Deutsche Minderheit

BDN-Delegiertenversammlung: Sanierungsstau und drohender Sparzwang

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BDN-Generalsekretär Uwe Jessen ging in seinem Bericht auf die Neuorganisation im BDN und auf die Residenzpflicht ein.

Die deutsche Minderheit in Dänemark steht vor großen finanziellen Herausforderungen – trotz wachsender Kosten stagniert die Förderung. Der scheidende Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen hat auf der Delegiertenversammlung Bilanz gezogen, benennt Ziele und warnt vor Einschnitten.

Noch ein Jahr wird Hinrich Jürgensen den Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), die Dachorganisation der deutschen Minderheit in Dänemark, führen, dann soll nach 20 Jahren an der Spitze Schluss sein.

Welches Ziel will der Hauptvorsitzende noch erreichen? Kurz gesagt, das, worauf er in seinem Jahresbericht auf der BDN-Delegiertenversammlung in Tingleff am Dienstag, 3. Juni, hingewiesen hat, so Jürgensen.

Die Kassen der deutschen Minderheit sind klamm. Seiner Ansicht nach muss sich grundlegend etwas ändern. „In meinem letzten Jahr als Hauptvorsitzender möchte ich es schaffen, dass die drei Punkte erfüllt werden, die ich vorhin in meinem Bericht ansprach: dass wir mit dem Campus (Kindergarten, Internat, Unterrichtsräume in Apenrade/Aabenraa, red. Anm.) weiterkommen, dass die Förderung des laufenden Betriebs angehoben wird und wir mehr investive Mittel erhalten“, so Hinrich Jürgensen zum „Nordschleswiger“.

Er stellt fest: „Die Lage ist sehr prekär. Wenn wir das nicht hinbekommen, müssen wir kommendes Jahr 5 Millionen Kronen einsparen.“

Dänemark ist „Hauptsponsor“

Immer wieder hatte Hinrich Jürgensen in den vergangenen Jahren auf die Situation hingewiesen: Die Förderung zieht nicht mit den gestiegenen Kosten gleich.

Seinen Bericht am Dienstagabend in der Aula der Deutschen Nachschule hörten 122 Delegierte von 177 möglichen. Das Interesse, nach Tingleff zu kommen, war groß. Kurz vor Beginn der Versammlung mussten noch Stühle in den Saal gebracht werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vernahmen von ihrem Hauptvorsitzenden, dass Dänemark nunmehr den größten Teil der Kosten der deutschen Minderheit, nämlich 56 Prozent, trägt. Deutschland inzwischen nur 19 Prozent. Vor einigen Jahren sei der Anteil noch 30–30 gewesen.

Nach den Worten Jürgensens wird dies von dänischen Politikern offen als Problem angesprochen. Jürgensen rechnete weiter vor, dass Dänemark 70 Prozent der Kosten trägt, wenn man deutsche und dänische Minderheit im Grenzland zusammen betrachtet.

Seinen Dank für die finanzielle Unterstützung sprach Hinrich Jürgensen dem Land Schleswig-Holstein aus. Mit dem Land hat die Minderheit einen Vier-Jahres-Vertrag und somit Planungssicherheit. Der Haushalt für das laufende Haushaltsjahr 2025 steht dagegen wegen der nun überstandenen Bundestagswahl weiterhin nicht und wird erst im September erwartet. Dann muss gleichzeitig auch der Haushalt für 2026 gemacht werden. Eine Doppelbelastung für die kleine Organisation der deutschen Minderheit.

Doris Brüning Wolz und Tanja Klindt registrierten die Teilnehmenden und begrüßten mit einem Lächeln.

Hinzukommt ein Investitionsstau. Die Gebäude sind alt und müssten saniert werden. Immer mehr landen laut dem BDN-Hauptvorsitzenden auf der Liste der Sanierungswürdigkeit: insgesamt Projekte in Höhe von etwa 36 Millionen Euro.

Jürgensen dazu: „Mit der heutigen Förderhöhe ist es schlicht unmöglich, diese Liste auch nur ansatzweise abzuarbeiten. Im Gegenteil: Sie wird von Jahr zu Jahr länger – und die Bausubstanz schlechter.“

Die Empfehlung von Gutachtern laute, so der Hauptvorsitzende, das Internat für die Schülerinnen und Schüler des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig abzureißen und ein neues zu bauen. Dem BDN schwebt ein Campus Apenrade vor, der Raum für eine Erweiterung des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN) und eine Zusammenlegung der beiden Stadtkindergärten bietet.

Ums Geld ging es auch im Bericht des BDN-Generalsekretärs Uwe Jessen, der einen Einblick gab, warum in jüngster Vergangenheit einiges umorganisiert wurde. Das deutsche Bundesverwaltungsamt hatte die Minderheit vor einigen Jahren seinen Worten nach in einer Voruntersuchung unter die Lupe genommen und einige Dinge gefunden, die optimiert werden sollten.

Die Lage ist prekär.

BDN-Hauptvorsitzender Hinrich Jürgensen

Das heißt, die Bundesrepublik möchte, dass die Fördergelder nicht verschwendet werden. „Dafür haben viele Menschen Steuern bezahlt. Allein deshalb ist mit diesen Mitteln sorgsam umzugehen. Was wir auch tun“, so Jessen.

Neun Themen hätte das Amt gern bearbeitet. Kümmere man sich nicht darum, könne es zu einer Hauptuntersuchung kommen, mit finanziellen Folgen, warnte Uwe Jessen. Es geht unter anderem um die Zusammenfassung der Buchhaltungen, einen einheitlichen Internetauftritt, zentral organisierte Beschaffungen, ein gemeinsames Gebäudemanagement und gemeinsame IT-Lösungen.

Derzeit führt die Minderheit Analysen in den Bereichen Gebäude-Zustand und IT durch.

BDN-Hauptvorsitzender Hinrich Jürgensen begrüßt die Delegierten.