Deutsche Minderheit

Sprachencharta: Wo sind die Ortsschilder geblieben?

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Jan Riber Jakobsen (links) und Hinrich Jürgensen wünschen sich mehr Klarheit von der Regierung.

Alles beim Alten: Laut Kultusministerium bleibt es den Kommunen weiterhin selbst überlassen, ob sie zweisprachige Ortsschilder realisieren wollen. BDN-Vorsitzender Hinrich Jürgensen zeigt sich etwas enttäuscht, und die nordschleswigschen Bürgermeister bitten um konkretere Aussagen seitens der Regierung.

„Ich hatte mehr Druck von Regierungsseite erwartet. Meiner Ansicht nach zieht sie sich so etwas aus der Verantwortung“, sagt Hinrich Jürgensen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN).

Mit dieser Einschätzung reagiert Jürgensen auf die jüngste Erklärung von Kulturminister Jakob Engel-Schmidt (Moderate), wonach es weiterhin eine freiwillige Entscheidung der Kommunen bleibt, ob sie zweisprachige Ortsschilder einführen. Für den BDN-Vorsitzenden ist das ein enttäuschendes Signal – gerade vor dem Hintergrund, dass die Regierung kürzlich beschlossen hat, mehr Punkte der Europäischen Sprachencharta umzusetzen.

Im Vorfeld dieser Entscheidung hatte der Kulturminister Jürgensen persönlich telefonisch informiert. In diesem Gespräch sei konkret von zweisprachigen Ortsschildern (byskilte) die Rede gewesen. In der späteren offiziellen Mitteilung tauchte dieser Begriff jedoch nicht mehr auf – stattdessen war nur noch allgemein von Ortsnamen (stednavn) die Rede.

Es wäre ein sichtbarer Beweis der Anerkennung.

Hinrich Jürgensen

„Ich finde es schade“, sagt Jürgensen. Für ihn hätten zweisprachige Ortsschilder vor allem eine symbolische Bedeutung. „Es wäre ein sichtbarer Beweis der Anerkennung, und für mich ist diese Sprachenvielfalt auch ein Kulturerbe der Region.“

Eine tiefere politische Bedeutung misst er der veränderten Wortwahl zwischen der inoffiziellen und der offiziellen Version allerdings nicht bei. „Es ist kein großer Unterschied. Ich denke, dass da ein Kommunikationsmanager noch einmal drübergegangen ist“, so Jürgensen.

Wir brauchen Klarheit.

Jan Riber Jakobsen

Bürgermeister fordern Klarheit

Positiv bewertet der BDN-Vorsitzende hingegen, dass die vier nordschleswigschen Bürgermeister nun gemeinsam aktiv werden. Sie arbeiten derzeit an einer gemeinsamen Anfrage an den Kulturminister, wie „Der Nordschleswiger“ erfuhr. Der Bürgermeister von Apenrade (Aabenraa), Jan Riber Jakobsen, erklärt dazu: „In dem Schreiben an den Kulturminister fordern wir ihn auf, in den Empfehlungen konkreter zu werden und klar zu betonen, worin sie bestehen. Wir brauchen Klarheit.“

Denn aus Sicht der Kommunen stehen zentrale Fragen im Raum. „Ist es ein Startsignal für zweisprachige Ortsschilder? Und ist es ein Signal für die Nutzung der deutschen Sprache im Stadtratssaal – ähnlich der Debatte über Grönländisch im Folketing-Saal?“, formuliert Riber Jakobsen.

Ob die geplante Umsetzung der Sprachencharta tatsächlich über symbolische Formulierungen hinausgeht, bleibt damit vorerst offen. 

 

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Sprachencharta

Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen schützt historisch gewachsene Minderheitensprachen wie Deutsch in Nordschleswig völkerrechtlich. Dänemark hat sie 2001 ratifiziert.

Quellen: bdn.dk, schleswigsche-partei.dk, nordschleswig.dk, Bundesministerium des Innern, Europarat