Leitartikel

„Spaß auf Kosten anderer ist nicht witzig – sondern niederträchtig“

Spaß auf Kosten anderer ist nicht witzig – sondern niederträchtig

Spaß auf Kosten anderer ist niederträchtig

Apenrade/Aabenraa
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Wenn ein Bürgermeister mit seinem Chauvinismus auch noch prahlt, dann lässt das tief blicken, meint Cornelius von Tiedemann. Er freut sich, dass die Reaktionen darauf vor allem eines sind: ablehnend.

Nicht nur in Tondern macht ein Bürgermeister derzeit Schlagzeilen. Auch in Faxe auf Seeland. Das jedoch aus anderen Gründen. Der Venstre-Mann Ole Vive hat mit einem Beitrag im Kurznachrichtendienst Twitter für Empörung – einen sogenannten „Shitstorm“ – gesorgt.

Vive hat sich dort zur Sexismus-Debatte zu Wort gemeldet – und das in einer Weise, die viele dazu brachte, den Kopf zu schütteln – und andere, in die Tasten zu hauen.

Er schrieb über den wegen sexualisierten Machtmissbrauchs gegenüber Parteifreundinnen zurückgetretenen Morten Østergaard (Radikale Venstre), er habe sich ja ansonsten zurückgehalten, aber: „Wenn das hier der neue Männertyp ist, dann bin ich froh, vom alten Jahrgang zu sein.“
So leitet der mit 44 Jahren eigentlich recht junge Bürgermeister, der in seinem Beitrag grinsende Smileys und zahlreiche Ausrufezeichen verwendet, ein. „Und an die, denen ich einen Klaps auf den Hintern gegeben habe, entschuldigt! Und an die, die mir eine Ohrfeige gegeben haben, wir sind quitt“, so der Bürgermeister weiter.

Nun kommentieren wir äußerst selten die Lokalpolitik in Kommunen fern Nordschleswigs, doch in diesem Falle hat Vive sich erstens auf ein Thema bezogen, das landesweit diskutiert wird – und er hat einen Chauvinismus an den Tag gelegt, der zum Himmel, und damit auch bis nach Nordschleswig schreit.

Drei Tage nach seinem Beitrag hat er sich auf Twitter erneut geäußert und schreibt, er habe versucht, sich an der Debatte „mit Humor“ zu beteiligen. Dies sei „ungeschickt und missverständlich“ gewesen, sagt er. Es sei natürlich nicht in Ordnung, sich unpassend anderen gegenüber aufzuführen.

Eine Entschuldigung klingt anders. Und Einsicht auch. Vielmehr klingt es danach, als habe da einer von oben auf den Deckel gekriegt. Besonders missverständlich war sein Beitrag jedenfalls nicht.

Wie dem auch sei – es geht nicht um Vive als Person. Es geht um eine unsympathische und diskriminierende Kultur, die (auch) in Dänemark noch immer floriert – oder sollen wir lieber sagen wuchert – und die das Leben für mindestens die Hälfte der Bevölkerung, die weibliche nämlich, unnötig beschwerlicher macht.

Und, nicht zu vergessen, oftmals auch für Männer, die sich gerne in bestimmten Kreisen, vielleicht auch am Arbeitsplatz, engagieren wollen, dort aber nur akzeptiert werden, wenn sie sich eben dieser Kultur „vom alten Jahrgang“, man könnte auch sagen, dieser „gestrigen“ Kultur, unterordnen.

Das Gute an Beiträgen wie dem von Vive ist, dass sie aufzeigen, wie verbreitet die Ignoranz tatsächlich ist und wie tief verwurzelt die Meinung ist, dass „ein bisschen Spaß ja noch erlaubt“ sein müsse.

Nein. Spaß auf Kosten anderer ist nicht witzig – sondern bösartig und niederträchtig. Das gilt im Verhältnis zwischen Männern und Frauen genau wie in allen anderen zwischenmenschlichen Beziehungen und Begegnungen.

Ja, der Fall Østergaard ist komplex. Aber ihm die „Männlichkeit“ abzusprechen, weil er die für ihn und seine Partei schmerzhaften Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten zieht, ist nicht nur seinerseits unmännlich (sowohl nach gestriger als auch nach zeitgemäßer Definition), es ist auch primitiv und Ausdruck einer Geisteshaltung, die endlich überwunden gehört.

Positiv stimmt, dass die Reaktionen auf den Beitrag Vives zum allergrößten Teil ablehnend sind, auch wenn einige wenige ihn nun schon als neues Opfer der sogenannten „krænkelseskultur“ sehen. Na, herzliches Beileid, armer Mann „vom alten Jahrgang“!

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