Recht & Justiz

Gefängnisse in Dänemark sind randvoll

jt
Kopenhagen
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Foto: Malene Anthony Nielsen/Ritzau Scanpix

Mit einer Auslastung um 99.9 Prozent sind die Gefängnisse in Dänemark bis zum Rand gefüllt. Zudem fehlt es an Personal, meint ein Gewerkschaftsvorsitzender.

Die Gefängnisse und Arresthäuser in Dänemark sind dermaßen gefüllt, dass die aktuelle Situation das Personal und die Insassen unter Druck stellt. Die durchschnittliche Auslastung liegt bei 99,9 Prozent, berichtet die Tageszeitung Berlingske. Des Öfteren müssen Insassen eine Zelle teilen oder gar in den Werkstätten oder Besuchsräumen eingesperrt werden.

Aktuell haben 33 Haftanstalten mehr Insassen als vorgesehene Zellen. Das zeigen neue Zahlen der Kriminalfürsorge. „Die Situation ist kritisch“, erklärt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gefängniswärter (Fængselsforbundet), Kim Østerbye. Er unterstreicht, dass in den Gefängnissen nicht nur Platzmangel, sondern auch Personalmangel herrscht.

„Für die Insassen bedeutet das, dass unser Personal auf viele andere Bereiche fokussieren muss, anstatt sich um die Resozialisierung der Inhaftierten zu kümmern. Zugleich sind rund 400 Bandenmitglieder inhaftiert, die eine Manndeckung beanspruchen“, so Østerbye zur Nachrichtenagentur Ritzau. Ihm zufolge müsste das Personal drei bis vier Tage zusätzlich pro Monat arbeiten, damit die Dienstplanung aufgeht.

Randvolle Gefängnisse ein Ergebnis des verstärkten Einsatzes gegen Banden

Preben Bang Henriksen, rechtspolitischer Sprecher der Partei Venstre, hat eine Erklärung für die überfüllten Gefängnisse und Haftanstalten in Dänemark.

„Die hohe Belastung unserer Gefängnisse ist ein Ergebnis unseres verstärkten Einsatzes gegen die Bandenkriminalität“, so Henriksen und ergänzt: „Jedes dritte Mitglied eines Rockerclubs oder Bande ist inhaftiert.“

Zudem ließ die Kriminalfürsorge 2014, aufgrund von fallenden Insassenzahlen, mehrere Gefängnisse schließen. Doch nun hat sich das Blatt gewendet und seit 2017 werden immer mehr Kriminelle inhaftiert. Von politischer Seite wurde beschlossen, dass die Gefängnisse eine Maximalauslastung von 96 Prozent haben dürfen – doch das ist zur Zeit nicht möglich, so Ritzau.

Die Kriminalfürsorge schätzt, dass die Zahl der Insassen weiterhin steigen wird und will demnach 150 zusätzliche Plätze schaffen.

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