Deutsche Minderheit

DSS im Folketing – am wichtigsten Rednerpult in Dänemark

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Linnea Peist Hansen spricht im Folketingssaal zu den vielen Anwesenden. In der Mitte der Venstre-Politiker Søren Gade

Drei Schülerinnen und Schüler und eine Lehrerin verbrachten einen Tag in der dänischen Zentrale des politischen Geschehens: Sie beteiligten sich am Jugendparlamentstag auf Christiansborg. Dort erlebten sie das Treiben vom ersten Parkett aus.

Der Gesetzesvorschlag von den drei Eleven der Deutschen Schule Sonderburg (DSS) – Linnea Peist Hansen, Roman Weiland und David Hoeck –, einen grünen Schultag in allen Volksschulen einzuführen, wurde am Montag nicht weiter behandelt.

Aber das ist wenige Tage nach dem Turn nach Kopenhagen eigentlich auch egal, denn die drei haben dafür ein paar einzigartige Erlebnisse in ihrem Rucksack. Normalerweise ist der Folketingssaal auf Christiansborg den vom Volk gewählten Politikerinnen und Politikern vorbehalten. Anders war es am Montag. Da durfte die Jugend aus ganz Dänemark beim diesjährigen Jugendparlamentstag auf den handgefertigten schweren Stühlen des Folketings Platz nehmen. Sie sollten Vorschläge machen, was das Königreich zu einem besseren Ort für die Jugend machen würde.

Mitten im politischen Treiben

Für die drei Schülerinnen und Schüler der DSS und Lehrerin Mette Hvidegaard Zempel war der eintägige Schnupperkurs mitten im politischen Geschehen der Landeshauptstadt interessant.

Sie durften ihren Gesetzesvorschlag mit einem monatlichen Grünen Schultag in den Volksschulen präsentieren und sich anschließend aktiv an den vielen Diskussionen und Abstimmungen über die in den verschiedenen Ausschüssen gefundenen besten Vorschläge beteiligen. Anschließend konnten Fragen an verschiedene Ministerinnen und Minister gestellt werden. Die Schülerinnen und Schüler standen am Rednerpult – nur wenige Meter vom Vorsitzenden des Folketings, Søren Gade (Venstre), entfernt.

Roman Weiland, Linnea Peist Hansen und David Hoeck im Folketingssaal

In der heiligen Halle

Zuerst mussten alle durch eine Sicherheitskontrolle, und nachdem sie oben im Hauptsitzungssaal ein Namensschild erhalten hatten, hieß der Venstre-Politiker Søren Gade die jungen Gäste willkommen. Dann ging es ab in die heilige Halle des Folketingssaals.

„Da hat man sich besonders gefühlt“, gibt Roman Weiland lächelnd zu. Dann ging es weiter zu den verschiedenen Ausschussräumen. Das Sonderburger Team war in der Klima-Gruppe. Dort wurden alle Vorschläge präsentiert. Für die Sonderburger war das keine Überwindung. „Das war eigentlich kurz, und wir haben es ja auch in unserer Klasse damals präsentiert. Im Folketing durfte man kritische Fragen stellen“, meint Linnea Peist Hansen.

Es war spannend, was die anderen von unserem Vorschlag hielten. Aber das hat ja gerade etwas mit Demokratie zu tun – dass man Stellung bezieht.

Roman Weiland

„Es war spannend, was die anderen von unserem Vorschlag hielten. Aber das hat ja gerade etwas mit Demokratie zu tun – dass man Stellung bezieht“, pflichtet ihr Roman Weiland bei.

Linnea Peist Hansen, David Hoeck und Roman Weiland

Das Thorium-Kernkraftwerk gewann

Die anderen Jugendlichen reagierten fast alle positiv auf den Grünen Schultag der Sonderburger Schule. Nur einige hatten Bedenken, so Linnea Peist Hansen: „Sie hatten Angst, dass dann andere Schulfächer ausfallen müssten.“ Der Vorschlag, der letztendlich in der Klima-Gruppe das Rennen machte, war der Vorschlag der „Science Efterskole“ in Norburg (Nordborg).

Die Norburger hatten die Einführung von umweltfreundlicheren und trotzdem sicheren Thorium-Kernkraftwerken vorgeschlagen. Thorium ist im Gegensatz zu Uran nur leicht radioaktiv und erzeugt zehnmal weniger Kernkraftabfall. Es wird nicht wie Uran in Wasser mit einem hohen Druck aufbewahrt, sondern mit flüssigem Salz gekühlt.

Dieser Vorschlag wurde im Folketingssaal von der Gruppe der Norburger Nachschule präsentiert – erhielt dann aber nach einem intensiven Tag im Folketing ganz knapp nicht genug positive Stimmen. „Einige haben es aber auch falsch verstanden. Sie meinten, dass es ein neues Fach in der Schule sein sollte“, so Linnea Peist Hansen. Aber ein Naturkraftwerk ist auch eine teure Angelegenheit, muss sie zugeben.

