Leitartikel

(K)Ein krankes System?

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Krankenhaus
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Die Kritiker des jetzigen Gesundheitssystems sehen sich darin bestätigt, dass das Gesundheitswesen „überbürokratisiert“ ist. Es wird zu viel kontrolliert und registriert und das geht von der Arbeit am Patienten weg, meint Gwyn Nissen.

Was hilft einem kranken Patienten am meisten? Eine weitere Krankenschwester oder noch ein Angestellter in der Administration? Darüber streiten sich derzeit Landes- und Regionalpolitiker, nachdem eine Studie der Wirtschaftsorganisation Dansk Erhverv gezeigt hat, dass die Anzahl des Pflege- und Gesundheitspersonals in den letzten zehn Jahren um acht Prozent gewachsen ist, während die Anzahl der Mitarbeiter in den Büros im gleichen Zeitraum um 38 Prozent gestiegen ist.

Die Kritiker des jetzigen Gesundheitssystems sehen sich darin bestätigt, dass das Gesundheitswesen „überbürokratisiert“ ist. Akademiker in den Büroetagen hätten in den Krankenhäusern das Sagen, während das Kranken- und Pflegepersonal ebenfalls mehr administrative Aufgaben lösen muss, die nicht der Genesung des Patienten dienen.

Die Landespolitik kritisiert bei solchen Studien per Automatik die Politiker in den Regionen, die die Krankenhäuser betreiben, vergessen dabei aber in der Regel, dass ein Großteil des bürokratischen Missstandes durch Regeln, Gesetze und Forderungen der Landespolitiker entstanden ist. Eine Klinikchefin berichtete letzte Woche in der Zeitung Berlingske Tidende von einem Beispiel, dass ihre Abteilung umgerechnet 16 Arbeitstage dafür benötigt hatte, Informationen für eine externe Analyse einzureichen – eine Analyse, die laut der Klinikchefin „wenig Sinn“ machte.

Es ist an beiden Standpunkten etwas dran: Es wird zu viel kontrolliert und registriert und das geht von der Arbeit am Patienten weg. Aber es macht auf der anderen Seite schon Sinn, neue Mitarbeiter in der Administration einzustellen, wenn die Digitalisierung mehr IT-Mitarbeiter mit sich führt. Was aber nicht bedeutet, dass sich Staat und Regionen nicht damit befassen müssen, was die primäre Aufgabe im Gesundheitssystem ist. Hier scheint ein neuer Kurs nötig – auch wenn der „Super-Tanker“ Krankenhaus sich nur schwer drehen lässt. Es kann nur der Patient im Zentrum sein und das bei jeder Anstellung – ob „warme Hände“ in der Pflege oder „kalte Hände“ in der Administration.

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