100 Jahre deutsche Bücherei

Büchereifiliale Tingleff – nicht nur ein Ort zum Schmökern

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Auch musikalisch geht es in der Tingleffer Bücherei manchmal zu (Archivfoto).

Als Institution in einem kleinen Ort hat sich die Deutsche Bücherei Tingleff zu einem Multihaus entwickelt. Das Gebäude in der Hauptstraße hat viel mehr zu bieten als Bücher, Zeitschriften und Medien. Worauf Büchereileiterin Mareike Poté Wert legt.

Schulklassen und Kindergartengruppen gehen in der Deutschen Bücherei Tingleff seit vielen Jahren ein und aus. Die jungen Gäste können dort spielen, in Büchern blättern und kommen regelmäßig in den Genuss eines Bilderbuchkinos unter Federführung von Büchereileiterin Mareike Poté.

Die junge Generation hat die Leiterin ebenso im Blick wie erwachsene Nutzerinnen und Nutzer.

Bilderbuchkino in der Tingleffer Bücherei (Archivfoto)
Auch dafür bietet sich die Bücherei an: Kinder-Faschingsfest mit Topfschlagen (Archivfoto).

„Ich möchte die Kinder an Bücher, ans Lesen und an die Bücherei als Aufenthaltsort heranführen, mit der Hoffnung, dass es auf die Eltern abfärbt“, sagt Mareike Poté, die nicht nur ein Studium zur Bibliothekarin absolviert hat, sondern auch zur Sozialpädagogin. Letzteres kommt ihr unter anderem beim Umgang mit Kindergarten- und Schülergruppen zugute.

In der Bücherei, die man längst auch Multistätte bezeichnen könnte, passiert noch viel mehr als Bilderbuchkino und Gruppenbesuche.

Leitet die Deutsche Bücherei Tingleff: Mareike Poté.

Große Bandbreite

Mareike Poté ist viel daran gelegen, ein breites Publikum anzusprechen und das Angebot der Bücherei auf ein breites Aktivitätsfundament für alle Altersgruppen zu stellen.

„Wir sind hier in einer anderen Situation als größere Orte wie Sonderburg. Man muss die Leute gezielt ansprechen und einbinden“, so Poté.

Infoveranstaltungen für Erwachsene, für Zugezogene, Vorträge, ein Garten-Plausch- und Tauschtag und auch ein Brettspieletreff gehören zu den Veranstaltungen, von denen viele regelmäßig stattfinden, wie „Stricken und Plaudern“ sowie ein Bastelnachmittag mit Kindern.

Ein Bringservice für ältere Nutzerinnen und Nutzer, unterstützt von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ist ebenfalls Teil des Büchereiservices. Auch ein Lesetraining unter tatkräftiger, freiwilliger Hilfe von pensionierten Lehrkräften ist in der Tingleffer Einrichtung auf Initiative der Leiterin eingeführt worden.

Stricktreff in der Bücherei
Die Bücherei lädt immer wieder zu Vorträgen ein. Das Archivfoto zeigt Ilse Friis, als sie über ihre Nachforschungen zu deutsch-nordschleswigschen Frauen in der Kriegs- und Nachkriegszeit berichtete.
Großer Beliebtheit erfreuen sich die Gartensaat-Tauschtage (Archivfoto).
Ebenfalls eine wiederkehrende Aktivität: gemeinsam spielen in der Bücherei.

Hinzu kommen Aktions- und Mitmachtage zu Ostern, zu Weihnachten und zu Halloween mit dekorativer Präsentation entsprechender Sach- und Schönliteratur sowie Quiz- und Suchaufgaben.

Stets neue Impulse

Seit einiger Zeit wird ein Lesetraining angeboten. Zum Kreis der ehrenamtlichen Trainerinnen gehören Mareike Poté (Mitte) sowie die ehemaligen Lehrerinnen Brigitte Schumacher (l.) und Birte Nicolaisen (Archivfoto).
Die Bücherei hat einen kostenlosen Bringservice für Nutzerinnen und Nutzer ins Leben gerufen, die nicht mehr so mobil sind. Als ehrenamtliche Zustellerin hat sich Margit Jespersen zur Verfügung gestellt (Archivfoto).

Und was bietet sich mehr an, als beim Vorlesewettbewerb der Schule der Austragungsort zu sein, mit der Büchereileiterin Poté als eine der Jurorinnen und Juroren!

Neue Ideen gehen Mareike Poté nicht aus. Sie hat in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst Tingleff ein Reparaturcafé angeregt, bei dem ehrenamtliche Tüftlerinnen und Tüftler sich darum bemühen, Geräte und Gegenstände instand zu setzen.

Auch ein Sprachcafé mit Fokus auf Dänisch schwebt Mareike Poté vor, die seit Jahren die Geschicke der Bücherei im ehemaligen Kirchenkrug leitet.

Seit einigen Jahren trägt die Deutsche Schule Tingleff ihren Vorlesewettbewerb in der Bücherei aus (Archivfoto).

Mit dem Sprachcafé soll Zugezogenen und anderen Menschen mit wenig Dänischerfahrung ermöglicht werden, ihre Sprachfähigkeiten zu verbessern.

„Es ist, wie bei allen anderen Aktivitäten hier in der Bücherei, zugleich eine Gelegenheit, mit anderen in Kontakt zu kommen. Die Bücherei soll ein zweites Zuhause sein“, so die Philosophie der Leiterin.

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