THEMA DER WOCHE: DEUTSCH IN DÄNEMARK

Deutsche Sprache in zweisprachigen Familien

Deutsche Sprache in zweisprachigen Familien

Deutsche Sprache in zweisprachigen Familien

Julia Röhr
Nordschleswig/Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Nora Sina mit ihrem Partner Frederik Tillitz und der gemeinsamen Tochter Martha. Foto: Nora Sina

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Weg aus Nordschleswig, ab nach Kopenhagen. Da braucht man eigentlich die deutsche Sprache nicht mehr, wenn man auch Dänisch spricht. Warum wird in vielen zweisprachigen Familien dann Deutsch noch an die nächste Generation weitergegeben?

Nora Sina kommt ursprünglich aus Nordschleswig und studiert in Kopenhagen Politikwissenschaften. Dort lebt sie mit ihrem Partner Frederik Tillitz und der gemeinsamen Tochter Martha. Frederik Tillitz ist Däne, Nora Sina ist in der Nähe von Gravenstein (Gråsten) aufgewachsen und kommt aus einem deutsch-dänischen Haushalt. Ihr Vater kommt aus der Nähe von Flensburg, und ihre Mutter ist selbst als Teil der deutschen Minderheit aufgewachsen.

Sprachentwicklung

Martha ist anderthalb Jahre alt. Nora spricht mit ihr nur Deutsch, Frederik nur Dänisch. Untereinander sprechen sie Dänisch. Bevor sie sich kennengelernt haben, sprach Frederik Tillitz nur wenig Deutsch, was er in der Schule gelernt hat. Dann haben die beiden gemeinsam in Hamburg für ein paar Monate gelebt, und dort hatte er intensiven Deutschunterricht. Jetzt läuft es sprachlich ganz klar, und er versteht alles, worüber Nora Sina mit Martha spricht.

Nora Sina erzählt, dass es zu Beginn etwas ungewohnt war mit dem Kind eine Sprache zu sprechen, die er nicht kannte. Daran mussten sie sich erst gewöhnen, aber mittlerweile ist daraus Normalität geworden. In beiden Sprachen ist Martha gleich gut. Da entsteht nicht der Eindruck, dass sie etwas nicht verstehen würde.

Zweisprachigkeit in der Familie

Für Nora Sina war es zu Beginn gar nicht so wichtig, die deutsche Sprache an ihre Tochter weiterzugeben. Von ihrem Partner Frederik Tillitz kam stark die Intention, die Sprache auch an Martha zu vermitteln. „Für mich ist es auch gemütlich, mit meiner Tochter deutsche Kinderbücher lesen zu können", erzählt Nora Sina. So wird ein Teil ihrer eigenen Kindheit auch weitervermittelt. „Es wäre komisch, wenn ich diesen Teil von mir nicht weitergeben würde.“ Sprache ist für sie der Zugang zu vielen Dingen, auch in der Zukunft.

Es muss in der Familie passen

Wenn Frederik Tillitz die Zweisprachigkeit zum Beispiel nicht begrüßen würde, wäre die Situation noch mal anders. „Es ist ja so, dass bei vielen der Eindruck herrscht, Mutter und Kind haben eine andere Beziehung als das Kind zum Vater. Und das möchte ich überhaupt nicht“, versichert Nora Sina. Es wäre nicht gut, wenn sie und Martha eine Sprache sprechen würden, die er nicht versteht. So legt sie viel Wert darauf, dass der Vater genauso wie die Mutter in die Erziehung eingebunden ist. Da Sprache aber keine Barriere in der Familie ist, entstehen diese Probleme gar nicht erst.

Sprache als Barriere?

Sprache war für Nora Sina nie eine Barriere. Manchmal ist es aber etwas schwierig, ihren Mitmenschen zu symbolisieren, dass sie auch Dänisch kann, wenn sie mit ihrer Tochter Deutsch spricht. Zum Beispiel auf dem Spielplatz oder im Kindergarten. Im Freundeskreis ist es kein Problem, da wissen alle über die Zweisprachigkeit Bescheid. Das sind kleine Hürden im Alltag, aber sonst gibt es keine Probleme.

Je mehr Sprachen, desto besser

Aus Erfahrung kann Nora Sina sagen, je mehr Sprachen eine Person spricht, desto besser. Bei jeder Sprache, die man lernt, wird es einfacher, eine nächste zu lernen. Dadurch eröffnen sich ganz neue Welten. Das Verständnis für Sprache und Wörter an sich ist wichtig, weiterzugeben.

Ratgeber für Familien, die das Deutsche weitergeben wollen

Aus dem Kulturausschuss des Bundes Deutscher Nordschleswiger hat sich eine kleine Gruppe gebildet, die sich auch mit diesem Thema beschäftigt. Sie sind dabei, ein Buch zu verfassen, was den aus Nordschleswig stammenden jungen Leuten erleichtern soll, ihren Kindern das Deutsche und dazu auch die deutsche Kultur zu vermitteln. Es hat keinen wissenschaftlichen Hintergrund, sondern soll ein praktischer Ratgeber für die Familien sein. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland finanziert. Zum Ende des Jahres soll dann dieser Ratgeber erscheinen. Dies teilte Karin Petersen, Mitglied des Kulturausschusses des Bundes Deutscher Nordschleswiger, dem „Nordschleswiger“ mit.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 26. April um die Informationen „Kulturausschuss des Bundes Deutscher Nordschleswiger”, „Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland finanziert” und „Mitglied des Kulturausschusses des Bundes Deutscher Nordschleswiger”, ergänzt.

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