Dänemark

Der Norden muss mit den baltischen Staaten vorne im Bus sitzen

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Bertel Haarder
Bertel Haarder ist ehemaliger Venstre-Minister (Archivbild).

Früher waren der Norden und Europa heftige, umstrittene Gegensätze. Henrik Skov Kristensen und Bertel Haarder: Heute sind sie eine Einheit!

Der frühere sozialdemokratische Folketingspräsident Henrik Dam Kristensen und der ehemalige Venstre-Minister Bertel Haarder haben sich bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Norden i Europa“ im „Folkehjem“ vor 200 Zuhörern dafür ausgesprochen, dass der Norden künftig seine Stärken in der Europäischen Union und in der Nato geltend macht – vor allem in Zusammenarbeit mit den baltischen Staaten. Haarder verwies auf die früher so oft verbreitete Kleinstaatsideologie im Lande und forderte stattdessen sogar zu einer Führungsrolle in der EU auf.

Als Beispiel für Möglichkeiten zu einer Führungsrolle nannte er die Tatsache, dass Dänemark am 1. Juli den EU-Vorsitz übernimmt und danach ja auch Schweden und Finnland folgen werden. Nach Ansicht von Haarder, ehemaliger Minister und Rekordhalter im Folketing mit einer Mitgliedschaft von mehr als 42 Jahren, sei es dringend angebracht, „sich einen Platz vorne im Bus zu sichern“, zumal die nordischen Länder zusammen ein Bruttosozialprodukt vergleichbar mit Russland verzeichnen. Die Zeiten, da der sozialdemokratische Staatsminister Jens Otto Krag die Zusammenarbeit im Nordischen Rat ironisch nur als „gute Zusammenarbeit“ bemängelt habe, weil sie von den Beteiligten zu oft nur als reine Nebensache betrachtet wurde, seien endgültig vorbei. Angesichts der Herausforderungen und Bedrohungen in der Ostsee, deren Lage sich geopolitisch dramatisch verändert habe. Heute gehören historisch glücklicherweise alle nordischen Länder als Ostsee-Anrainer zur Nato.

NB-8 ist neues Schlüsselwort

Auch Henrik Dam Kristensen befürwortete eine engere nordisch-baltische Zusammenarbeit, auch NB-8 („Nordic-Baltic-Eight“) genannt. Dam Kristensen, der ebenso wie Bertel Haarder vorübergehend sogar Präsident des Nordischen Rates gewesen ist, hob die gemeinsamen nordischen Stärken hervor, wobei für ihn die Werte Glaubwürdigkeit und Wohlfahrtsstaat ausschlaggebend gewesen sind.

Als europäische Erfahrung – sowohl Dam Kristensen als auch Haarder waren vorübergehend auch Mitglieder im Europäischen Parlament – betonte Dam Kristensen die deutsch-französische Führungsrolle. In der Europäischen Union sei der deutsch-französische Schulterschluss stets entscheidend gewesen, und er hoffe, dass auch die neue deutsche Regierung wieder diesen europäischen Motor zünden wird, so Dam Kristensen.

Abschließend machte er die Bürger aber auch auf die enormen Kosten aufmerksam, die angesichts der neuen sicherheitspolitischen Situation erforderlich seien. Sein Rat und seine Warnung trotz noch bester Haushaltslage: „Wir können uns künftig nicht mehr alles leisten. Glauben Sie niemandem, der bei der nächsten Wahl solche Versprechen abgibt.“

Trump ist „Idiot“

In der u. a. von „Foreningen Norden“, „Grœnseforeningen“ und „Frederiksklubben“ durchgeführten Veranstaltung sparten die beiden führenden Ex-Politiker nicht mit schärfster Kritik an US-Präsident Trump, der von ihnen als „Idiot“ und „verrückt“ bezeichnet wurde.

Henrik Dam Kristensen mahnte dennoch zur Vorsicht: Auch wenn Europa auf eigenen Beinen stehen muss, so können wir auch in Zukunft auf die transatlantische Zusammenarbeit mit den USA nicht verzichten.

Norden und Europa historisch zusammen

Versammlungsleiter Siegfried Matlok zog folgende Bilanz: Früher waren der Norden und Europa heftige Gegensätze in der innerdänischen Diskussion, vor allem vor der Volksabstimmung über den dänischen EWG-Beitritt 1972. Heute gehören der Norden und Europa unbestritten zusammen. Alles andere sei auch Quatsch, zitierte er dazu Königin Margrethe.