Buchpräsentation

Kunst aus Nordschleswig gehört landesweit zur Elite

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Claus Carstensen in der Ausstellung „Res Publica“. Res Publica bedeutet: Was mit der Gesellschaft zu tun hat. Was kann dem Betrachter die Kunst geben?

Die dänische Nationalgalerie „Statens Museum for Kunst“ stellt in einem Buch mit 50 Werken den Werdegang der Kunst von einst und heute dar. Mit dabei sind Werke von Franciska Clausen, Mette Winckelmann und Claus Carstensen.

Das Museum „Statens Museum for Kunst“ (SMK) in Kopenhagen verfügt über 200.000 dänische und internationale Werke, die die künstlerischen Darstellungsweisen der vergangenen sieben Jahrhunderte repräsentieren. Nur eine kleine Auswahl dieser Werke wird ausgestellt – der Rest bleibt in den Archiven. Um immer auf dem Laufenden zu bleiben, werden stets neue Arbeiten erworben.

„Die Sammlung ist der Kern des SMK. Sie ist der Ausgangspunkt für die Forschung des Museums, der Veröffentlichung von Büchern, Ausstellungen und mit ihr werden immer neue Wege in die Welt der Kunst gefunden“, so die Direktorin Astrid la Cour bei der Einleitung der relativ neuen Publikation „50 værker du skal se på SMK“ (50 Werke, die du dir bei SMK anschauen müsstest).

Dieses Werk ist auch dem Sonderburger Kunstliebhaber Tage Vogelsang Wolff aufgefallen. „Eine Künstlerin und ein Künstler kommen ja von hier. Und sie hatten in der ’Sønderborg Statsskole’ sogar den gleichen Lehrer: Ole Prip Hansen“, meint er lächelnd. Die Sonderburger sind Mette Winckelmann und Claus Carstensen. Claus Carstensen kennt Tage Wolff schon viele Jahre, bereits, als er Vorsitzender des Kunstvereins des Sonderburger Krankenhauses war. Er hat sich jahrzehntelang um die verschiedenen Ausstellungen im Foyer des Hospitals gekümmert.

Tage Wolff mit dem Buch „50 værker du skal se på"

Von Mette Winckelmann wird auf Seite 83 das auf Baumwollstoff gemalte abstrakte Kunstwerk „I Like Older Women“ gezeigt. Inspiration war für die Künstlerin ein kleines Abzeichen mit einem aufgemalten Dreieck, das sie im „Lesbian Herstory Archives“ in New York fand. Das Abzeichen forderte zu mehr Respekt zwischen Menschen ungeachtet ihres Alters und Geschlechts auf. Ihr Werk zeigt diverse Dreiecke und auch Schrauben und Bolzen. Schrauben und Bolzen sind das System oder die Maschine, die ebenfalls geändert werden müssen, bevor sich überhaupt etwas verändern kann.

Mette Winckelmanns Werk „I Like Older Women“ besteht aus vielen Dreiecken, Bolzen und Schrauben.

Von Claus Carstensen ist das provokante Werk „Æterlegeme“, der Ätherleib, auf Seite 113 zu sehen. In der okkulten Welt ist der Ätherleib die Bezeichnung für eine besondere Energie. In seiner 4 x 3 Meter großen Collage hat der gebürtige Sonderburger aber gerade das Unvergängliche herausgefordert. Er hat auf die Collage uriniert, sie mit Asphaltlack und Maschinenfett beschmiert und vergängliche schlappe Schaumgummistreifen montiert. Carstensen wollte, dass das Werk verwittert und im Museum zerfällt. „Statens Museum for Kunst“ hat das Werk 1987 erworben. 2019 wurde es von den Konservatoren des Museums wieder hergerichtet. Dem Dementi des ewigen Werts musste also selbst geholfen werden.

Claus Carstensens Werk „Æterlegeme“ und die Interpretation des Werks

Die 1986 verstorbene Apenraderin Franciska Clausen hat ihr abstraktes Werk „Cercle et Carré" (Zirkel und Vierecke) geschaffen. „Cercle et Carré" ist nicht nur der Titel des Gemäldes. Die Künstlerin war Mitglied einer gleichnamigen Künstlergruppe in Paris. Diese konzentrierte sich auf die inneren Werte und Belange der Menschen.

Das Gemälde „Cercle et Carré“ hat Franciska Clausen 1929 geschaffen.

Ein lebendiges Stück Kunstgeschichte

Das Buch präsentiert 50 Werke, die im Augenblick relevant sind und die das Museum aktuell repräsentiert. Museumsmitarbeitende haben dafür mehr oder weniger bekannte Werke herausgepickt, „die eine hohe künstlerische Qualität haben und interessante Geschichten erzählen“, heißt es im Vorwort. „Das Buch beinhaltet nicht nur Hauptwerke, sondern zeichnet ein lebendiges Stück Kunstgeschichte in einer ewig aktuellen Sammlung“, verspricht Astrid la Cour.

Ob eine kleine aufklappbare Gebetskugel aus dem 16. Jahrhundert, ein Kinderei aus Buchsbaum oder die Schwarz-Weiß-Aufnahme eines klitzekleinen Fussels – den Kunstinteressierten wird mit konkreten Beispielen die Entwicklung der Kunstwelt über Jahrhunderte hinweg geboten. „Lese das Buch von vorn, von hinten oder lasse die Neugierde walten und blättere, bis dein Blick auf einer Seite bleibt“, sagt die Museumsdirektorin.

Die Sammlung ist der Kern des SMK. Sie ist der Ausgangspunkt für die Forschung des Museums, der Veröffentlichung von Büchern und von Ausstellungen. Mit ihr werden immer neue Wege in die Welt der Kunst gefunden.

Astrid la Cour