Europäische Straße der Friesen

Verbindung zwischen Dänemark und Niederlande

Verbindung zwischen Dänemark und Niederlande

Verbindung zwischen Dänemark und Niederlande

Birger Bahlo/shz.de
Bredstedt
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Boßelsport verbindet längst die friesischen Regionen von Nordfriesland bis in die Niederlande – bis hin zu Europameisterschaften. Foto: Michael Ruff

Europäische Straße der Friesen: Verbindung zwischen Dänemark, Nord-, Ost- und Westfriesland nimmt mehr Gestalt an.

In der Heimat im eigenen Saft schmoren oder den überregionalen Charakter erkennen und die Initiative ergreifen? Vor dieser Frage stehen aktuell die Friesen und deren Unterstützer in der Region. Die Anzeichen verstärken sich, dass jetzt der geradezu völkerverbindende Charakter genutzt wird und daraus Neues entsteht.

Netzwerk für Projekt „Straße der Friesen“ wächst

Gleich an mehreren Enden zwischen Dänemark und den Niederlanden werden nämlich gerade von Partnern die Fäden aufgenommen, die Siegmar Wallat (68) aus Bredstedt im Vorjahr gesponnen hatte. Das Netzwerk für die von ihm ursprünglich in der Bredstedter AG Ortskernentwicklung aufgetischte Idee von einer „Straße der Friesen" wird immer dichter.

So habe der Friesenrat inzwischen über die dänische Minderheit Kontakt nach Dänemark aufgenommen, denn die Westküste Nordjütlands einzubinden, ist von Anfang an mitgedacht worden. Siegmar Wallat schwört dabei sehr auf seinen engen Kontakt zum Friesenrat. Ansprechpartner dort ist Heinrich Bahnsen, der frühere Bürgermeister von Breklum.

Fachhochschule untersucht Marketing-Chancen

Zudem plant die Fachhochschule Westküste in Heide laut Wallat bereits ihr zweites Projekt dazu ein. Nachdem Studierende im Studiengang International Tourism Management eine denkbare Route zwischen Nord und Süd unter kulturellen und touristischen Gesichtspunkten entwickelt hatten, sollen sie in einer neuen Runde jetzt im Sommersemester die Chancen der Vermarktung untersuchen.

Ideelle Unterstützung der Wirtschaftsförderer

Weil Siegmar Wallat bewusst ist, dass für die Implantierung eines solchen Projektes Geld notwendig ist, suchte er das Gespräch mit der Wirtschaftsförderung Nordfriesland und versuchte dort die wirtschaftliche Bedeutung eines im Kern kulturellen Projektes zu erläutern.

An meinem Ziel halte ich indes fest: die Vielfalt in einem Europa der Regionen darstellen.

Siegmar Wallat, Initiator der Europäischen Straße der Friesen

Das scheine ihm nicht so recht gelungen, beschreibt Wallat das Ergebnis vorsichtig. Sowohl Geschäftsführer Dr. Matthias Hüppauff als auch der mitberatende stellvertretende Landrat Thomas Heß waren zwar voll des Lobes für die Idee, die Käse- oder Weinstraßen andernorts ähnelt. Doch zurzeit sei dafür keine Förderung denkbar. So kehrte er zumindest mit der ideellen Unterstützung von dort heim. „An meinem Ziel halte ich indes fest: die Vielfalt in einem Europa der Regionen darstellen.“

Anerkennung für die Idee

Lob gibt es indes auch von anderen Seiten. Wallat war wegen des Projektes im Vorjahr für den Bürgerpreis Schleswig-Holstein nominiert worden. Begründung: Das Projekt diene der Völkerverständigung, wobei Dänen wie Holländern in den Nachbarländern die Hand gereicht werde.

Aktuell ist der CDU-Mann von Harald Rossa (SPD) aus Bredstedt zur Nominierung zum Willi-Piecyk-Preis vorgeschlagen worden. Die SPD Schleswig-Holstein vergibt diesen Preis in diesem Jahr zum fünften Mal. Damit soll Engagement für Europa gewürdigt und an Willi Piecyks Wirken erinnert werden, der von 1991 bis 1999 SPD-Landesvorsitzender war. 2021 soll kulturelles Engagement Leitmotiv sein, nicht unbedeutend für den Vorschlag aus Nordfriesland. Piecyk folgte 1992 Gerd Walter ins Europaparlament und war dort in mehreren Fachausschüssen tätig.

Anbindung an neue Lokale Tourismusagentur denkbar

Wie ein Geschenk des Himmels muss für Siegmar Wallat auch der Start der Lokalen Tourismusorganisation (LTO) Nordseeküste Nordfriesland wirken, die gerade in diesen Tage an den Start gegangen ist. Partner sind die Ämter Südtondern, Mittleres Nordfriesland und Nordsee-Treene, Stadt Husum, der Verein Husumer Bucht – Ferienorte an der Nordsee sowie die Gemeinden Nordstrand und Pellworm. Diese neue und kraftvolle LTO könne aus seiner Sicht zur Keimzelle jenes internationalen Projektes werden. Nordfriesland wird ohnehin schon wegen der zahlreichen historischen und kulturellen Anknüpfungspunkte sowohl von Dänen und Niederländern gerne aufgesucht.

Geradezu überschwänglich wird das Projekt in Ostfriesland begrüßt, wie ein Telefonat mit André Freimuth deutlich macht. Er spricht sogar von einer „Route 66 für Europa an der Westküste“ in Anlehnung an die ursprünglich 4000 Kilometer lange Fernstraße zwischen Illinois und Kalifornien in Amerika, die heute eine emotional aufgeladene Strecke für die Nostalgiker unter den Touristen darstellt.

Doch Freimuth hält sich nicht mit reiner Euphorie auf, sondern erinnert im weiteren Verlauf des Gesprächs an den engen Kontakt zum engagierten Minderheitenrat in Berlin. Freimuth hatte Wallat und dessen Idee über die sozialen Medien kennen gelernt und es sich nicht nehmen lassen, auch zur nordfriesischen Biike zu erscheinen, einer der ursprünglichsten Traditionen der Friesen an der Westküste. Auch zum südlichen Ende der gedachten Europäischen Straße der Friesen hält Freimuth Kontakt. Dort gebe es sogar eine Partei der Friesen und ebenfalls andere starke Vertretungen des Friesischen.

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