Beruf und Ausbildung

Was willst du nach der Schule machen? Antworten gab es auf der Ausbildungsmesse

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Mathias Bager, Frode Becker und Jonathan Boiesen (v. l.) von der Apenrade Freischule wissen schon, was sie nach der Volksschule machen wollen. Während es Mathias und Frode auf das Wirtschaftsgymnasium zieht, möchte Jonathan sich zum Physiotherapeuten ausbilden lassen.

Von Bäcker bis Büro, von Pflege bis Pädagogik: Hunderte Jugendliche nutzten die Messe in der „Arena Aabenraa“, um Berufe zu entdecken, Fragen zu stellen und den eigenen Weg in die Arbeitswelt zu finden. Für Unternehmen ist klar: Gerade im Handwerk wird Nachwuchs dringend gesucht – und hier können junge Leute ihre Chance erkennen. Doch es zeigten sich auch Grenzen.

In der Arena Aabenraa ging es kürzlich nicht um Sport, sondern um Zukunft. Hunderte Jugendliche nutzten die Ausbildungsmesse, um mit Betrieben, Schulen und Institutionen ins Gespräch zu kommen – und um eine Antwort auf eine Frage zu finden, die viele beschäftigt: Was will ich nach der Schule eigentlich machen?

Lehrlinge dringend gesucht

Für die Unternehmen ist die Lage klar. „Wir brauchen Lehrlinge“, sagt Janne Rasmussen, HR-Konsulentin bei der Industriebäckerei Kohberg. Besonders im Bäckerhandwerk sei der Mangel spürbar. „Bäcker fehlen uns deutlich. In anderen Bereichen wie Industriemechanik oder Büro sind wir dagegen gut aufgestellt.“ Ähnlich sieht es in Kohbergs Standort in Bolderslev aus, wo vor allem Lehrlinge in Lager und Logistik gesucht werden.

Falschen Berufsweg eingeschlagen

Dass gerade handwerkliche Berufe Schwierigkeiten haben, Nachwuchs zu finden, überrascht Thomas Brogaard Grisell nicht. Er ist Bäckermeister und Lehrer an der Ausbildungsinstitution „EUC Syd“ in Apenrade. „Man kann nicht von etwas träumen, das man nicht kennt“, sagt er. Genau deshalb hält er Messen wie diese für wichtig. Sie machte Berufe sichtbar, die im Alltag vieler Jugendlicher kaum vorkommen. Grisell ist überzeugt: „Für manche ist das Gymnasium einfach nicht der richtige Weg. Trotzdem landen sie dort – oft aus Prestigegründen.“

Die Arbeit mit den Händen sei für viele junge Menschen eigentlich passend, sagt Grisell. Doch das Bild vom „richtigen“ Berufsweg sei oft sehr eng. „Man entscheidet sich nicht immer nach Talent, sondern nach Ansehen.“

Berufsvorbereitung gab erste Entscheidungsschlüssel auf den Weg

Rund 1.400 Schülerinnen und Schüler sowie junge Erwachsene in Ausbildung besuchten die Messe.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die kommunale Berufsberatung UU (Ungdommens Uddannelsesvejledning). Janne Rasmussen lobt die Bemühungen, Jugendliche frühzeitig an Ausbildungsberufe heranzuführen. So besuchen bereits Sechstklässler Kohberg, sprechen mit Auszubildenden und bekommen Einblicke in verschiedene Berufsfelder. Dort hoffe man, auf die Ausbildungsmöglichekit beim Industriebäcker aufmerksam machen zu können, so Rasmussen.

Dass Orientierung wirkt, zeigen auch die Jugendlichen selbst. Frode Becker, Mathias Becker und Jonathan Boiesen, alle aus der 9. Klasse, fühlen sich von UU gut vorbereitet – auch wenn sich Frode und Mathias dennoch für eine weiterführende Schule entschieden haben. „Wir wissen jetzt besser, was es alles gibt“, sagen sie. Ausbildung sei für sie nicht ausgeschlossen, sondern eine reale Option.

UU nicht individuell genug

Anders sieht es allerdings Tobias Hörmann, der früher eine deutsche Schule in Tingleff besucht hat und heute eine Ausbildung zum Steuerberater bei „Sønderjyllands Revision“ absolviert. „Mir war lange nicht klar, was ich machen will“, sagt er offen. Seine Erfahrung mit UU sei durchwachsen gewesen. „Es war mir zu allgemein. Berufsberatung müsste persönlicher sein.“ 

 Großes Interesse bei sozialen Berufen

Auffällig war der Andrang an den Ständen der sozialen Berufe. Pflege, Pädagogik und soziale Arbeit zogen viele Gespräche an. Das passt zu einem allgemeinen Trend: Junge Menschen suchen zunehmend Berufe mit Sinn, Nähe zu Menschen und gesellschaftlicher Relevanz. Sie verbinden mit sozialen Berufen die Möglichkeit, anderen Menschen direkt helfen zu können. Die Arbeit gilt zudem als abwechslungsreich und gesellschaftlich relevant, heißt es unter anderem in einer Studie des Bundesfamilienministeriums.

Überraschend für manche: Auch die Kirche war auf der Messe vertreten. Pastorin Ann Damsgaard aus Osterlügum (Øster Løgum) wollte zeigen, dass kirchliche Arbeit mehr ist als der Sonntagsgottesdienst. „Es gibt viele Berufe – von Verwaltung über Pädagogik bis zur Seelsorge. Wichtig ist, ins Gespräch zu kommen.“ 

Pastorin Ann Damsgaard, Pastor Thomas Nedergaard, Pastor Jakob Hansen und Friedhofsleiter Michael Dybdahl warben für Berufe, die die Kirche bietet.