Leitartikel

„Grenzfrage“

„Grenzfrage“

„Grenzfrage“

Apenrade/Aabenraa
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Der Vorsitzende des Außenpolitischen Rates im Folketing, Søren Espersen. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau-Scanpix

Søren Espersen hat abermals öffentlich darüber gesprochen, dass er sich eine Wiedervereinigung der dänischen Minderheit mit Dänemark wünsche. Ein deutscher Alltag in Dänemark, ein dänischer Alltag in Deutschland, zwei Kulturen, drei Sprachen – da bleibe sich nichts mehr zu wünschen, meint hingegen Cornelius von Tiedemann.

Die Debatte darum, ob es nun ein Dänemark bis zur Eider geben soll oder nicht – sie ist so überflüssig wie ein Kropf. Genauso könnten wir debattieren, ob die Sonne morgens aufgehen soll. Es ist, wie es ist.

Letzteres meint so ähnlich auch der zivile Chef der dänischen Heimwehr und Vorsitzende des Außenpolitischen Rates im Folketing, Søren Espersen. „Die Grenze liegt fest“, sagt er im Interview der aktuellen Ausgabe des Magazins „Grænsen“.

Dennoch hat es eine Aussage Søren Espersens im vergangenen Jahr zu Schlagzeilen in Deutschland gebracht. Nämlich die in einem Interview mit Siegfried Matlok für DK 4, dass er, Espersen, die Hoffnung hege, dass Dänemark wiedervereinigt werde und eines Tages wieder bis hinunter zur Eider reiche.

Es brach ein mehr oder weniger ernstgemeinter Sturm der Entrüstung los (die Bild Zeitung fürchtete in ihrer Überschrift, dass Espersen den Deutschen Sylt wegnehmen wolle), und Espersen verteidigte sich damit, dass er seine Äußerung im Scherz gemacht habe. Im Interview mit dem Magazin von Grænseforeningen nun allerdings weitet Espersen seine Erklärungen aus und nimmt kein Blatt vor den Mund, dass er natürlich „persönlich“, wie er immer wieder betont, eine Wiedervereinigungshoffnung hege – die er sich auch von der dänischen Minderheit wünsche.

Ansonsten, so Espersen sinngemäß, ergebe doch die ganze Minderheit keinen Sinn. Deshalb will er auch bei seinem nächsten Besuch in Nordschleswig die deutsche Minderheit danach fragen, ob sie ebenfalls den Wunsch nach einer „Wiedervereinigung“, ihrerseits naturgemäß mit Deutschland, hege.

Er würde sich das offenbar wünschen und spricht sich sogar für deutsche Ortsschilder in Nordschleswig aus. „Das Wesentliche ist, dass wir Respekt vor der Weise des anderen haben, die Geschichte zu betrachten und uns in den anderen hineinversetzen können“, so Espersen in „Grænsen“. Diplomatische Töne eines Mannes, der selten um eine klare Kante verlegen ist?

Nun ja. Nur wenig später sagt Espersen in dem Interview, dass er auch Verständnis für den radikalen Muslim habe, der ein Kalifat in Dänemark einführen will. Er selbst habe aber eben andere Hoffnungen. Ein bemerkenswerter und vielsagender Vergleich, den Espersen da zieht.

Die Antwort, die er in Nordschleswig auf seine Frage erhalten wird, hat die deutsche Minderheit jedenfalls in ihrer Loyalitätserklärung längst gegeben. Bei aller Wertschätzung für seine Hoffnungen: Ein deutscher Alltag in Dänemark, ein dänischer Alltag in Deutschland, zwei Kulturen, drei Sprachen – was bleibt da noch zu wünschen übrig?

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