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Dänemarks Tourismusbranche hofft auf einen Vingegaard-Effekt

Dänemarks Tourismusbranche hofft auf einen Vingegaard-Effekt

Dänemarks Tourismusbranche hofft auf einen Vingegaard-Effekt

cvt/Ritzau
Kopenhagen/Paris
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Der 25-jährige Radprofi Jonas Vingegaard wird vom dänischen Tourismusverband zum Aushängeschild erklärt. Hier feiert er nach der 19. Etappe, dass er weiterhin das Gelbe Trikot tragen darf. Foto: Marco Bertorello/AFP/Ritzau Scanpix

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Die Tour de France erst in Dänemark – und nun mit möglichem Gesamtsieger aus dem Königreich: Touristik, Forschende und der Botschafter in Paris sehen positive Effekte. Die Erzählung vom Fahrradland Dänemark bekommt ein neues Kapitel.

Dänemark als Fahrradland. Egal ob zur Schule, zur Arbeit oder ins Wochenende, die Däninnen und Dänen sind stets mit dem Fahrrad unterwegs.

Dieses zwar positive, aber auch ziemlich schiefe, Bild Dänemarks hat sich im Ausland durchgesetzt. Und nun kommt auch noch eine beeindruckende Erfolgsgeschichte beim populärsten Radrennen der Welt, der Tour de France, hinzu.

Am Sonntag könnte Dänemark in Person von Jonas Vingegaard erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Tour-Gewinner stellen. Und dieses Mal vielleicht sogar einen mit reinem Doping-Gewissen.

Doch selbst, wenn Vingegaard es wider Erwarten doch nicht schaffen sollte: Die Leistung des 25-Jährigen ist unbezahlbares Marketing für das Urlaubsland Dänemark, meint der Kommunikationschef des Tourismusverbandes VisitDenmark.

„Es hat extrem viel internationale mediale Aufmerksamkeit für Dänemark gebracht“, sagt Anders Rosbo, der von „fantastischer Reklame“ spricht.

Wie hier in Sonderburg (Sønderborg) am 3. Juli hat die Tour de France in Dänemark für Begeisterung gesorgt. Nun hofft die Touristikbranche auf einen Werbeeffekt für das Radfahr-Land. Foto: Karin Riggelsen

VisitDenmark: Marketing-Effekt wird Urlaubende nach Dänemark locken

Auch andere Dänen haben sich bei der diesjährigen Tour in den Vordergrund geradelt und dabei bisher vier Etappensiege geholt. So viele, wie noch nie.

Zugleich hat sich das kleine Dänemark mit seinen fast 5,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern auch als Gastgeber für die ersten drei Etappen hervorgetan – die dritte führte durch Nordschleswig.

„So ein fantastisches Marketing in Verbindung mit einem Sportereignis hatten wir noch nie“, meint Rosbo. „Zweifelsohne wird das einige ausländische Touristen dazu bringen, zu sagen, dass Dänemark und Kopenhagen es bringen“, sagte er.

Sollte Jonas Vingegaard die Tour de France gewinnen, wäre das das Sahnehäubchen, denn dann könne das als Teil der Erzählung von Dänemark als gutem Radfahrland gebraucht werden.

Wissenschaftler: Wirksamer als Reklame

Eine naheliegende Kopplung, meint auch Jon Sundby, Tourismusforscher an der Uni Roskilde.

„Es geht darum, eine Erzählung zu schaffen, die die Medien überall weitertragen. Das ist deutlich wirksamer als Anzeigen“, sagt er.

Doch andere Faktoren seien mindestens ebenso wichtig wie das Image Dänemarks als Fahrradland. Unter anderem sind die Kosten und die Entfernung wichtige Faktoren. Deshalb sei es auch fast unmöglich, zu beziffern, was ein Toursieg der Tourismusbranche bescheren würde, zu der neben Hotels und Gastronomie vor allem die zahlreichen Ferienhaus-Vermietenden gehören.

Dänemarks Botschafter in Paris, Michael Starbæk Christensen, spricht gar von positiven politischen Konsequenzen der Tour de France 2022. „Dass ein Däne ein großes französisches Rennen gewinnt, gibt es denn etwas Besseres“, fragt er und nennt einen möglichen Sieg eine „Manifestation der guten Beziehungen“.

Die Tour de France ist das weltgrößte Radrennen und bisher hat erst ein Skandinavier es gewinnen können: 1996 war es der Däne Bjarne Riis, der später zugab, damals gedopt gewesen zu sein.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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