonderes Datum: Den 17. Juni. Vor der Wende und dem Fall der Mauer 1989 war das in der damaligen Bundesrepublik ein Feiertag: Der Tag der deutschen Einheit. Denn am 17. Juni 1953 wurde in der DDR ein Volksaufstand gewaltsam niedergeschlagen. Heute ist das Vergangenheit.

Vielen jüngeren Menschen ist das Datum 17. Juni wahrscheinlich gar nicht mehr als besonderes Datum bewusst. Aber nicht nur die innerdeutsche Geschichte ist lange schwierig gewesen. Auch die deutsch-dänische Geschichte ist wechselvoll, und dass das Zusammenleben heute so gut und friedlich gelingt, ist nicht selbstverständlich.

Der Knivsberg ist ein Ort, an dem wir uns das in besonderer Weise bewusst machen können. Doch das Knivsbergfest ist vor allen Dingen ein fröhliches Fest. Wir feiern unser Miteinander als Minderheit, aber wir feiern auch das gute und unkomplizierte Miteinander mit der dänischen Mehrheitsbevölkerung.

Selbstverständlich ist die Entwicklung hin zum Frieden und zur Versöhnung nicht. Das war weder bei der friedlichen Revolution in der DDR so, noch im Verlauf der deutsch-dänischen Grenzgeschichte. Die Wende in der DDR ging von einer ursprünglich kirchlichen Bewegung aus und wurde von vielen engagierten Menschen im Gebet mitgetragen. Und auch für die Entwicklung des friedlichen Miteinanders hier im Grenzland spielten und spielen die Kirchen eine wichtige Rolle.

Das Knivsbergfest hat sich zu einem volksnahen Fest mit Spielen, Picknick auf der Wiese, Wettkämpfen und vor allem einem guten, fröhlichen Miteinander entwickelt. Man begegnet Menschen, die man lange nicht gesehen hat. Die Kirche feiert gern mit, feiert aber nicht ohne einen Schuss Nachdenklichkeit: Wir feiern im Bewusstsein, dass es uns gut geht. Wir feiern, weil wir wollen, dass es allen Menschen besser geht – auch denen, die wir nicht mögen.

Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm sagte zu Beginn des diesjährigen Kirchentages in Nürnberg, dass die Kirche sich für alle Menschen engagiert. Kirche feiert die Begegnung, und wir als Kirche feiern das Knivsbergfest mit, weil wir ein Teil von Nordschleswig sind.

Euer Pastor Jonathan von der Hardt aus Süderwilstrup

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