Netzausbau für Energiewende

Stromkabel „Südlink“ verzögert sich um Jahre

Stromkabel „Südlink“ verzögert sich um Jahre

Stromkabel „Südlink“ verzögert sich um Jahre

Henning Baethge/shz.de
Berlin/Kiel
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Verlegen von Erdkabeln: Gegen den Bau des „Südlinks“ gibt es in einigen Regionen unerwartet großen Widerstand. Foto: Roland Weihrauch

Die neue Leitung wird frühestens 2028 fertig. Netzbetreiber Tennet macht die Corona-Pandemie dafür mitverantwortlich.

Der Bau des großen „Südlink“-Stromkabels zwischen Schleswig-Holstein und Süddeutschland verzögert sich um mindestens zwei Jahre, womöglich aber noch stärker. Auch die meisten anderen Netzausbauprojekte in Deutschland werden teils Jahre später fertig als geplant. Das geht aus dem zweiten Entwurf für den Netzentwicklungsplan 2035 hervor, den die Stromnetzbetreiber diese Woche vorgelegt haben.

Das Kabel wird statt 2026 wohl frühestens 2028 fertig

Darin treffen sie für ihre Projekte erstmals eine Fertigstellungsprognose „unter Berücksichtigung gewisser zukünftiger Risiken“. Demnach würde der „Südlink“, der Windstrom von Brunsbüttel und Wilster nach Baden-Württemberg und Bayern leiten soll, nicht wie zuletzt geplant 2026 in Betrieb gehen, sondern erst 2028. Und selbst dieser Termin ist fraglich: „Das spätere Datum unterliegt weiteren Unsicherheiten, so dass eine weitere Verzögerung des genannten Termins im gleichen Maße wahrscheinlich ist wie dessen Realisierung“, heißt es im Netzentwicklungsplan.

Ein Sprecher des „Südlink“-Bauherrn Tennet begründete den absehbaren Verzug gegenüber shz.de unter anderem damit, dass sich die Bürgerbeteiligung „coronabedingt verlangsamt“ habe. Auch gebe es in einigen Regionen unerwartet starken Widerstand. „Mit den nun genannten Terminen wollen wir Transparenz herstellen“, sagte er.

Auch künftig drohen oft Zwangsabschaltungen von Windrädern

Wegen der Verzögerung beim Bau der Stromleitung müssen die Windmüller in Schleswig-Holstein nun voraussichtlich auch nach 2026 noch oft ihre Anlagen wegen drohender Netzüberlastung abschalten – und Verbraucher auch nach 2026 noch viel Geld für diesen nicht erzeugten Windstrom zahlen. Letztes Jahr erhielten Windpark-Betreiber wegen dieser Zwangsabregelungen allein in Schleswig-Holstein 332 Millionen Euro an Entschädigungen. Bundesweit stieg der Betrag auf die Rekordhöhe von 761 Millionen Euro.

Die schleswig-holsteinische Grünen-Bundestagsabgeordnete und Stromnetz-Expertin Ingrid Nestle kritisierte die große Koalition in Berlin wegen der Verzögerungen. „Diese Regierung kann kein Management von Fortschritt oder neuen Projekten – sie scheint eher spezialisiert auf die Verwaltung des Status Quo“, wetterte Nestle. Sie forderte von der Groko eine „effektive Beschleunigung der Planungsprozesse“ und mahnte „mehr Personal in den verantwortlichen Behörden und mehr politischen Rückhalt für die konkreten Projekte“ an.

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