Leitartikel

„Die gemeinsame Sprache“

Die gemeinsame Sprache

Die gemeinsame Sprache

Nordschleswig/Sønderjylland
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„Synnejysk" hat einen allzu geringen Stellenwert. Wenn die Sprache der Nordschleswiger bewahrt werden soll, dann darf es nicht nur die Sprache der Großeltern sein. Darin sind sich Professorin Elin Fredsted und Chefredakteur Gwyn Nissen einig.

Alarmstufe Rot im Grenzland: Die Sprache der Nordschleswiger, das „Synnejysk“ ist in Gefahr, auszusterben. So wie der Dialekt in Südschleswig über Jahrzehnte von der deutschen Sprache verdrängt wurde, droht nun auch Dänisch „æ Sproch“ aus Nordschleswig zu vertreiben.

Die Professorin und Sprach-Expertin Elin Fredsted hielt am Sonnabend in Sankelmark bei der Neujahrstagung der deutschen Minderheit in Nordschleswig ein Plädoyer für die Rettung des Dialekts. Oder der Sprache, wie sie sagt, denn „Synnejysk“ habe mit einer selbstständigen Grammatik und Besonderheiten alle Merkmale einer eigenen Sprache.

Die Nordschleswiger werden ihr natürlich recht geben, die EU allerdings hat ihr auf den Antrag, „Synnejysk“ als Sprache anzuerkennen, nicht einmal geantwortet. „Wir müssen mehr sein“, forderte sie auch die deutsche Minderheit auf, einen (noch größeren Einsatz) für Sønderjysk zu leisten. Die deutsche Minderheit – das ist kein Geheimnis – ist neben Vermittler der deutschen Sprache auch Träger – und vielleicht Retter – der Sprache „Synnejysk“.

Ob nun Dialekt oder Sprache: „Synnejysk“ ist massiv unter Druck, und ist heute immer öfter Sprache der Großeltern. Die jungen Generationen können sich mit dem „Bauern-Dialekt“ nicht identifizieren. „Richtiges“ Dänisch ist viel smarter. Den Charme des Dialekts haben sie leider nicht gesehen. Dabei ist das „Synnejysk“ ein Stück nordschleswigsche Kultur – ja, sogar Kulturerbe, das es zu bewahren gibt.

Außerdem ist „Synnejysk“ auch die gemeinsame Sprache, die im Landesteil Deutsche und Dänen vereint. Die Nationalität und Gesinnung wird bei „Synnejysk“ zweitrangig. „Wir“ sind „sønderjyder“, heißt es dann, wenn Deutsch-Nordschleswiger und Dänisch-Gesinnte sich in den Armen liegen.

Allerdings bedeutet der sprachliche Zusammenhalt in Nordschleswig über die Gesinnung hinweg manchmal auch, dass die „Nicht-Synnejysk-Sprechenden“ ausgegrenzt werden. Man hört eben, wenn es kein EVU ist. Einer von uns – einer der „Synnejysk“ spricht. Das sollten „wir“ auch beachten, wenn deutsch und dänisch gemeinsam für den Erhalt und einen höheren Stellenwert ihrer Sprache kämpfen.

Denn das bleibt nach dem Plädoyer von Elin Fredsted hängen: Wenn wir nichts tun, dann schläft „Synnejysk“ mit der Zeit ein und somit auch eine wichtige Verbindung zwischen Mehrheit und Minderheit.

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