Leitartikel

„Der Schwarze Peter landet immer bei den Schulen“

Der Schwarze Peter landet immer bei den Schulen

Der Schwarze Peter landet immer bei den Schulen

Apenrade/Aabenraa
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Es ist gewiss nicht leichter, Eltern zu sein. Es ist eine komplexe Welt, in der unsere Kinder aufwachsen. Aber das befreit uns nicht von unserer Verantwortung – im Gegenteil, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die ganz große Überraschung war die Untersuchung über das Aktivitätsniveau unserer Jugend nicht: Bereits seit vielen Jahren zeichnet sich ein Bild ab, dass Kinder und Jugendliche immer weniger in Bewegung sind. Interessant ist die internationale Studie dennoch, denn der Code, wie die jungen Leute „in die Puschen kommen“, ist immer noch nicht geknackt.

Bei der vorigen Schulreform glaubten die Politiker, den Schlüssel zum Erfolg gefunden zu haben: Die Schulen wurden dazu verpflichtet, täglich mindestens 45 Minuten Bewegung in den Schulalltag zu packen. Viele Schulen haben das Ziel bereits erreicht, wobei es Unterschiede in den verschiedenen Altersstufen gibt: Die jüngsten Schüler sind am leichtesten zu aktivieren – die ältesten am schwierigsten.

Der Vorsitzende der Schulleiter in Dänemark findet viele ander Aufgaben wichtiger als die 45 Minuten. Ja, die Schüler sollen sich in der Schulzeit bewegen, aber er ist gegen die Stoppuhr-Tyrannei.

Noch wichtiger ist aber die Frage, ob die Schulen (auch) für die Bewegung unserer Sprösslinge verantwortlich sind. Für jede Herausforderung in unserer Gesellschaft scheint es nur eine Lösung zu geben: die Schule.

Unsere Kinder sind zu dick. Die Schule löst das Problem. Schüler müssen über die digitalen Fallgruben lernen. Die Schule. Jugendliche müssen mehr über Finanzen lernen. Die Schule. Unsere jungen Leute haben soziale Anpassungsschwierigkeiten. Die Schule.

Ich frage mich: Wo sind die Eltern? Wofür sind sie verantwortlich? Warum können Vater und/oder Mutter am Abend nicht 45 Minuten spazieren oder laufen gehen, statt auf dem digitalen Sofa zu sitzen? Ja, es ist gewiss nicht leichter, Eltern zu sein. Es ist eine komplexe Welt, in der unsere Kinder aufwachsen. Aber das befreit uns nicht von unserer Verantwortung – im Gegenteil. Es ist zu einfach geworden, Schulen und Kindergärten den Schwarzen Peter zuzuschieben.

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