Leitartikel

Der ewige Grenzhandel

Der ewige Grenzhandel

Der ewige Grenzhandel

Apenrade/Aabenraa
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Wenn die Abgaben für Süßigkeiten gesenkt werden, dann steigt nicht nur in Nordschleswig der Handel, sondern in ganz Dänemark. Das wäre aus einem gesundheitlichen Blickwinkel bedenklich, meint Gwyn Nissen.

Fünf dänische Handelsorganisationen machen einen erneuten Versuch, die dänischen Landespolitiker umzustimmen und die Steuerschraube zu lockern, um so dem Grenzhandel die Luft aus den Segeln zu nehmen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Handel auf „das absurde Theater“ reagiert, und auch das Timing ist kein Zufall. In diesen Wochen verhandeln die Politiker über den Haushalt für 2018.

Die Regierung möchte Steuererleichterungen, günstigere Autos und hat auch Pläne, die Versteuerung von Nüssen zu knacken – auch die sind nämlich südlich der Grenze wesentlich billiger. „Warum also nicht auch“... mögen sich die vom Grenzhandel gebeutelten Einzelhändler in Dänemark – und vor allem in Nordschleswig – gedacht haben. Zumal die Regierung unbedingt Unterstützung von der Dänischen Volkspartei braucht – und ausgerechnet die ist arger Gegner des Grenzhandels.

Es ist also kein unmögliches Unterfangen der fünf Organisationen. Die Landespolitiker könnten an der Steuerschraube drehen und typische Grenzhandelsware wie Bier, Sprudel und Süßigkeiten günstiger für den dänischen Verbraucher machen. Der Grenzhandel beträgt immerhin etwa ein Prozent des gesamten dänischen Privatverbrauchs. Die Politiker haben schon früher die Abgaben für Bier und Sprudel gesenkt. Dabei wurde der Grenzhandel nicht abgeschafft, aber in den letzten Jahren ist der Handel mit über drei Milliarden Kronen gefallen und liegt jetzt bei ca. 8,5 Milliarden Kronen.

Eines darf der Einzelhandel aber dennoch nicht außer acht lassen: Die Kaufmannsläden, die dicht machen mussten – nicht nur wegen des Grenzhandels, sondern auch wegen des Wettbewerbs auf dem dänischen Markt – werden nicht wieder öffnen. Und der Grenzhandel bleibt bestehen, denn vielen geht es nicht nur ums billige Bier, sondern auch um die Fahrt über die Grenze, die Currywurst und den Restaurantbesuch. Dieser Handelstourismus wird nie ganz aufhören.

Und schließlich geht es den Politikern bei den Steuern nicht nur ums Geld, sondern auch um die Gesundheit. Wenn die Abgaben für Süßigkeiten gesenkt werden, dann steigt nicht nur in Nordschleswig der Handel, sondern in ganz Dänemark. Das wäre aus einem gesundheitlichen Blickwinkel bedenklich. Daher werden die Nüsse garantiert günstiger. An den Gummibärchen haben die Politiker aber noch zu kauen.

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