Deutsche Minderheit

BDN sucht auf Facebook nach Kandidierenden für den Vorsitz

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Das derzeitige Trio an der Spitze der deutschen Minderheit: BDN-Vize Rasmus Jessen (links), Kulturausschussvorsitzende Marion Petersen und der Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen.

Der Bund Deutscher Nordschleswiger sucht eine neue Hauptvorsitzende oder einen neuen Hauptvorsitzenden, eine Stellvertretung und einen Vorsitz für den Kulturausschuss. Dabei nutzt der BDN auch soziale Medien. Was die Aufgaben der einzelnen Posten sind und wie die Arbeit entschädigt wird.

Wenn im Mai 2026 die Delegiertenversammlung zusammenkommt, dann endet auch eine Ära. Der derzeitige Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, tritt nach 19 Jahren nicht wieder zur Wahl an. Er wurde 2007 zum ersten Mal als BDN-Hauptvorsitzender gewählt. Damals löste er Hans Heinrich Hansen aus Ekensund (Egernsund) ab.

Vorschläge bis zum 19. Dezember einreichen

Wer eine geeignete Person kennt, um Hinrich Jürgensen als Hauptvorsitzenden abzulösen, kann bis zum 19. Dezember Vorschläge einreichen – auch anonym. Auch wer sich selbst berufen fühlt, kann seinen Hut in den Ring werfen.

Bereits bekannt ist, dass der langjährige Lokalpolitiker der Schleswigschen Partei, Stephan Kleinschmidt, den Hauptvorsitz übernehmen möchte

In dem Aufruf in den sozialen Medien sucht der BDN zudem nach Vorschlägen für eine Stellvertretung und den Vorsitz des Kulturausschusses. Derzeitiger BDN-Vize ist Rasmus Jessen aus Tondern (Tønder), Kulturausschussvorsitzende ist Marion Petersen aus Sonderburg (Sønderborg).

Die Vorschläge nimmt BDN-Generalsekretär Uwe Jessen entgegen. Zwar gibt es laut Satzung keine Frist für Bewerberinnen und Bewerber, im Hauptvorstand habe man sich im August jedoch für ein solches Verfahren entschieden. „Das soll den Kandidatinnen und Kandidaten die Möglichkeit geben, sich in den kommenden Monaten bei Vorstellungsveranstaltungen zu präsentieren.“ 

Bewerbungsfrist bis vier Wochen vor der Wahl

Doch auch nach der Frist am 19. Dezember können sich weiterhin Kandidatinnen und Kandidaten bei Uwe Jessen bewerben oder von den Delegierten eines Bezirks vorgeschlagen werden – laut Satzung spätestens bis vier Wochen vor der Wahl. 

In der Delegiertenversammlung selbst können weitere Personen vorgeschlagen werden. „Sie benötigen dann aber die Unterstützung von mindestens 20 Delegierten“, so Jessen.

BDN-Mitgliedschaft und Wohnsitz in Nordschleswig nötig

Zwischen dem 19. und 31. Dezember ruft Jessen die vorgeschlagenen Personen an und fragt, ob sie sich ein solches Amt zutrauen. Dabei seien auch Überraschungen möglich, denn nicht alle werden wissen, dass sie vorgeschlagen werden.   

„Es gibt für jeden der drei Posten bereits Vorschläge, die eingegangen sind“, sagt Jessen. Wie viele, das verrät er nicht. 

Wer kandidieren will oder jemanden vorschlagen möchte, muss bedenken, dass die Voraussetzungen eine BDN-Mitgliedschaft sowie ein Wohnsitz in Nordschleswig sind. Besondere Erfahrungen sind nicht nötig. 

BDN reagiert auf Kritik wegen zu weniger Informationen

Allerdings sollten Bewerberinnen und Bewerber wissen, worum es bei den Posten geht. Nach Kritik an vagen Formulierungen im ersten Beitrag auf Facebook hat der BDN in einem weiteren Post konkretisiert:

„Der oder die Hauptvorsitzende ist das politische und öffentliche Gesicht unserer Minderheit. Das bedeutet: Sitzungen leiten, uns nach außen vertreten – von Berlin über Kiel bis Kopenhagen –, Kontakte zu Medien pflegen und viele Gespräche führen. Der Posten entspricht einer Vollzeitstelle und wird auch so vergütet.“

Der oder die stellvertretende Hauptvorsitzende springt hingegen ein, wenn der Hauptvorsitz verhindert ist, heißt es. Er oder sie arbeitet kontinuierlich in den wichtigsten Gremien mit. Hier geht es weniger um Repräsentation, sondern mehr um Verlässlichkeit und strategische Unterstützung. Für die ehrenamtliche Stellvertretung gibt es eine feste Aufwandsentschädigung.

Der oder die Vorsitzende des Kulturausschusses gestaltet ehrenamtlich die Kulturarbeit der Minderheit inhaltlich und strategisch. Das bedeutet: Sitzungen vorbereiten, Projekte mitentwickeln, Kulturveranstaltungen begleiten, Reden halten und die Kultur der Minderheit nach außen vertreten. „Man sollte Lust auf Kultur, Menschen und Organisation haben“, heißt es. Auch dieser Posten wird vergütet.

Der Hauptvorsitz wird nach „lønramme 37, trin 50“ vergütet, was 642.558 Kronen/Jahr entspricht. Die Stellvertretung erhält 6 Prozent davon (38.553,48 Kronen/Jahr), der Kulturausschussvorsitz 8 Prozent (51.404,64 Kronen/Jahr). 

 

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, die Frist laufe am 12. Dezember ab. Diese wurde am Freitagabend bis zum 19. Dezember verlängert.

Die Delegiertenversammlung

Wer am Ende das Rennen macht, entscheidet die Delegiertenversammlung. Sie ist das oberste Organ des BDN und der Schleswigschen Partei (SP). Sie besteht aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern, die die Anliegen und Bedürfnisse der Minderheit in die politische Diskussion einbringen. Sie legt Grundsatzentscheidungen fest und wählt alle vier Jahre unter anderem den Hauptvorsitzenden oder die Hauptvorsitzende. Die Versammlung spielt daher eine entscheidende Rolle bei der Entscheidungsfindung und der Umsetzung von Projekten, die die deutsche Minderheit betreffen. Derzeit können etwa 200 Delegierte entsandt werden. Die genaue Anzahl hängt von der Mitgliederzahl der einzelnen dem BDN angeschlossenen Vereine ab – von Schul- und Kindergartenvereinen über Sportvereine bis hin zu den Ortsvereinen des Sozialdienstes. Je mehr Mitglieder ein Verein hat, desto mehr Delegierte kann er senden.