Sozialpolitik

Kultur auf Rezept: Mit Tanz, Musik und Kunst zu mehr Selbstbewusstsein

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In Sonderburg will die Stadtpolitik junge Menschen mit komplexen und oft vielschichtigen Herausforderungen durch Kultur fördern.

Ein neues Projekt setzt auf Kultur als Schlüssel, um Jugendliche mental zu stärken und ihr Selbstbewusstsein nachhaltig zu fördern. Mit Kreativität und Gemeinschaftserlebnissen will das Projekt Türen zu neuen Chancen öffnen und den Weg in Ausbildung und Beruf ebnen.

Kulturelle Angebote eröffnen Jugendlichen neue Wege zu Selbstvertrauen und Gemeinschaft: Unter dieser Prämisse hat der kommunale Ausschuss für Kultur und Mitbürgerschaft in der Kommune Sonderburg ein Projekt in die Wege geleitet. Mit „Boost“ sollen Jugendliche über kulturelle Erlebnisse eine Perspektive erhalten.

Das Projekt ist eine Fortsetzung von „Kultur auf Rezept“ und richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren, die weder eine Ausbildung absolvieren noch einer Arbeit nachgehen. Zur Zielgruppe gehören unter anderem Jugendliche, die nach der 10. Klasse keine Anschlusslösung gefunden haben. Oder mehrfach begonnene, aber abgebrochene Bildungswege vorweisen sowie junge Menschen mit schulischen, psychischen oder sozialen Schwierigkeiten.

Durch gemeinsames Singen, Tanzen oder Malen sollen die Jugendlichen lernen, sich auszudrücken und Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. „Kultur dient dabei als Hilfsmittel. Jugendliche sollen darüber Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen erhalten. Dass sie sich auch trauen, den nächsten Schritt zu machen“, sagt Stadtratspolitikerin Christel Leiendecker (Schleswigsche Partei), Vorsitzende des kommunalen Ausschusses für Kultur, Sport und Mitbürgerschaft.

Es geht darum, dass die Jugendlichen nicht einfach aufgeben und sagen: ‚Ich kann nicht mehr, mir geht es so schlecht.‘ Stattdessen richtet sich ihr Fokus auf etwas anderes.

Christel Leiendecker

Neben der individuellen Entwicklung betont Leiendecker auch die Bedeutung von Gemeinschaft: „Man lernt dann vielleicht auch, in einer Gruppe Vertrauen aufzubauen.“

Aktiv am normalen Leben teilnehmen

Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter soll sichern, dass die Jugendlichen gezielt unterstützt werden und den Weg in Ausbildung oder Arbeit finden. Das Projekt „Kultur auf Rezept“ hat in den vergangenen Jahren laut Verwaltungsstudie positive Ergebnisse zeigt: 73 Prozent der Teilnehmenden verbesserten ihr Wohlbefinden, 45 Prozent fühlten sich besser arbeitsfähig.

„Es geht darum, dass die Jugendlichen nicht einfach aufgeben und sagen: ‚Ich kann nicht mehr, mir geht es so schlecht.‘ Stattdessen richtet sich ihr Fokus auf etwas anderes – das ist oft ein wirksames Mittel, um wieder aktiv am normalen Leben teilzunehmen. Die Aktivitäten sind dabei zum Mitmachen angelegt und laden dazu ein, sich einzubringen.“

Ziele und Gestaltung des Projekts

Die Verwaltung hat für das Jahr 2024 die Erfahrungen mit dem Projekt „Kultur auf Rezept“ zusammengefasst, das mit zwei Zielgruppen, jungen Menschen und Erwachsenen, durchgeführt wurde. Statt der ursprünglich geplanten vier Gruppen konnten aufgrund von Rekrutierungsschwierigkeiten nur zwei Gruppen gebildet werden. Die Angebote umfassten kulturelle Aktivitäten über einen Zeitraum von sieben Wochen mit jeweils zwei Treffen pro Woche.

Bei jedem Treffen stand eine kulturelle Veranstaltung im Mittelpunkt, bei der die Teilnehmenden sowohl kulturelle Erlebnisse hatten als auch selbst aktiv werden konnten. Die Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit verschiedenen lokalen Kulturinstitutionen und Akteuren, die die Aktivitäten fachlich geleitet und an ihrem jeweiligen Veranstaltungsort ausgerichtet haben.