Soziales

Deutlich weniger Alte bekommen Haushaltshilfe

Deutlich weniger Alte bekommen Haushaltshilfe

Deutlich weniger Alte bekommen Haushaltshilfe

cvt/Ritzau
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Casper Christoffersen / Ritzau Scanpix
Deutlich weniger Senioren bekommen eine Haushaltshilfe genehmigt (Symbolfoto). Foto: Casper Christoffersen / Ritzau Scanpix

Seit 2008 nimmt der Anteil der Senioren, die Hilfestellung in den eigenen vier Wänden bekommen, ab. Der Seniorenverband schlägt Alarm.

Die Zahl der Bürger im Alter von über 65 Jahren, die kommunale Haushaltshilfe in Anspruch nehmen, ist einem Bericht von „Kristeligt Dagblad“ zufolge seit 2008 von 21 auf 12,8 Prozent gesunken.

Tine Rostgaard, die auf dem Gebiet am Nationalen Forschungs- und Analysezentrum für Wohlfahrt, Vive, forscht, nennt dafür zwei übergeordnete Erklärungen.

Erstens sei man davon ausgegangen, dass die Älteren gesundheitlich besser dastehen würden und somit weniger Haushaltshilfe brauchen würde. Dies, so habe sich gezeigt, sei jedoch nicht der Fall.

Zweitens würden in den Kommunen heute mehr Reha-Maßnahmen durchgeführt, sodass die Senioren selbstständiger würden.

Zweifel an Voraussetzungen der Bewilligungspraxis

„Aber ob die Reha-Maßnahmen tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigen, dazu gibt es in Dänemark keine Untersuchungen. So, wie es heute ist, hoffen wir darauf, dass die Älteren selbstständiger werden“, sagt Rostgaard zu „Kristeligt Dagblad“.

Der Rückgang der Anzahl der Senioren, die Haushaltshilfe durch die Kommune bewilligt bekommen, sei nicht damit zu erklären, dass die Alten nun selbst das Reinemachen übernehmen würden.

Eine Vive-Analyse hatte zuvor gezeigt, dass jeder dritte als besonders schwach eingestufte Senior heute ohne Haushaltshilfe auskommen muss. In dem Bericht ist auch zu lesen, dass die Zahl der bewilligten Haushaltshilfe-Stunden seit 2008 um 6,5 Millionen gefallen ist.

Verbände: Es fehlt ein Plan

Per Tostnæs vom Seniorenverband Ældre Sagen nennt diese Entwicklung „katastrophal“. „Wenn die Entwicklung die kommenden zehn, 15 Jahre so weitergeht, gibt es die Haushaltshilfe in Dänemark einfach nicht mehr“, sagt er der Nachrichtenagentur Ritzau.

Auch der Arbeitgeberverband Dansk Erhverv, der unter anderem Unternehmen vertritt, die Haushaltshilfe anbieten, ist besorgt. „Es ist deshalb besorgniserregend, weil es ohne grundsätzliche Debatte darüber vor sich geht, was überhaupt läuft und was für eine häusliche Pflege wir in der Zukunft haben wollen“, sagt der wohlfahrtspolitische Sprecher des Verbandes, Rasmus Larsen Lindblom.

Sein Verband schlägt eine breit zusammengesetzte Seniorenkommission vor, in der die Gemeinschaft ihre Erwartungen an die Wohlfahrt im Seniorenbereich abgleichen kann.

Laut „Kristeligt Dagblad“ sind große kommunale Unterschiede bei der Bewilligung von Haushaltshilfe für Senioren zu sehen.

Mehr lesen