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Postbote zur Weihnachtszeit: Zwischen Urlaubssperre und Alltagsfreuden

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Postbote Frank Clausen kann sich nicht beklagen, dass es zu wenig Post zum Beladen seines Elektrorollers gibt.

Postbote Frank Clausen und seine Kolleginnen und Kollegen packen an, damit alle rechtzeitig ihre Pakete auspacken können. Mit Mehrarbeit und extra viel Einsatz ist die Postflut, die verteilt werden will, zu bewältigen. Wie er den arbeitsintensivsten Monat des Jahres erlebt, hat er dem „Nordschleswiger“ erzählt.

„Bei schwierigen Wetterverhältnissen, wie Glatteis, kommt einem viel Erfahrung zugute, und ansonsten heißt es: hoffen, dass alles gut geht. Und manchmal muss man die Vorgesetzten dann schon daran erinnern, dass wir alle nur Menschen sind, die mit verschiedenen Situationen unterschiedlich umgehen und nicht immer alles nach Plan läuft“, berichtet Frank Clausen, Postzusteller bei Postnord in Tondern, von seinen Erfahrungen, auf seinen Verteiler-Touren.

Ein voll beladener Elektroroller auf Zustellungsrunde in Tondern-Stadt

Der Druck ist groß. Das Paketaufkommen nimmt stetig zu – und längst nicht alle, die ein Paket erwarten, bestellen dies zu einer Postannahme- und Abholstelle. Clausen kann sich jedenfalls nicht beklagen, dass sein Elektroroller, mit dem er unterwegs ist, nicht voll beladen sei.

Zurzeit legt er pro Schicht auf den zwei Reifen jeweils zwei Touren durch die Straßen und Gassen der Tonderner Innenstadt zurück. Zuerst sind die Pakete dran – in der zweiten Runde kümmert er sich dann darum, dass die Briefpost in den Tonderaner Postkästen landet. Für den Bereich Tondern-Stadt sind sie zu zweit zuständig.

Auf der ersten Route geht es um das Zustellen der Pakete

„Statt mit 100 Paketen fahre ich im Dezember gut und gerne mit 200 Stück meine Runde“

Das neue Postgesetz

Das neue Postgesetz soll seit dem 1. Januar 2024 für freien Wettbewerb auf dem Postmarkt sorgen. Damit wurde nach 400 Jahren die sogenannte Beförderungspflicht für die Post eingestellt. Infolgedessen hat Postnord seine Produkte, Dienstleistungen und Preise an die neuen Marktbedingungen angepasst. Seit die staatlichen Zuschüsse durch das Gesetz eingestellt worden sind, stehen verschiedene Transport- und Paketzustellungsunternehmen im Wettbewerb. Die immer noch wachsende Digitalisierung sei der ausschlaggebende Grund für das Postgesetz gewesen – es wird ganz einfach kaum noch Briefpost verschickt, erklärt Frank Clausen.

Für den Zeitraum zwischen dem Black Friday – wo massenweise Läden, insbesondere online, mit großem Preisnachlass werben und die Bestellungen in massenweisen Paketen bei den Zustellunternehmen landen – und Weihnachten gilt für die Postnord-Mitarbeitenden in der Kommune Tondern eine Urlaubssperre. „Das ist alles fair mit unserem Vertrauensmann ausgehandelt worden. Das macht mir nichts“, sagt Clausen nachdrücklich.

„Ich bin sehr zufrieden mit meinem Job. Die Arbeitsverhältnisse sind geordnet, und für die im Dezember anfallende Mehrarbeit werden wir entsprechend entlohnt.“

Und weiter geht die Fahrt: Auf dem Elektroroller geht es für Clausen durch die Straßen und Gassen der Innenstadt.

Und von Mehrarbeit kann hier wohl die Rede sein. „Statt mit 100 Paketen fahre ich im Dezember gut und gerne mit 200 Stück meine Runde“, erzählt der 62-Jährige. Auch etliche Tausende Extrabriefe warten ebenfalls auf ihre Zustellung, erzählt er.

Damit alles zu schaffen ist, sei die Arbeitszeit im Dezember um eine halbe Stunde auf 8 Stunden verlängert worden. „In dieser Zeit kann ich meine Route gut schaffen.“

Pakete verteilen – mal mit, mal ohne Rauschebart

Zum Ende des Jahres ziehen alle Mitarbeitende noch einmal kräftig an einem Strang: „Wir sind neun Postzusteller in der Kommune Tondern, und im Dezember kommen wir alle täglich zum Einsatz. Das hilft auch noch mal sehr, dass wir die Arbeit weitestgehend ohne Stress bewältigen können.“

Seinen Job macht der gebürtige Westerterper auch dann gerne, wenn der Arbeitstag aus überdurchschnittlich viel Klingeln und Briefkastendeckelhochheben besteht.

„Ich stehe auch nach 45 Jahren bei der Post morgens noch gerne auf und gehe zur Arbeit. Auch die kleinen ‚småsnak' mit den Leuten, denen ich begegne, gehören dazu. Die sind immer nett und lustig“, sinniert Clausen, der in der Weihnachtszeit obendrein als Tonderaner Weihnachtsmann den Kindern ein Lächeln auf die Lippen und ein Glitzern in die Augen zaubert. Naheliegend, dass er derjenige ist, der sich hinter dem künstlichen weißen Rauschebart verbirgt – ist er doch vom Fach. Und welchen Beruf sollte ein Weihnachtsmann den Rest des Jahres auch sonst ausüben?