Gewerbe

Schuhmacher René gibt sein Lebenswerk in neue Hände

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René Bernard Mannon in der Werkstatt, die in den vergangenen 20 Jahren sein Leben wurde, wie er selber sagt.

René Bernard Mannon hätte eigentlich erst in einem Jahr in Pension gehen wollen. Aber es sollte ganz anders kommen. Am 19. Dezember werden seine Kundinnen und Kunden an seinem letzten Arbeitstag zu einem offiziellen Abschiedsempfang eingeladen. Der Laden „A. C. Sko & Nøgler“ bleibt Sonderburg aber erhalten.

Fast 20 Jahre lang hat René Bernard Mannon (65) seinen Kunden in seinem Unternehmen „A. C. Sko & Nøgler“ mit reparaturbedürftigem Schuhwerk, neuen Schlüsseln, frisch gereinigter Kleidung und bei unzähligen anderen kleinen und größeren Problemen geholfen. Diese Werkstatt war sein Lebensstil, wie er selbst sagt.

Aber nichts dauert ewig. Vor anderthalb Jahren machte sich das Ehepaar Gedanken darüber, wie es für sie und für das mittlerweile selten gewordene Unternehmen der Schuhmacherbranche weitergehen könnte. Große Erwartungen, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, hatten sie nicht, geben beide freimütig zu. Die dänische Schuhmacher-Gilde hat landesweit nur 24 Mitglieder.

Ein Anruf änderte alles

Doch schließlich kam alles anders und René Mannon lächelt immer noch ein wenig ungläubig, wenn er darüber spricht: „Ich hatte damit gerechnet, dass ich vielleicht in einem Jahr schließen muss. Dann wäre ich reif für die Pension gewesen.“ Er hatte seine angedachten Pläne lediglich bei einem Zusammenarbeitspartner in Sonderburg und bei der Generalversammlung der dänischen Schuhmacher-Gilde „Dansk Skomagerlaug“ gelüftet. Und dann rief ihn ein Ehepaar von Fünen an.

„Die Frau hat sich anschließend den Laden und die Werkstatt angeschaut und sofort gemeint: Den würden wir gern kaufen. Ich habe anfangs gar nicht daran glauben können. Aber es stimmte“, so René Mannon. Die Käufer leben in Faaborg. Das Paar hat einen ähnlichen Betrieb im Rosengårdcentret im südöstlichen Odense. Mehr will der Schuhmacher noch nicht verraten.

Ein Schuhmacher verfügt über viel Werkzeug.

Übernahme am 1. Januar 2026

Der Kaufvertrag ist unterschrieben, und das Paar übernimmt am 1. Januar 2026 den Betrieb in Sonderburg. Für René Mannon und seine Frau Birgitte sind die perfekten Umstände immer noch unwirklich.

Bald muss René morgens nicht mehr um 7 Uhr aufstehen, um 8 Uhr den Laden in der Østergade aufschließen zu können. An diesen Gedanken muss er sich erst gewöhnen. „Eigentlich müsste ich ja glücklich umherspringen. Ich muss zugeben: Es ist schon ein wenig ambivalent. Das hier ist ja mein Leben“, meint er und schaut skeptisch hinüber zu seiner Frau. Aber dann muss er eingestehen, dass die einzige Alternative zum Verkauf eine Schließung gewesen wäre. 

Eigentlich müsste ich ja glücklich umherspringen. Ich muss zugeben: Es ist schon ein wenig ambivalent. Das hier ist ja mein Leben.

René Mannon

Nie Zeit für Hobbys

René und Birgitte tröstet es, dass die neuen Besitzer das Unternehmen wie heute weiterführen möchten. Der Schuhmacher wird seinem Nachfolger anfangs noch stundenweise zur Verfügung stehen und ihm alles zeigen. Das Paar von Fünen hat Geschäft, Werkstatt und alle Geräte übernommen. Bald verfügen sie am Alsensund über 110 Quadratmeter.

Womit sich René Mannon, der einst 1990 von Ringsted nach Sonderburg zog, um in der Sonderburger Kaserne als Fahrlehrer zu arbeiten, nach seinem Schuhmacher-Dasein die Zeit vertreiben wird, das wird sich noch zeigen. Für Hobbys hatte er nie Zeit, wie seine Frau lachend feststellt. „Im Garten soll er mir aber auf jeden Fall nicht helfen. Nur den Rasen mähen. Vielleicht“, meint sie. Das Ehepaar heiratete vor 14 Jahren. Humor und stets ein frischer Kommentar gehören bei ihnen einfach dazu.

Wer sich teure Markenschuhe kostengünstig im Secondhand-Laden zulegt, kann diese auch mit gutem Gewissen frisch versohlen lassen.

Abschiedsempfang am 19. Dezember

Beim Abschiedsempfang am 19. Dezember von 11 bis 13 Uhr wird sich René Mannon von seinen Kunden verabschieden. „Ich danke ihnen allen für ihr großes Vertrauen“, sagt er. Seine Frau schaut ihn schelmisch an: „Und wenn er gar nicht weiß, womit er sich die Zeit vertreiben kann, dann kann er ja immer noch eine kleine Werkstatt in unserer Garage in Ulkebüll einrichten.“ „Aber das ginge ja erst in fünf Jahren", kommt es prompt von ihm. Laut Vertrag darf er in den kommenden Jahren kein Konkurrent für seine Käufer werden. 

Aber erst stehen noch ein paar Reisen hinaus in die Welt auf dem Programm. Die erste Fahrt soll nach Kenia gehen. 

Ruckzuck fertigt René Bernard Mannon einen neuen Schlüssel an.