Leitartikel

Da kam einer und hat es einfach getan

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Die gesparten 1,1 Millionen Kronen für Flensburger Strahlen stehen in keinem Verhältnis dazu, dass hunderte Krebspatienten aus Wilsbek, Broacker oder gar Krusau nicht mehr den kleinen Sprung über die Grenze machen können, um behandelt zu werden, meint Peter Lassen.

Wenn das System entscheidend ist, wird es für den Menschen schwer. Wenn zwei Systeme wie das dänische und das deutsche Gesundheitswesen unter einen Hut sollen, bleibt der Patient offenbar erst recht auf der Strecke – wie im Fall der Anfang des Jahres weggesparten Strahlenbehandlung in Flensburg. Über das Wie und Warum ist aktuell ausführlich berichtet worden.

Klar, dass Politiker es schwer haben, wenn sie sparen müssen. Aber die gesparten 1,1 Millionen Kronen für Flensburger Strahlen stehen in keinem Verhältnis dazu, dass hunderte Krebspatienten aus Wilsbek, Broacker oder gar Krusau nicht mehr den kleinen Sprung über die Grenze machen können, um behandelt zu werden. Sie müssen ganz nach Vejle oder Odense. Das geht ja ein oder zwei Mal, aber wenn man dies sechs Wochen lang täglich muss, ist das schon ein tiefer Einschnitt in die Lebensqualität – insbesondere wenn die Alternative so nah ist.

Ok, das süddänische Gesundheitssystem muss eigene Kapazität nutzen. Aber wo es sich so anbietet, wie im nahen Flensburg, sollte man den betroffenen Patienten den Schlagbaum nicht vor der Nase runterklappen. Denn die Patienten stehen doch immer im Mittelpunkt – oder?
In Sachen grenzüberschreitende Strahlenbehandlung zählt aber auch, dass hier das Flaggschiff der konkreten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit versenkt wurde. Das passt einigen im Krankenhauswesen und im Regionsrat auch aus „systempolitischen“ Gründen gut. Aber zumindest jene, die immer auf die Tränendrüse drücken, wenn geredet wird, sollten handeln.

Wie sagte es Oberarzt und SP-Regionsratskandidat Dirk Sina so treffend, als er die ganze Debatte vor gut einer Woche erneut startete: „Wir sollten die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen und gerade bei den Krankenhäusern nicht abwickeln, sondern entwickeln. Wenn sich die Krankenhäuser im Grenzland enger zusammenschließen, bildet sich ein großes, kompetentes Zentrum. Da fällt es dann auch leichter, gute Fachkräfte zu verpflichten.“

Und wie schrieb es der Chef des St. Franziskus-Hospitals, Klaus Deitmaring vor einem Jahr in einem offenen Brief auch an die deutschen Politiker: „Die Fortführung dieser einmaligen Kooperation liegt in den Händen unserer Politiker, die ich dringend zum Handeln auffordere.“ Gleichzeitig warb er dabei auch dafür, norddeutsche Patienten nach Dänemark schicken zum können – statt nach Süddeutschland.
Deitmaring verwies unter anderem auf den Leitspruch in seinem Büro:

„Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat’s einfach gemacht.“

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