Geschichte

„Deutsche im Umgang mit der Geschichte den Dänen weit voraus“

„Deutsche im Umgang mit der Geschichte den Dänen weit voraus“

„Deutsche im Umgang mit der Geschichte den Dänen weit voraus“

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup
Apenrade/Aabenraa
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Lars Løkke Rasmussen (2. v. l.) auf der Insel St. Thomas.
Lars Løkke Rasmussen (2. v. l.) auf der Insel St. Thomas. Foto: Anne Bequette, Scanpix

Lektor Therkel Stræde von der Süddänischen Universität in Odense sieht die neue Ausstellung in Husum-Schwesing als Paradebeispiel der deutschen Geschichts-Aufarbeitung. Dänemark könnte sich hier eine Scheibe abschneiden.

Lektor Therkel Stræde von der Süddänischen Universität in Odense sieht die neue Ausstellung in Husum-Schwesing als Paradebeispiel der deutschen Geschichts-Aufarbeitung. Dänemark könnte sich hier eine Scheibe abschneiden.

Deutschland Vorreiter

In Sachen Aufarbeitung machen es die Deutschen den anderen vor. Deutschland hat hier in gewissermaßen eine Vorbildfunktion. Das meint Geschichts-Lektor Therkel Stræde von der Süddänischen Universität in Odense. Ein aktuelles Beispiel ist die neue Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing. Laut Stræde ist Husum Schwesing ein typisches Beispiel für die deutsche Vergangenheitsbewältigung. Die Initiativen zur Aufarbeitung kamen nicht, wie in anderen Fällen von oben, sondern sie ist das Produkt der einzelnen Bürger und ihrer Neugierde zu den Geschehnissen während des Zweiten Weltkrieges.

„Durch die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Geschichte, erwachte ein generelles Problembewusstsein in der deutschen Gesellschaft. Dieses Bewusstsein erweckte die kritische Auseinandersetzung mit anderen Zeitabschnitten der deutschen Geschichte. Beispielsweise die Kolonialzeit“, so Stræde. Laut ihm wäre dies ohne die Vergangenheitsbewältigung unmöglich gewesen.

Husum zeigte anfangs Widerstand

Viele deutsche Städte, Dörfer usw. fingen in den 1960er-Jahren an, sich mit der Lokalgeschichte zu beschäftigen. Die Einwohner fragten sich, was in der Umgebung während der Naziherrschaft passiert ist. Wer waren die Akteure, Opfer, und so weiter?
Beispielsweise Ladelund war in der Hinsicht schneller am Werk als Husum. Ein lokaler Pfarrer, der während der Naziherrschaft ein glühender Befürworter der nationalsozialistischen Ideologie war, zeigte nach dem Krieg Reue. Er machte sich daraufhin an die Arbeit, die Geschichte Ladelunds widerzuspiegeln. Erst lokale Initiativen konnten die Stimmung drehen und Husum gilt heute auch als ein Beispiel des anständigen Umgangs mit der Geschichte – wie es die Gedenkstätte auch beweist.

Dänemark als Kolonialmacht

Dänemark hat im direkten Vergleich mit den Deutschen eine andere Art, mit der eigenen Geschichte umzugehen. „Die dänische Geschichte wird oft durch die rosarote Brille betrachtet, obwohl sie das wahrhaftig nicht immer ist. Beispielsweise wird die Kolonialzeit schöner dargestellt, als diese es war“, so Stræde. Obschon Dänemark zur damaligen Zeit eine Sklaverei-Nation war und durch die Güter und Sklaven der Kolonien zu viel Reichtum gelang, haben sich die Dänen später nie kritisch mit diesem Zeitalter auseinandergesetzt. Hier könnten laut Stræde die Dänen von den Deutschen lernen. Er fände es schön, hätte Dänemark zum 100. Jahrestag des Verkaufes der Westindischen Inseln dieses Zeitalter der Sklaverei mit kritischeren Augen betrachtet. Heute werden von Dänemark aus Charterreisen in diese Region verkauft, ohne dass die Leute sich der blutigen Geschichte bewusst sind oder darauf aufmerksam gemacht werden.

Deutschland hat Verantwortung übernommen

Durch die Vergangenheitsbewältigung wurden die Deutschen sich der Schuld bewusst und haben diese weitgehend auf sich genommen. Dadurch seien sie auch heute ein Vorbild, wenn es um die Einhaltung der Menschenrechte geht, meint Stræde. „Deutschland hat durch die Arbeit mit der Geschichte Verantwortung übernommen. Dies gilt sowohl für den Staat als auch für breite Kreise in der deutschen Zivilgesellschaft und das ist gerade das Bemerkenswerte. Hier könnte Dänemark sich eine Scheibe abschneiden“, sagt er.

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