Gesundheitswesen

Ärztemangel für Millionen Bürger befürchtet – auch in Nordschleswig

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Viele Menschen in Dänemark müssen schon heute in eine Klinik statt zum Hausarzt, um sich untersuchen zu lassen. (Symbolfoto) Foto: Jesper Aggergaard/Unsplash

Der Verband der Allgemeinmediziner schlägt Alarm: 1,8 Millionen Menschen leben in Dänemark in Gebieten, in denen es problematisch ist, niedergelassene Ärzte zu finden. Tondern und Apenrade gehören dazu.

Seit Jahren fehlt es in Dänemark an Hausärzten – und das Problem hat weiter zugenommen. Das zeigt zumindest eine aktuelle Analyse der Ärztegewerkschaft PLO („Praktiserende Lægers Organisation“). Ihr Vorsitzender Christian Freitag nennt die Entwicklung „traurig und ärgerlich“.

„Wir befinden uns in einer Krisenzeit“, sagt er – und sieht kein Ende in Sicht. „Es gibt eine recht große Gruppe, die keinen Zugang zu einem Allgemeinmediziner hat, und eine noch größere Gruppe, die keine Möglichkeit hat, den Arzt zu wechseln, wenn sie mit ihrem derzeitigen Arzt nicht können“, so Freitag.

„Das ist eine sehr traurige Lage für ein System, das ansonsten 50 Jahre lang richtig gut funktioniert hat“, sagt er. Der Ärztemangel hat sich seiner Organisation zufolge inzwischen von den ländlichen Räumen auch in Großstädte wie Esbjerg und Kopenhagen ausgebreitet.

Ärztemangel

  • 1,8 Millionen Menschen leben laut Ärzteverband PLO in von Ärztemangel bedrohten Gebieten
  • Das bedeutet, dass es dort Probleme gibt, jeden Bürger einem Hausarzt zuzuweisen
  • Unter den betroffenen Kommunen sind auch Tondern und Apenrade
  • Jeder zehnte Allgemeinmediziner ist derzeit 65 Jahre oder älter
  • Bis 2025 liegt diese Zahl laut PLO-Prognose bei 28 Prozent, in 2030 bei 40 Prozent

Quelle: Praktiserende Lægers Organisation (PLO)

Ärztemangel spitzt sich innerhalb kurzer Zeit zu

Im Januar 2018 sprach die PLO noch von 609.320 Bürgern, die vom Ärztemangel betroffen seien, jetzt sind es dreimal so viele. In wenigen Jahren, so die Prognose, werde es 300.000 Menschen im Lande geben, die schlicht gar keinen Zugang zu einem Allgemeinmediziner mehr haben werden. Heute gibt es bereits 100.000 Menschen in Dänemark ohne Hausarzt.

Wer davon betroffen ist, wird von der Region an eine nahegelegene Klinik verwiesen.

Die PLO schreibt in ihrer Untersuchung, dass es kurzfristig dringend nötig sei, dass die Regionen, die in Dänemark für das Gesundheitswesen zuständig sind, Initiativen ergreifen, um ältere Allgemeinmediziner dazu zu bewegen, nicht in Rente zu gehen.

Langfristig soll die Politik dafür sorgen, dass mehr Fachärzte sich in Allgemeinmedizin ausbilden. „Eine der großen Ursachen ist es, dass es so viel zu tun gibt da draußen. Die praktischen Ärzte haben jede Menge Aufgaben. Der Mangel an Ärzten hat zur Folge, dass die Aufnahme neuer Patienten gestoppt wird“, sagt Freitag.

„Es hätte enorme Auswirkungen, wenn einige der älteren Ärzte ein oder zwei Jahre länger bleiben würden. Dann hätten wir Zeit, mehr Allgemeinmediziner auszubilden. Wir müssen die älteren praktischen Ärzte fragen, wie sie dazu gebracht werden können, ihren Ruhestand zu verschieben“, so der Verbandsvorsitzende.

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