Leitartikel

Free Villy – das rote Dark Horse

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Villy Søvndal, Gösta Toft
SP-Spitzenkandidat Gösta Toft (links) im Gespräch mit Villy Søvndal. Foto: Ruth Candussi

Mit dem Einstieg in die Regionspolitik in Syddänemark hat Villy Søvndal, der frühere Außenminister und ehemalige SF-Parteichef aus Kolding, sich selbst befreit, meint Peter Lassen.

Free Villy – so könnte man die Wahlkampagne von SF-Spitze Villy Søvndal fast umschreiben. Denn mit dem Einstieg in die Regionspolitik in Süddänemark hat der frühere Außenminister und ehemalige Parteichef aus Kolding sich selbst befreit. Wie ein altes Zirkuspferd schnuppert der 65-Jährige wieder die Luft der politischen Manege. Wer ihn beispielsweise während der Wahlparty im Haus Nordschleswig erlebt hat, sieht und hört nicht nur Erfahrung und vor allem PR-Gewandtheit – er spürt auch, dass Villy politisch wieder lebt nach seinem traurigen Abgang von der großen politischen Bühne.

Der Lehrer saß 12 Jahre im Koldinger Stadtrat und 20 Jahre im Folketing. Von 2005 bis 2012 war er charismatischer Parteiboss und machte SF bei der
Folketingswahl 2007 mit 13 Prozent zur viertstärksten Kraft im Folketing. Im Wahlkreis Südjütland holte er selbst satte 33.000 persönliche Stimmen.
Bei der Wahl 2011 mussten SF und Villy (nun im Wahlkreis Kopenhagen) zwar große Verluste hinnehmen, aber mit neun Prozent und 16 Mandaten führte Søvndal SF erstmals in die Regierung und übernahm unter der ersten dänischen Staatsministerin, Chefgenossin Helle Thorning, das Außenministerium.

Es wurde kein Erfolg. 2012 kündigte er seinen Rücktritt als Parteiboss an, und die Regierungsumbildung im Dezember 2013 nahm er zum Anlass, Ministeramt und Folketing zu verlassen. Sowohl er selbst als auch seine Frau hatten mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ende Januar 2014 musste Søvndal mit ansehen, wie seine total gespaltene Partei die Regierung verließ. Kein Ruhmesblatt für den einstigen Politstar.

Aber nun ist Villy wieder da und stellt gar Regionschefin und Venstrespitze Stephanie Lose etwas in den Schatten. Im Wahlkampf ruft er nicht so sehr nach Freiheit, sondern spielt eher die Karte der Unbescholtenheit in der Regionspolitik. Er gibt sich als regionaler Landesvater und die Landespartei setzt so sehr auf das Søvndal-Profil, dass man ihn im ganzen Land auf Wahlplakaten für den 21. November sehen kann. Er wirbt unter anderem dafür, dass man das Krankenhauspersonal nicht verschleißen soll. Villy ist wieder wichtig für SF.

Davon wollte der Ex-Außenminister kaum SP-Spitze Gösta Toft überzeugen, als einer seiner ersten Antrittsbesuche als SF-Spitze ihn Ende Mai zum Gespräch mit der Schleswigschen Partei ins Haus Nordschleswig führte. Mit SP-Spitze Toft war er sich in vielen Punkten einig: Die Grenzkontrollen in ihrer jetzigen Form sollten eingestellt werden – und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit, Ausbildung und öffentlicher Verkehr sollte intensiviert werden.

Ja, Villy ist frei in der Region Süddänemark. Aber ob das rote Dark Horse im Kampf um den Regionsvorsitz wirklich das Rennen machen könnte? Er muss da nicht nur die junge Venstre-Frau Lose, sondern auch Altersgenosse Svendsen vom Trog verdrängen. Für die beiden Kontrahenten spricht, dass sie vielleicht nicht so viel über Außen- und Landespolitik wissen, aber sie kennen den Laden Region mit einem Budget von mehr als 25 Milliarden Kronen und mit mehr als 25.000 Angestellten.

Regionschef sein ist kein Freizeitjob, sonder man ist arbeitender und gut bezahlter Aufsichtsratsvorsitzender eines großen Konzerns, wo statt Politik primär Gesundheit produziert werden soll für rund 1,2 Millionen Menschen.

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