Flugreisen-Diskussion

Baumpflanzungen sind kaum Klima-Ausgleich für Flüge

Baumpflanzungen sind kaum Klima-Ausgleich für Flüge

Baumpflanzungen sind kaum Klima-Ausgleich für Flüge

Dirk Thöming
Kopenhagen/Oslo
Zuletzt aktualisiert um:
Norwegian Airlines will die eigene Baumpflanz-Kampagne jetzt eher als ein Gestus verstanden wissen. Foto: Wikimedia Commons

In Dänemark wird das „grüne“ Image von skandinavischen Fluggesellschaften diskutiert. Baumpflanzungen als CO2-Kompensation für Flugreisen sind fast ohne Effekt, gibt Norwegian Airlines zu.

Mit ihrer Klimaschutz-Kampagne von 2017 ist die größte skandinavischen Fluggesellschaft, Norwegian Airlines, jetzt in die Schlagzeilen geraten.

Der Fernseh- und Radiosender Danmarks Radio (DR) berichtete zunächst, dass angebliche Baumpflanzungen nicht stattgefunden hätten. Rund 22.000 Bäume wollte Norwegian als CO2-Kompensation für die Flüge der Gesellschaft bis Ende des Jahres 2017 pflanzen, davon 3.500 in der englischen Grafschaft Oxford. Ein ortsansässiger Naturschützer will dagegen gesehen haben, dass dort höchstens 1.000 Setzlinge zu finden und viele von diesen noch eingegangen seien. Nur die kleinen Glasröhrchen, die die Setzlinge schützten, seien noch zu finden.

„Norwegian“ erklärte zunächst, dass tatsächlich weltweit noch 5.000 Bäume zu pflanzen seien.

Doch die Fluggesellschaft gab danach überraschend zu, dass Baumpflanzungen kaum einen Klimaschutz-Effekt haben könnten.

„Man kann auf keine Weise CO2-Kompensation und den Kampf gegen globale Erwärmung mit unserer Kampagne zusammenbringen“, stellte die Beratungsfirma, die die Kampagne 2017 startete, gegenüber DR klar. Diese Verknüpfung wäre „direkt missverständlich und falsch“.

Norwegians Pressechef, Andreas Hjørnholm, ergänzte:

„Dieses Projekt war als ein Gestus gemeint, bei dem wir zusammen mit unseren Mitarbeitern einige Bäume pflanzen“ — um damit zu zeigen, dass Klimaschutz ernst genommen werde.

Ob es denn gar keinen Effekt habe?

„Doch schon, aber wie ich ja sagte, keinen großen, und keinen Effekt, der das Klimaproblem lösen kann“, ergänzte der Pressechef auf Nachfrage.

Hintergrund kann sein, dass jetzt auch diverse andere Fluggesellschaften ähnliche Klima-Kampagnen lanciert haben. Norwegian-Topchef Bjørn Kjos twitterte dazu:

„Es ist frustrierend, dass Fluggesellschaften sich jetzt eine grüne Weste waschen wollen. Fakt ist: Das Wichtigste, was eine Fluggesellschaft für das Klima tun kann, ist in eine neue Luftflotte und neue Technologie zu investieren, nicht aber in leuchtende Reklamen.“

„Spart nur zwei Flüge ein"

Danmark Radio befragte auch einen Klimaschützer vom Ökologischen Rat zum Thema. Senior-Ratgeber Kåre Press-Kristensen bestätigte, dass der Klima-Effekt gering sei.

„22.000 Bäume können im Jahr einen einzigen Flug Dänemark-New York hin und zurück mit 300 Passagieren kompensieren“, sagte der Umweltschützer. (Flugdauer je Richtung etwa 7,5 Stunden, Red.) Norwegian transportiere jährlich aber 37 Millionen Passagiere.

Die anderen machen es nach

Andere Fluggesellschaften mit Klima-Kampagnen sind dem Artikel zufolge Skandinavian Airlines (SAS), die Passagieren ermögliche, freiwillig einen Beitrag zu bezahlen, von dem Windmühlen in Indien finanziert werden.

KLM Royal Dutch Airlines und Air France versprechen demnach, Bäume in Panama zu pflanzen.

Und die irische Fluggesellschaft Ryanair biete „gegen Ende des Buchungsprozesses“ an, freiwillig für den Klimaschutz zu spenden.

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