Leitartikel

Der Kampf für die Schlagermusik

Der Kampf für die Schlagermusik

Der Kampf für die Schlagermusik

Apenrade/Aabenraa
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Hansi Hinterseer Foto: dpa

Chefredakteur Gwyn Nissen ist der Meinung, dass Danmarks Radio Pia Kjærsgaards Wunsch nachkommen sollte, Schlagermusik nicht mehr zu ignorieren. Die Öffentlich-Rechtlichen und auch andere Medienhäuser sollten von ihrem hohen Ross herunterkommen, um wieder auf Augenhöhe mit Lesern, Zuhörern und Zuschauern zu sein.

Es gibt Fälle, da muss man auch an dieser Stelle der Dänischen Volkspartei mal recht geben. Die frühere Parteichefin Pia Kjærsgaard stellte neulich in einem Kommentar fest, dass die dänische Schlagermusik anscheinend nicht fein genug sei, um auf einem der vielen  DR-Fernsehsender Platz zu bekommen. An der Kritik ist etwas dran.

Ich bin nicht der große Fan von Schlagermusik – weder Kandis noch Helene Fischer –   aber ich muss feststellen, dass das Schlager-Genre eine große Anhängerschar hat. In Deutschland können die größten Schlagerstars Stadien füllen, und in Dänemark sind die meisten Hallen ausverkauft, wenn Hansi Hinterseer und Co. auf Tournee sind – oder wenn die beliebte dänische Band Kandis auftritt.

Die Schlagermusik kommt eben bei vielen gut an, aber die Medienelite rümpft darüber schon seit Ewigkeiten die Nase. Das gilt nicht nur für DR, sondern auch in den Kulturredaktionen der gedruckten und elektronischen Medien oder etwa bei Journalisten an den Tageszeitungen. Über Hansi und Helene macht man sich dort oft lustig,  wobei schon der Erfolg vieler Schlagerstars für sich spricht.  

Dennoch schreiben wir lieber über das Sinfonieorchester oder die Oper, statt zum Schlagerkonzert zu gehen. Und wenn wir Journalisten endlich den Weg in die örtliche Sporthalle zum Schlagerevent finden, dann tun wir uns schwer, uns nicht mit ironischer Distanz über Schlagerstars und Publikum lustig zu machen. Aber warum eigentlich, wenn sich so viele Menschen offensichtlich über die Musik freuen?

Danmarks Radio rührt die Schlagermusik nicht einmal mit der Feuerzange an, sondern überlässt es dem kleinen privaten Sender DK4. Und  auch andere Medien sind zu fein. Pia Kjærsgaard und die Schlagerstars haben recht, dass sie heute – zu Unrecht – nicht ernst genommen werden. Sehen wir doch endlich ein, dass nicht die Schlager-Anhänger falsch liegen, sondern dass wir in den Medien vom hohen Ross steigen müssen, um wieder auf Augenhöhe mit unseren Lesern, Zuhörern und Zuschauern zu sein.

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