Deutsche Schulen

Chor mit Monika Merz: „Gemeinsames Singen tut allen Kindern gut“

Veröffentlicht Geändert
Mehr als Singen – es geht um Selbstbewusstsein, Bewegung und das menschliche Nervensystem.

Was bringt das Kinderchor-Projekt eigentlich meinem Kind? Chorleiterin Monika Merz reist zurzeit von Schule zu Schule, um die Mädchen und Jungen fürs Singen zu begeistern – und ihnen Mut, Stimme und Freude mitzugeben.

„Es berührt mich jedes Mal so sehr, dabei zuzusehen, wie die Kinder über sich hinauswachsen“, sagt Monika Merz im Vorgespräch am Telefon. Beim Betreten der Aula unter dem Dach der Deutschen Privatschule Apenrade liegen zunächst Zurückhaltung und Unsicherheit in der Luft. Und die Stimme einer motivierten Frau mit weiten Hosen, die sich selbstsicher im Takt durch das Licht des Beamers bewegt.

Monika Merz ist Kinderchorleiterin – aus vollem Herzen. An diesem Dienstagmorgen in der DPA versuchen Kinder der 4. Klasse, es ihr nachzumachen: teils motiviert, teils zurückhaltend, teils verhalten. „Hey, hey, hey – du schreist Hurra in mein Gesicht“, tönt es leise aus den Reihen. Ein paar Kinder murmeln den Liedtext zu „Dein Hurra“ von Bosse, der im YouTube-Video über den Beamer eingeblendet wird.

Monika Merz ist in der Minderheit Konsulentin für Kinderchorarbeit und brennt für ihre Aufgabe.

Ein Chorprojekt für alle Minderheitenschulen

Für die meisten Kinder in der Aula ist es der erste Kontakt mit Monika Merz. Die Kinderchorleiterin des Minderheitendachverbandes BDN (Bund Deutscher Nordschleswiger) hat gerade ihre Tour begonnen. Ein Schuljahr lang tourt sie jeden Monat durch Nordschleswig und besucht die Schulen der deutschen Minderheit.

Wie gemeinsames Singen Kinder stärkt

Bis auf zwei Schulen haben alle das Angebot angenommen und Monika Merz für den monatlichen Chorunterricht gebucht. Das Projekt wird von der Kulturabteilung des BDN in Kooperation mit den deutschen Schulen organisiert. Der BDN trägt die Kosten für die Chorarbeit vollständig, die Schulen müssen nichts bezahlen.

Was im September in der DPA-Aula mit zögerlichem Summen beginnt, soll im Laufe des Schuljahres mehr bewirken als ein paar Töne im Takt. „Beim Singen passiert etwas im ganzen Körper – das stärkt und verbindet“, sagt Monika Merz. Sie ist überzeugt: Wer gemeinsam Musik erlebt, gewinnt Selbstvertrauen, Haltung und Mut – Fähigkeiten, die Kindern später auch beim freien Sprechen vor der Klasse helfen können.

Ihre Beobachtungen sind keine bloße Intuition – zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen die positiven Effekte des gemeinsamen Singens. Forschungen des Musik-Neurowissenschaftlers Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover zeigen etwa, dass gemeinsames Singen zahlreiche Hirnregionen aktiviert und die Verbindungen zwischen ihnen stärkt – ein Training, das auch Konzentration und Sprachfähigkeit fördern kann.

Von der großen Bühne zurück ins Klassenzimmer

Dass der BDN sich in diesem Schuljahr für den breit gestreuten Chorunterricht entschieden hat, hängt auch mit dem großen Erfolg des 6K-United-Projekts zusammen, an dem die Minderheit im Sommer erstmals teilnahm. Knapp 70 Kinder aus Nordschleswig standen im Juni gemeinsam mit 6.000 anderen auf der Bühne der Hamburger Barclays Arena – ein Erlebnis, das Merz nachhaltig beeindruckt hat. In diesem Schuljahr soll die Musik direkt in die Schulen getragen werden, damit noch mehr Kinder die Chance haben, das Singen für sich zu entdecken.

Musik, die verbindet – auch ohne mitzusingen

Aus jahrelanger Praxiserfahrung heraus sagt Monika Merz: „Man kann sich den positiven Effekten der Musik gar nicht entziehen.“ Und dabei gehe es gar nicht unbedingt nur um das Singen. „Es geht darum, Musik gemeinsam zu erleben.“ Manche Kinder singen laut mit, andere bewegen sich nur – und wieder andere stehen einfach da und hören zu.

Doch selbst wer scheinbar nur zuschaut, sei Teil des Geschehens, betont die Chorleiterin. „Die Schwingungen im Raum, die durch Musik entstehen, wirken auf uns alle.“

Mehr zum Thema: