Handelskrise

US-Zölle treiben Kosten in die Höhe – welche Warengruppen betroffen sind, bleibt unklar

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Die aus Lügumkloster stammende Wirtschaftsministerin Stephanie Lose (V) fordert eine besonnene Reaktion der EU (Archivbild).

Die von den USA angekündigten Strafzölle auf EU-Waren könnten die Preise für Konsumgüter in Dänemark deutlich steigen lassen. Die dänische Regierung übt scharfe Kritik an der Maßnahme und spricht von einer „unerwünschten Handelskrise“. Auch Wirtschaftsministerin Stephanie Lose warnt vor den negativen Folgen, hebt aber zugleich die wirtschaftliche Stärke Dänemarks hervor.

Die dänische Regierung zeigt sich verständnislos gegenüber der am Mittwochabend von US-Präsident Donald Trump verkündeten Entscheidung, Strafzölle von 20 Prozent auf EU-Waren zu verhängen. „Das ist ein fundamentaler Bruch des wirtschaftlichen Zusammenarbeitens und der völlig falsche Weg“, warnt Gewerbeminister Morten Bødskov (Sozialdemokraten).

Die EU-Kommission und Wirtschaftsexpertinnen und -experten gehen davon aus, dass sich die Maßnahme direkt auf die Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher auswirken würde. „Es ist sehr ernst und wird Folgen für uns als Bürgerinnen und Bürger und unsere Unternehmen haben. Wir werden steigende Preise und eine höhere Inflation erleben. Deshalb ist mir wichtig zu betonen, dass wir alles tun müssen, um eine solche Eskalation zu verhindern“, so Bødskov.

Dänemarks Wirtschaft widerstandsfähig

Auch die aus Lügumkloster (Løgumkloster) stammende Wirtschaftsministerin Stephanie Lose (Venstre) warnt vor den negativen Auswirkungen der US-Zölle, betont jedoch Dänemarks wirtschaftliche Stärke: „Eine Handelskrise gefährdet das weltweite Wachstum und den Wohlstand. Jetzt muss die EU klug reagieren. Zum Glück ist Dänemark gut gerüstet, unsere Wirtschaft ist stark und unsere Unternehmen sind wettbewerbsfähig“, schreibt sie auf „X“.

Eine Analyse der dänischen Wirtschaftsorganisation „Dansk Industri“ zeigt, dass die US-Zölle Dänemarks Bruttoinlandsprodukt um 38 Milliarden Kronen reduzieren und bis 2029 rund 13.000 Arbeitsplätze kosten könnten.

Noch ist unklar, welche Warengruppen von den Zöllen betroffen sein werden. Die Maßnahme soll am 9. April in Kraft treten.

Verzerrte Argumente aus Washington?

Trumps Argument für die Einführung von Zöllen auf eine Vielzahl von Waren aus europäischen Ländern ist, dass es für die USA ein Handelsdefizit mit der EU gebe. Der US-Präsident begründete die Strafzölle zudem mit einer vermeintlich unfairen Behandlung amerikanischer Waren durch die EU.

Laut US-Angaben erhebt die Europäische Union Zölle von 39 Prozent auf US-Produkte, während die neue US-Abgabe bei 20 Prozent liege. Bødskov hält diese Darstellung für irreführend: „Das sind Zahlen, die nicht vergleichbar sind. Man vermischt hier Steuern wie die Mehrwertsteuer mit Zöllen.“

Die dänische Regierung betont, dass gerade freier Handel die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum in Europa und den USA geschaffen habe.

Außenminister Løkke warnt vor Handelskrieg

Auch Außenminister Lars Løkke Rasmussen (Moderate) äußert sich besorgt: „Der globale Handel hat dazu beigetragen, den Wohlstand zu erhöhen, die Armut zu verringern und die Lebenserwartung zu steigern. Es ist traurig zu sehen, dass dies nun durch eine unerwünschte Handelskrise gefährdet wird.“

Løkke kündigte an, dass die EU mit „robusten und verhältnismäßigen Gegenmaßnahmen“ reagieren werde.

Aktien ebenfalls unter Druck

Die Ankündigung höherer Zölle auf EU-Waren setzt auch die dänische Börse spürbar unter Druck. Besonders stark betroffen sind die unternehmen Pandora und Mærsk mit Kursverlusten von 12 bzw. über 6 Prozent. Dagegen halten sich Pharmawerte von beispielsweise Novo Nordisk und Genmab besser, da die Branche offenbar von den neuen Zöllen ausgenommen bleibt.

Der C25-Index hat seit seinem Höchststand im September 2024 rund 20 Prozent eingebüßt – ein Tiefstand, wie es ihn zuletzt im Herbst 2023 gab.