Haus und Garten

Vergnügen an der Vielfalt

Vergnügen an der Vielfalt

Vergnügen an der Vielfalt

Seth/Sæd
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Brennnessel und Giersch entdeckte Anja Dziallas Hansen im Garten vor allem, als sie vor zehn Jahren in das Haus in Seth/Sæd einzog. Dem Grundstück hat die 60-Jährige inzwischen ihren sehr persönlichen Stempel aufgedrückt. Foto: Marlies Wiedenhaupt

Wo vor zehn Garten nur Brennnessel und Giersch wuchsen, hat Anja Dziallas Hansen einer Fülle von Pflanzen einen Platz gegeben,

Lavendel schmiegt sich an den roten Backstein des Hauses, ein zartes Gewächs mit blasslila Miniblüten hat den Platz am Fallrohr für sich entdeckt, und ein Büschel Stockrosen drückt sich zwischen den Pflastersteinen aus der Erde, als hätten sich die Malvengewächse für genau diesen Zweck zusammengetan: Gemeinsam sind wir stark.

Der Garten von Anja Dziallas Hansen ist ein wahrer Hingucker, der dem Auge eine große Vielfalt an Pflanzen, Beeten, Töpfen, Solar-Lampen und weiteren Gartenaccessoires bietet. Inklusive Schubkarre und Bagger in kindgerechtem Format – Belege für die zeitweise Anwesenheit ihrer Enkel.

Der Garten liegt untypischerweise zur Straße hin – allerdings zu einer ruhigen Seitenstraße. Auf der erhöht liegenden Terrasse dominieren Blumen in Töpfen und Kübeln das Bild – zusammen mit zahlreichen, vielmals selbst gemachten Deko-Gegenständen.

„Zu meinem 60. Geburtstag im vergangenen September habe ich viele Blumenzwiebeln geschenkt bekommen“, erzählt die stellvertretende Abteilungsleiterin im Deutschen Kindergarten Rothenkrug. „Osterglocken, Tulpen, Perlhyazinthen. Immer wenn die geblüht haben, habe ich ein Foto davon gemacht und es denjenigen geschickt, die mir die Zwiebeln geschenkt haben.“ So konnten auch die anderen die Blüte noch genießen.

Pflanzenecken nach Farben gestaltet

In der Nähe der Terrasse hat Anja Dziallas Hansen die Pflanzenecken nach Farben gestaltet. Eine weiße Rose wird von weißem Phlox und cremefarbener Astilbe umrandet. Die allerdings jetzt noch nicht blühen. Eine rosa Ecke gibt es auch – dominiert von einer rosafarbenen Rose.

„Als ich vor zehn Jahren hierhergezogen bin, waren hier im Garten nur Unkraut. Giersch und Brennnessel – alles voll“, erzählt die Mutter von zwei Töchtern und zwei Söhnen. Doch dann lebte sie ihren Spaß am Gestalten aus. Selbst gemacht hat sie etwa Skulpturen aus Beton, wie Blätter, Herzen und Teddybären. Den Sprudelstein entdeckte sie auf einem Flohmarkt.

„Erst mal habe ich hier so gepflanzt, dass ich das Ergebnis vom Fenster aus sehen konnte. Die Terrasse war am Anfang ja noch nicht da. Viele Pflanzen habe ich geschenkt bekommen, und manches kommt ja von allein.“
Oder von der Tochter. „Diesen Rhododendron hier hat sie rausgeschmissen. Ich sagte, dafür finde ich einen Platz.“ Mittlerweile wachsen im Garten die früh blühenden rosa Bergenien, Hibiskus und Akelei, Iris, Bauernrosen und Taglilien. Hasenglöckchen verbreiten schon ihre lila Pracht, die Blätter der Funkien recken sich aus der Erde, und die Schwarzen Johannisbeeren machen schon Lust auf Sommer, wenn man ihre Früchte genüsslich verspeisen kann. „Aus den Blättern koche ich mir manchmal Tee“, verrät Anja Dziallas Hansen.

