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Schulordnung: Tesfaye setzt verstärkt auf Schulverweise

Schulordnung: Tesfaye setzt verstärkt auf Schulverweise

Schulordnung: Tesfaye setzt verstärkt auf Schulverweise

Ritzau/eb
Kopenhagen
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Mattias Tesfaye (Soz.) betrachtet das Heimschicken von Kindern, die sich nicht ordentlich verhalten, als ein Werkzeug, das im dänischen Schulwesen häufiger zum Einsatz kommen sollte. Foto: Thoms Traasdahl/Ritzau Scanpix

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Was tun, wenn sich Schülerinnen und Schüler gegenseitig belästigen? Bildungsminister Tesfaye sieht eine Lösung im Ausschluss der Kinder vom Unterricht. Dies trifft nicht nur auf Zustimmung.

Bildungsminister Mattias Tesfaye (Soz.) will Schülerinnen und Schüler, die sich übergriffig verhalten, zukünftig vermehrt vom Unterricht ausschließen lassen. Hierzu soll eine Änderung der Schulordnung erfolgen. Anlass ist eine Untersuchung des Ministeriums für Kinder und Bildung. Diese wurde durchgeführt, nachdem es an verschiedenen Schulen im Land zu Fällen von gewalttätigen und sexuellen Übergriffen zwischen Gleichaltrigen gekommen war. Betroffen waren vor allem Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren.

Rauer Umgangston untereinander

Die Untersuchung von Tesfayes Ministerium ergab keine konkrete Zunahme schwerer Verstöße. Dennoch werde ersichtlich, dass sich das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler in eine bedenkliche Richtung entwickelt habe. Insbesondere der Sprachgebrauch sei geprägt von einer Härte, die in dieser Form so bisher nicht zu erkennen war.

„Das ist nichts, was die Kinder aus Bamses Billedbog gelernt haben. Es sind Kinder, die andere Eindrücke erhalten als ihre Eltern, als diese sieben und acht Jahre alt waren“, so Tesfaye.

Schulverweis als wirksames Instrument

Laut des dänischen Gemeindeverbandes (KL) sind viele Schulen aktiv auf der Suche nach Möglichkeiten, um Schulverweise besser durchsetzen zu können. Bisher lässt die Ordnungsvorschrift für Grund- und Sekundarschulen einen Ausschluss vom Unterricht nur zwei Mal im Schuljahr zu. Er umfasst jeweils nur wenige Tage. Entsprechend soll diese Regelung nun geprüft und angepasst werden. Schulen sollen verstärkt die Möglichkeit erhalten, Schülerinnen und Schüler nach Hause zu schicken, wenn sie gegen die Schulordnung verstoßen. Einzelheiten müssten noch geklärt werden, so Tesfaye.

Kritik am Vorhaben

Gordon Ørskov Madsen, Vorsitzender der dänischen Lehrergewerkschaft, sieht in Tesfayes Plänen nicht den richtigen Ansatz. Schulverweise seien nur bei sehr schweren Verstößen gegen die Schulordnung angebracht. Konflikte müssten eingedämmt werden, bevor es zum Ernstfall kommt. Dies sei für Lehrkräfte aufgrund der Größe vieler Klassen jedoch die eigentliche Herausforderung. 

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