Leitartikel

Vertrauen versteuert

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Scanpix

Der Fall eines Jungen, der die hälfte seines Geldes, das er bei einem Freizeitjob verdient, versteuern muss, sorgt für Aufregung. Kinder sind bereits die Leidtragenden einer gescheiterten Ehe. Dass der Staat sie auch noch finanziell bestraft, ist nicht nur ungerecht, sondern  beschämend, meint Gwyn Nissen.

Wir leben in einer Vertrauensgesellschaft. In einer Gesellschaft, in der wir unseren Nachbarn, den Politikern, den Mitmenschen und dem System vertrauen. Das System ist für uns da und die Mitmenschen für einander. Immer wieder wird unser Vertrauen allerdings herausgefordert, und manchmal fällt unsere Vertrauensgesellschaft auch durch. Das erleben wir meist als eine herbe Enttäuschung. Manchmal trifft es uns selbst. Andere Male erleben wir, dass anderen Menschen Ungerechtigkeit widerfährt. So wie zum Beispiel Daniel Bekesi und seinem Vater Troels. Sie glauben nicht mehr an das System.

Daniel ist gerade 18 geworden. Eine riesige Erleichterung für den jungen Mann, denn, so schreibt die Zeitung Politiken, jetzt darf er sein selbst verdientes Geld behalten. Die vergangenen drei Jahre ist sein Stundenlohn versteuert worden, und ihm blieben 32 Kronen. Nun, in Dänemark lernt jeder, früh Steuern zu bezahlen, aber in Daniels Fall wurden ihm Steuern von Geldern auferlegt, die er gar nicht erhalten hatte. Verwirrt?

Daniel Bekesis Eltern sind geschieden, und weil seine Mutter von ihrem Ex-Mann erhöhtes Kindergeld erhielt, musste Daniel dafür die Steuern tragen – obwohl er das Geld gar nicht bekommt. Das kann doch nicht wahr sein, denken Sie. Das dachten Daniel und sein Vater auch – aber so sind nun einmal die Regeln: Da der Vater das Kindergeld von der Steuer absetzen kann, muss jemand die „Rechnung“ begleichen. Und da die Behörden die Gesamtsituation der Familie nicht verschlechtern möchten, kann das Steuergeld nur bei einem geholt werden: Daniel musste also die Hälfte des Gehalts aus seiner Freizeitbeschäftigung abgeben.

Daniel und sein Vater haben schon einmal gegen diese Regel angekämpft und weckten bereits 2015 die Politiker. Seitdem ist aber nichts passiert. Vielleicht weil es sich „nur“ um 3.000 bis 4.000 Kinder dreht. Auf der anderen Seite geht es bei Milliarden von Steuereinnahmen „nur“ um 15-20 Millionen Kronen, die der Staat dadurch einnimmt, Kinder von geschiedenen Eltern zu schröpfen.

Kinder sind bereits die Leidtragenden einer gescheiterten Ehe. Dass der Staat sie auch noch finanziell bestraft, ist nicht nur ungerecht, sondern beschämend. Eine Aufgabe für die Politik, das Vertrauen schnell wieder herzustellen.

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