Einen Platz bekommen haben auch Lupinen, kleine rote Primeln, und ein Schmetterlingsstrauch. Für ihre Hortensien hat Anja Dziallas Hansen eine Art Krankenstation eingerichtet. „Ich habe sie in Töpfe gepflanzt, weil sie in der Erde nicht gekommen sind.“

Pflanzenwahl nach speziellem Prinzip

Ausgewählt hat sie die Pflanzen nach ihrem eigenen speziellen Prinzip: „Einerseits – oh, die habe ich noch nicht, und andererseits kann ich nichts wegwerfen. Wenn etwa im Gartencenter welke Gewächse für wenig Geld angeboten werden, muss ich sie mitzunehmen.“ So wird der Garten auch zu einer Art Gnadenhof, wo sich Blumen, Kräuter & Co. aber meist wieder erholen.

„Und wenn ich etwas lese, in Zeitschriften oder bei Facebook, dann muss ich es unbedingt ausprobieren.“ Bei Facebook ist sie etwa mit einer Naturgruppe virtuell verbunden.

Dafür, dass die gebürtige Hamburgerin sich in Dänemark zu Hause fühlt, hat der Besuch mit einer Freundin im Schneewinter 1978/79 auf einem Hof in Seth den Grundstein gelegt. „Ich fand die Familie so toll, den Kamin, die Kühe! Also bin ich in den darauffolgenden Sommerferien wieder hingefahren. Als ich dann nach Hamburg zurückkam, habe ich zwei Koffer gepackt, meinen Job gekündigt, meine Wohnung einer Freundin überlassen und war zwei Tage später wieder in Dänemark.“ Ganz nach der Devise: Wenn man sich traut, kann man alles. Nun lebt sie seit 41 Jahren im Königreich und nach Stationen in Hoyer/Højer und Tondern/Tønder wieder in Seth.

Gelber Mohn weist den Weg

Auf ihrem Grundstück weist gelber Mohn sozusagen den Weg ums Haus herum. Dort hinten steht ein Treibhaus aus alten Fenstern, die die Tochter wegwerfen wollte, neben dem Gestell, das Anja Dziallas Hansen ab und an mit Töpfen voller Ableger an die Straße stellt und zum Verkauf anbietet.

Außerdem gibt es ein Kräuterbeet – mit Schnittlauch, Basilikum, Pfefferminze –, Erdbeeren, die sie selbst vermehrt hat und Kartoffeln. Sie entschuldigt sich dafür, dass es „hier so wühlig ist. Aber das ist komisch: Wenn ich aufgeräumt hab, kommt keiner“, lacht Anja Dziallas Hansen, die seit fünf Jahren Pädagogin ist. Davor hatte sie ohne Berufsausbildung in Kindergärten und in einem Hotel gearbeitet. Eine Brustkrebsdiagnose vor zwölf Jahren zeigte ihr, wie eng das Negative und das Positive miteinander verknüpft sein können.

„Nach der Chemotherapie und Bestrahlungen bekam ich von der Kommune einen Zuschuss für die Ausbildung. Mit 55 habe ich dann meinen Bachelor gemacht“, sagt sie voller Stolz.

„Ich liebe die Arbeit mit Kindern.“ Und die kann sie in ihrem Beruf mit der Liebe zur Natur verbinden. „Etwa wenn ich Gänseblümchentee mache, eine Blüte esse und die Kinder dann auch den Mut haben, das zu tun. Ich freue mich einfach, wenn sie sich freuen. Sie sind so unvoreingenommen.“

Außer ihren vier Kindern hat Anja Dziallas Hansen vier Enkel. Und diese Zahl wird sich im Herbst verdoppeln. Deshalb steht zwischen Blumenkübeln und selbst gemachten Deko-Gegenständen zurzeit auch eine Wasserschale mit einem Pinsel darin. Mit dem hat sie die Holzstörche bemalt – für die kommenden Babys.

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