100 Jahre deutsche Minderheit

Das Turnerheim

Das Turnerheim

Das Turnerheim

Hauke Grella
Hauke Grella Museumsleiter
Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
Fenster als Geschenk von Hans Jürgensen Foto: Privat

In Folge 52 der Serie „100 Jahre – 100 Gegenstände – 100 Geschichten“ geht es um das Vereinshaus des Turnerbund Tondern.

Am 16. Oktober 1938 wurde das Turnerheim des Turnerbundes Tonderns eingeweiht. Vorausgegangen war der Zusammenschluss der beiden Turnvereine, dem Männerturnverein Tondern und dem Kaufmännischen Turnverein Tondern. Diese wurden 1865 bzw. 1909 gegründet. Eine spätere Zusammenlegung von den Sportvereinen aus Tondern, Hoyer, Seth und Jeising sollte dann zur Spielgemeinschaft West (SG West) führen.

Nach dem Zusammenschluss der beiden Vereine 1936 wurde schnell der Bedarf eines eigenen Vereinshauses deutlich. Zwar hatte der Kaufmännische Turnverein für seine Ruderabteilung ein Bootshaus neben der Bachmann’schen Mühle errichten lassen. Dieses eignete sich aber nicht als Versammlungshaus für die Vereinsmitglieder. Obwohl es in der Stadt andere Möglichkeiten gab, setzte man alles in Bewegung, ein eigenes Vereinshaus zu bauen. Auch wenn es Befürchtungen gab, dass bestehende Versammlungshäuser wie das „Deutsche Haus“ in der Richtsenstraße/Richtsensgade, nicht mehr genügend genutzt würden und damit auch Einnahmen wegfallen würden.

Trotzdem fand man genügend Unterstützer für das Bauprojekt. Aus einem Antrag geht hervor, dass man in etwa mit 15.000 Kronen an Baukosten rechnete. Dies entspricht heute einer Kaufkraft von ca. 550.000Dkk. 2.500 Kronen konnte der Turnerbund selber tragen. 10.000 Kronen wurden durch die Unterstützung von Vereinsmitgliedern und Freunden des Vereins aufgebracht. Dies in Form von Anteilsscheinen, die entweder später wieder zur Auszahlung gebracht werden sollten oder dann als Spende eingingen. Der Wert eines Anteilsscheins entsprach 25 Kronen, was heute einem Wert von ca. 910 Kronen entsprechen würde.

Sparbüchse vom Turnerbund Tondern mit dem Logo des Reichsbundes für Leibesübungen Foto: Privat

Unterstützung suchte man auch bei ehemaligen Mitgliedern, die nach Deutschland verzogen waren. Da der Geldtransfer von Privatpersonen eingeschränkt war, half die Hamburger Turnerschaft von 1816 bei der Überführung der Spenden. Die Hamburger Turnerschaft hatte die Patenschaft für den Turnerbund Tondern übernommen. Ein Konstrukt, das wir auch heute noch von vielen Vereinigungen und Vereinen und deutsch-nordschleswigschen Schulen kennen.

Das Gelände konnte von der Bachmann’schen Mühle für 200 Kronen (heute ca. 7.300 Kronen) erworben werden. Zuvor waren dort, wie auch heute noch auf der anderen Seite der Wiedau, Schrebergärten platziert.

Bei der Einweihung wurden verschiedene Grußworte gehalten. So sprachen u. a. Vertreter von der genannten Hamburger Turnerschaft, ein Vertreter des Reichsbundes für Leibesübungen, ein Vertreter der NSDAP-Nordschleswig, der Kameradschaft Tondern und des Singvereins Tondern. Einige der überreichten Geschenke sind heute noch erhalten, andere nicht. So überreichte der Vertreter des Reichsbundes für Leibesübung eine Fahne des Reichsbundes. Diese ist leider nicht mehr erhalten. Im Bestand des Museums befindet sich aber eine ähnliche Fahne, die vom deutschen Sportverein aus Rinkenis stammt. Von den Geschenken erhalten geblieben ist aber eine Sparbüchse, die ein Vereinsmitglied des Turnerbundes selbst geschnitzt hat. Die aus Eichenholz erstellte Büchse zeigt auf der einen Seite das Logo des Turnerbund Tondern. Die andere Seite zeigt das Logo des Reichsbundes für Leibesübungen. Nach 1945 hat man versucht, das Hakenkreuz wegzuschleifen.
Aber im richtigen Winkel lässt es sich immer noch erkennen.

Erhalten geblieben ist auch ein großes Bleiglasfenster. Dies zeigt das bekannte Motiv des Tonderaner Markplatzes. Geschenkt wurde das Bleiglasfenster von Hans Jürgensen. Dieser war in Tondern geboren, aber später nach Flensburg verzogen. In Flensburg gründete er 1898 ein Bekleidungsgeschäft, was später zu „Intersport Jürgensen“ wurde und heute immer noch existiert. Die in dem Bleiglasfenster eingelassene Inschrift lautet: „Hans Jürgensen Flensburg – Der deutschen Jugend seiner Heimatstadt Tondern 16.10.1938“.

Anteilsscheinfür den Bau des Turnerheims Foto: Privat

Oftmals fehlgedeutet, die beiden Bleiglasfenster des Vereinsraumes waren nicht Teil des Geschenkes. Zwar wurden sie, wie das große Bleiglasfenster, vom Flensburger Glasermeister Karl Momsen erstellt. Der Kostenvoranschlag für die beiden Fenster belief sich auf ca. 4.300Dkk heutigen Wertes. Das eine Fenster zeigt das Stadtwappen der Stadt Tondern, das andere die Schleswigschen Löwen.

Das Turnerheim diente nach seiner Einweihung nur kurz seinem eigentlichen Zweck. Während der Besatzungszeit wurde es zuerst von der Besatzungsmacht genutzt, und zum Ende des Krieges wurden deutsche Flüchtlinge einquartiert.

Ab 1947 bis Ende 1953 wurde es als Schule genutzt. Erst im Februar 1954 nahm es wieder als Vereinshaus seinen Betrieb auf.
Anfang 2018 wurde das Turnerheim aufgrund von fehlender Nutzung und zu hoher Betriebskosten verkauft.

Mehr lesen