Leitartikel

Stärkung der lokalen Provinz

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Die Grünfläche am Tingleffer Rathaus. Foto: Kjeld Thomsen

Chefredakteur Gwyn Nissen bringt es auf den Punkt: Wer als lokaler Politiker die staatliche Zentralisierung kritisiert, hat auch eine Verpflichtung, auf kommunaler Ebene dezentral zu denken.

Gwyn Nissen bringt es auf den Punkt: Wer als lokaler Politiker die staatliche Zentralisierung kritisiert, hat auch eine Verpflichtung, auf kommunaler Ebene dezentral zu denken.

Es fängt mit dem Gedanken an und dann damit, dass man ihn laut ausspricht. Kaum jemand hatte vor einem Jahrzehnt damit gerechnet, dass der Staat in diesen Jahren Tausende von Arbeitsplätzen dezentralisiert und diese von der Hauptstadt in die dänische Provinz verlagert werden. Aber es passiert in diesen Tagen, und die zweite Auslagerungswelle hat mit den neuen Steuerbehörden gerade erst begonnen.

In der Provinz schöpft man dadurch Hoffnung. 300 neue Arbeitsplätze retten zwar keine Region, aber es ist ein wichtiges Signal, dass die Entwicklung eben nicht nur in der Hauptstadtregion und anderen Ballungszentren geschieht, sondern auch außerhalb Kopenhagens. Die Politiker hinter der Auslagerung sprechen von einem „Dänemark in Balance“.

Ein Nebeneffekt der staatlichen Zentralisierung ist, dass jetzt auch an eine kommunale oder regionale Dezentralisierung gedacht wird. Neuerdings auch laut: Venstre-Mann Bent Kloster aus Hadersleben macht sich dafür stark, die lokale „Provinz“ zu stärken: Es muss nicht immer alles in der Domstadt passieren.
Das gleiche Lied können sie auch in Sonderburg, Tondern und Apenrade singen: Nach der Kommunalreform vor zehn Jahren sind die meisten Aktivitäten in die Hauptstadt verlagert worden. Es gibt Ausnahmen, nur als Beispiel hat Apenrade eine Verwaltung in Tingleff gelassen und auch die gemeinsame kommunale Bereitschaft ist dort ansässig. Fragen sie mal Leute in Tingleff was diese Arbeitsplätze für den Ort bedeuten – für Mitarbeiter, für Handwerker, Bäcker und Supermarkt.

Bent Kloster hat in SP-Spitzenkandidat Carsten Leth Schmidt auch gleich einen Verbündeten gefunden. Noch halten sich die beiden bedeckt und nennen keine konkreten Arbeitsplätze, was sicherlich eine kluge Entscheidung ist, denn das würde zu einem viel zu frühen Zeitpunkt jede Diskussion aus dem Gleichgewicht bringen.

Aber es ist wichtig, dass die Anregung ernst genommen wird, und das die lokale „Hauptstadt“ nicht automatisch immer die erste Wahl ist. Wer als lokaler Politiker die staatliche Zentralisierung kritisiert, hat auch eine Verpflichtung, auf kommunaler Ebene dezentral zu denken.

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