SU-Darlehen

Ausländische Studierende schulden Dänemark 1,3 Milliarden Kronen

Ausländische Studierende schulden Dänemark 1,3 Milliarden Kronen

Ausländische Studierende schulden Dänemark 1,3 Milliarden Kr

Gerrit Hencke
Gerrit Hencke Journalist
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Dänische Geldscheine liegen auf dem Tisch.
Die Schulden belaufen sich mittlerweile auf mehr als eine Milliarde Kronen. Foto: Claus Bonnerup/Ritzau Scanpix

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Ausländische Studierende können sich während des Studiums in Dänemark Geld leihen. Viele zahlen ihr Darlehen jedoch nicht zurück. Das Problem beschäftigt wechselnde Regierungen seit Jahren. Neue Zahlen lassen erneut Forderungen nach einer Lösung laut werden.

Ausländische Studierende schulden dem dänischen Staat mittlerweile 1,3 Milliarden Kronen. Der Grund: Nach Beendigung des Studiums zahlen viele ihr Ausbildungsdarlehen (SU-Lån) nicht zurück. Das berichtet „DR Nyheder“ am Mittwoch.

Innerhalb von nur drei Jahren seien die Schulden ausländischer Studierender von 800 Millionen auf 1,3 Milliarden Kronen gestiegen. Insgesamt 18.000 Studentinnen und Studenten stehen beim dänischen Staat in der Kreide, durchschnittlich mit 72.200 Kronen.

Schulden im Ausland eintreiben

Da passt es, dass die dänische Behörde für Steuerschulden (Gæld Styrelsen) aktuell mit Stellenausschreibungen, unter anderem in der „Ugeavisen“, nach Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern sucht, die auch über die Landesgrenzen hinweg Schulden eintreiben sollen.

Steuerminister Jeppe Bruus (Sozialdemokratie) teilte mit, dass man versucht, die Rückstände auch dann einzutreiben, wenn die Studierenden das Land bereits wieder verlassen haben. Das ist in 5.000 der 18.000 Fälle der Fall. Allein die Schulden dieser Gruppe belaufen sich auf 350 Millionen Kronen. Die Mehrheit der ausländischen Schuldnerinnen und Schuldner lebt allerdings weiterhin im Land.

Die Dänemarkdemokraten und auch die Sozialistische Volkspartei (SF) fordern entsprechende Regeln und Konsequenzen für ausländische Studierende. Für SF käme etwa eine EU-Regelung infrage, damit man sich künftig der Rückzahlung durch Wegzug in ein anderes Land nicht mehr entziehen könne. Verwehren könne man die Unterstützung hingegen nicht, da diese laut EU-Kommission zur freien Studienplatzwahl gehöre, sagt Steuerexperte Sigurd Agersnap von SF.

Denn: Studierende aus dem Ausland haben das gleiche Recht wie ihre dänischen Mitstudentinnen und -studenten, wenn es darum geht, ein Ausbildungsdarlehen zu beantragen. Sie nutzen allerdings bisher eine Gesetzeslücke, um das Darlehen nicht zurückzuzahlen. Wenn die Studierenden nämlich erst einmal wieder in ihrem Heimatland sind, kann sie der dänische Staat nicht belangen.

Lücke wird seit Jahren ausgenutzt

Wechselnde Regierungen haben in den vergangenen Jahren versucht, eine Lösung für das Problem zu finden − bislang erfolglos. Auch „Der Nordschleswiger“ hatte vor zwei Jahren über die SU-Lücke berichtet. Damals lag die Gesamtsumme der Schulden noch bei 623 Millionen Kronen.

Ein 2018 eingeführter Sieben-Punkte-Plan führte nicht zu einer Verbesserung der Situation. Vier Jahre später sieht sich nun der neue Steuerminister Jeppe Bruus mit den neuen Zahlen konfrontiert. Er sagt, man tue, was man kann, um die Menschen zu fassen zu bekommen. Daher versuche man nun auch, die Schuldnerinnen und Schuldner im Ausland ausfindig zu machen. Die Möglichkeiten seien aber begrenzt, und eine Lösungsfindung komme nur langsam voran.

Dänische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger haben übrigens weit höhere SU-Schulden. Ende 2022 hatten 120.000 Menschen ihr Darlehen nicht wie vereinbart zurückgezahlt – eine Gesamtsumme von über 11 Milliarden Kronen.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Auch Weltmeister können besser werden“