Studienprojekt

Studierende entwickeln E-Rennwagen: „Das Wertvollste, was ich je gemacht habe“

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Die Studierenden der Süddänischen Universität entwickeln den E-Wagen, mit dem sie gegen andere Teams antreten.

Beim Konstruktionswettbewerb „Formula Student“ treten Studierende aus aller Welt in selbstkonstruierten Rennwägen gegeneinander an. Auch ein Team aus Sonderburg geht an den Start: mit einem E-Flitzer.

Mit 107 PS und „Guerrilla Engineering“ über die Rennstrecke: Das Team der „SDU Vikings“ tritt im Rahmen von „Formel Student“ gegen mehr als 1.200 Universitäten weltweit an.

Ali Aljaroudi ist der Leiter der elektrischen Abteilung der „SDU Vikings“ und bringt es auf den Punkt: „Ich liebe es, die Theorie aus meinem Studium an der SDU praktisch anzuwenden und ein Auto zu bauen, das schließlich auf der Rennstrecke zum Leben erwacht. Das ist das Wertvollste, was ich je als Student gemacht habe.“

Rückschläge nimmt das Team sportlich

Das Auto des SDU-Teams steht in Odense, von dort aus reisen die Studierenden zu Rennen.

Seit 2006 konstruieren die Studierenden im Stil der Formel-Wagen eigene Fahrzeuge. Seit 2011 fahren sie ausschließlich elektrisch. Die aktuelle Modellreihe, Viking XI, wiegt 191 Kilogramm, leistet 107 PS, beschleunigt in rund drei Sekunden von null auf hundert Kilometer pro Stunde und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

Besonders hebt Aljaroudi hervor: „Wir betreiben oft das, was wir ,Guerrilla Engineering’ nennen – clevere, robuste Lösungen, die nicht immer die naheliegendsten sind. Wir sind Außenseiter, das zwingt uns, anders zu denken.“ Bei den Wettbewerben 2023 und 2024 in Großbritannien bauten die SDU Vikings das jeweils leichteste elektrische Fahrzeug.

Rückschläge und Herausforderungen nimmt das Team sportlich. In Assen (Niederlande) verhinderte ein technisches Detail die Teilnahme am Hauptrennen: Nach Schweißarbeiten befand sich das Hochvolt-Batteriemodul unter der erlaubten Grenze. „Uns fehlte schlicht die Zeit und das Werkzeug, um den Fehler vor Ort zu beheben“, sagt Aljaroudi. Stattdessen konzentrierte sich das Team auf die statischen Disziplinen wie Businessplan, Kostenanalyse und technisches Design.

Regelmäßige Fahrten nach Odense

Ich will bauen, nicht in Besprechungen sitzen.

Ali Aljaroudi

Für die kommende Saison haben sich die „SDU Vikings“ viel vorgenommen: Ein komplett neues Konzept samt Fahrgestell, Batterie, Kühlung, Fahrwerk und Software entsteht – alles aus eigener Hand, für das Modell „Viking XII“. „Nach Corona sind wir mit wenigen Leuten und einem übernommenen Auto gestartet. Jetzt profitiert unser Team von zusätzlicher Erfahrung und Wissen – wir können endlich das Auto bauen, das wir immer wollten“, so Aljaroudi.

Die „SDU Vikings“ sind auf zwei Standorte verteilt: Während das Auto in Odense steht, reist das Sonderburger Team regelmäßig zu gemeinsamen Schrauberaktionen dorthin – besonders vor den Wettbewerben täglich. Aljaroudi nimmt das gelassen: „Die Fahrten sind mit guter Musik und Spaß ein Highlight unserer Arbeit, kurz vor dem Wettkampf aber auch anstrengend.“

60 Studierende aus mehr als 15 Fachrichtungen dabei

Der Viking XI wiegt 191 Kilogramm, leistet 107 PS und beschleunigt in rund drei Sekunden von null auf hundert Kilometer pro Stunde.

Für das Training nutzen die „SDU Vikings“ in Sonderburg den umgebauten Simulator auf Basis eines ehemaligen Chassis von 2014 – ausgestattet mit modernen Bildschirmen, Lenkrad und Digitalmodellen. „Wir hoffen, das System in der kommenden Saison für das Fahrtraining einzusetzen. So können wir häufiger üben, ohne das Auto ständig transportieren zu müssen“, sagt Aljaroudi.

Rund 60 Studierende aus mehr als 15 Fachrichtungen engagieren sich bei den „SDU Vikings“ – darunter Elektronik, Mechanik, Software, Ingenieurwesen, Medienwissenschaft und Marketing. „Man kann kein Rennauto im Alleingang bauen. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen und das Verständnis für unterschiedliche Kompetenzen helfen uns enorm“, unterstreicht Aljaroudi.

Viele frühere Teammitglieder fanden laut SDU durch dieses Engagement den Weg in die Industrie, etwa zu „Mercedes AMG“ oder „Zenvo Automotive“. „Ich wollte schon immer mit Autos arbeiten – am liebsten direkt an der Werkbank oder an der Box. Ich will bauen, nicht in Besprechungen sitzen“, sagt Aljaroudi.

Die Formula Student

Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studierende, bei dem Teams innerhalb eines Jahres einen einsitzigen Formelrennwagen entwerfen, konstruieren und bauen. Rennen fanden in der Saison 2025 beispielsweise in Most in der Tschechischen Republik sowie in Assen in den Niederlanden statt.

Im Wettbewerb wird das Auto nicht allein nach Geschwindigkeit bewertet, sondern nach dem besten Gesamtpaket aus Konstruktion, Rennperformanz, Finanzplanung und Verkaufsargumenten. Die Teams nehmen die Perspektive einer fiktiven Produktionsfirma ein, die ein Fahrzeug für den engagierten, nicht professionellen Wochenendrennfahrenden entwickelt. Die Veranstaltung umfasst statische Disziplinen wie Design, Kosten und Businessplan sowie dynamische Wettbewerbe auf der Rennstrecke.

Seit 2010 gibt es neben der Klasse für Verbrennungsmotoren auch die Formula Student Electric für Elektrofahrzeuge, seit 2017 zudem eine Klasse für fahrerlose Rennwagen. Ziel der Formula Student ist es, theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung zu verbinden und Studierenden Einblicke in Konstruktion, Fertigung und wirtschaftliche Aspekte des Automobilbaus zu geben.

Die nächste Saison der Formula Student läuft unter anderem im August 2026 auf dem Hockenheimring in Deutschland.