Roman Weiland, Linnea Peist Hansen und David Hoeck auf der breiten Treppe im Folketing

Bei Fragen nach vorn zum Rednerpult

Wer sich per Knopfdruck zu Wort meldete, musste ganz nach vorne, um vom Rednerpult aus zum ganzen Saal zu sprechen. „Das war schon cool. Alle mussten nach vorn zum Mikro“, so Linnea Peist Hansen, die am Montag mehrere Fragen stellte.

Auch Roman Weiland meldete sich im Folketingssaal zu Wort. Weiland, der erst vor einem Jahr von München nach Gravenstein (Gråsten) gezogen wat, hatte sich nicht zuletzt gut in puncto Kernkraftwerk vorbereitet.

„Während die anderen Vorschläge vorgetragen wurden, habe ich mir meine Fragen notiert. Immer wieder in ChatGPT geschaut, weil es mit meinem Dänisch noch nicht ganz hinhaut. Aber ich habe mich gemeldet – und dann hat es mich ein wenig Überwindung gekostet, auf diesen Knopf zu drücken. Aber als ich dann oben stand, dachte ich: Jetzt mache ich es einfach“, sagt Roman Weiland.

Roman Weiland sprach zu den vielen Anwesenden im Folketingssaal.

Neun Gesetzesvorschläge

Neun Gesetzesvorschläge wurden nach einem langen arbeitsreichen Tag im Folketingssaal dem Venstre-Politiker Søren Gade überreicht. Er wird diese an die entsprechenden Ministerien weiterleiten.

Neun Politikerinnen und Politiker, die die meisten Menschen wohl nur vom Fernseher her kennen, beantworteten die Fragen des Politnachwuchses – unter anderem auch Justizminister Peter Hummelgaard (Soz.), Umweltminister Magnus Heunicke (Soz.), Kinder- und Unterrichtsminister Mattias Tesfaye (Soz.) und der Minister für Sicherheit und Bereitschaft, Torsten Schack Pedersen (Venstre).

Von 6 bis 21 Uhr

Was um 6 Uhr im Danhostel mit einem klingelnden Wecker begann, endete für die Sonderburgerinnen und Sonderburger erst um 21 Uhr nach einer Vier-Stunden-Fahrt im Zug nach Hause.

„Man bekommt einen Einblick, wie eine Abstimmung funktioniert. Das ist auf jeden Fall sehr besonders. Sehr schön“, so Roman Weiland. Im Folketing wird nach einem festen Muster gearbeitet. „Sehr strikt“, wie der Schüler der 9a es beschreibt. Dort wird auf Höflichkeit gesetzt. Alle sprechen sich mit Herr und Frau an. „Es war für uns aber auch locker. Der Vorsitzende hat ein paar Jokes gemacht. Man fühlte sich willkommen. Die wollten, dass wir da waren“, sagt Linnea Peist Hansen.

Es war für uns aber auch locker. Der Vorsitzende hat ein paar Jokes gemacht. Man fühlte sich willkommen. Die wollten, dass wir da waren.

Linnea Peist Hansen

Die DSS ist wieder dabei

Beide sind sich einig: Sie würden anderen Schülerinnen und Schülern einen Besuch im Folketing empfehlen. „Man muss sich nur darüber im Klaren sein, dass es viel Aufregung ist, wenn man da vorne steht. Man muss gut vorbereitet sein, und man weiß nicht, was gefragt wird“, sagt Roman Weiland. Vor den Sprecherinnen und Sprechern sitzen 178 Jugendliche. „Und dann kommt auch der Livestream hinzu“, so Weiland. Die Schulkameraden der 9a an der DSS verfolgten das Treiben im Folketingssaal auf ihren Rechnern.

Auch die Lehrerin in der Gemeinschaftskunde, Mette Hvidegaard Zempel, fand den Ausflug nach Christiansborg einfach toll: „Es war sehr gut organisiert, und ich habe alles von oben mitverfolgen können. Wir wurden ja auch gefragt, ob wir Verbesserungsvorschläge für das Jugendparlament haben.“

Ein Selfie von Mette Hvidegaard Zempel vor einem Porträt von 30 bedeutenden Frauen im Folketing

Auf die Frage, ob die Deutsche Schule Sonderburg auch in zwei Jahren beim nächsten Jugendparlament mitmacht, lacht sie: „Auf jeden Fall. Weil das Unterrichtsmaterial einfach toll ist, und es ist was Einmaliges. Viele kommen ja nie in das Heiligste, den Folketingssaal. Søren Gade nannte es so: ,Das wichtigste Rednerpult in Dänemark.’“