Deutsche Minderheit

Bücher, Menschen, Begegnungen – ein Jahrhundert Bücherei

Veröffentlicht Geändert
Das Begrüßungskomitee freut sich auf das anstehende Programm der Feier.

Grund zu feiern: In Apenrade kamen Leserinnen, Wegbegleiter und Neugierige zusammen, um das Jubiläum der deutschen Büchereien in Nordschleswig zu würdigen. Sie können mehr als „nur“ Bücher. Sie sind ein Ort der Gemeinschaft – damals wie heute.

Und da ist er also – der große Tag, auf den die deutschen Büchereien für Nordschleswig seit Monaten hingearbeitet haben: die Feier zu ihrem 100-jährigen Bestehen.

„2021 haben wir uns im Verband gefragt, welches Datum sich als Jubiläumstag eignen würde. Schließlich haben wir uns für den Tag der ersten Festanstellung des Bibliothekars Frederik Christensen entschieden“, erklärt Claudia Knauer, Direktorin der Deutschen Zentralbücherei in Apenrade, in ihrem Grußwort.

Einer seiner zwölf Enkel, ebenfalls Frederik Christensen, ist anwesend. Später, nachdem sich die Gäste über das Sønderjysk kaffebord à la Siegfried Lenz hergemacht haben, gewährt er einen Einblick in das Leben und Wirken seines Großvaters – und ruft ins Bewusstsein, dass noch viel historische Aufarbeitung notwendig ist.

Frederik Christensen gab Einblicke in seine Erinnerungen an den Großvater.

Im Zeichen des Buches

Das Foyer der Bücherei ist liebevoll geschmückt. Von der Decke hängen aus Buchseiten gefaltete Kunstwerke, die an Lampions erinnern. Weitere Faltarbeiten zieren die Stehtische – manche dienen sogar als Blumenvase. An den Wänden wurden für diesen besonderen Nachmittag vergrößerte Fotos aus den Archiven aufgehängt.

„Drei Tage dürfen sie hängen bleiben, dann müssen wir sie wegen der anstehenden Umbauarbeiten wieder abnehmen“, sagt Ingela Wiking, leitende Bibliothekarin in Apenrade. Sie versichert jedoch: Die Bilder werden ihren Platz an den Wänden zurückbekommen.

Die Dekoration könnte nicht passender sein.

Während des Empfangs läuft an einer freien Wand in Dauerschleife ein Film über die Geschichte und Entwicklung der Büchereien.

Mit ihrem Jagdhorn fordert Anke Christensen charmant die letzten Gäste auf, ihre Plätze einzunehmen. Einige sind noch in Gespräche oder Fotos vertieft.

Wertschätzung, Erinnerungen – und jede Menge Bücherliebe

Der offizielle Teil des Nachmittags beginnt mit einer besonderen Ehrung: Im Namen von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther bekommen Claudia Knauer und Peter Asmussen eine Urkunde überreicht – als Anerkennung für die Arbeit des Büchereiverbands.

Auch Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), ist nicht mit leeren Händen erschienen: Er hat eine BDN-Plakette dabei. „Damit auch jeder sehen kann, dass ihr zu uns gehört“, scherzt er und wünscht dem Verband „noch viele neue Kapitel“.

Büchereidirektorin Claudia Knauer führte durch das Programm.

Kapitel – beziehungsweise Bücher – kennt Pastor Matthias Alpen zur Genüge.

„Meine Kinder waren wahre Massenausleiher“, erinnert er sich. „Die Bücherei und ihre Mitarbeitenden haben ihnen die Liebe zu Büchern beigebracht.“

Auch er selbst fühlte sich stets gut betreut: „Wenn der Bücherbus nach Lügumkloster kam, lag für mich immer ein passender Bücherstapel bereit. Das hat mich tief beeindruckt – sie kennen ihre Leser.“ Besonders betont er: „Die Bücherei war und ist ein Ort der Begegnung. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich aus – das ist wichtig.“

Die Kinder von Matthias Alpen liehen sich stapelweise Bücher aus der deutschen Bücherei (Foto beschnitten).

Auf 100 weitere Jahre Kunst, Kultur und Literatur!

Musikalisch umrahmt wird der Nachmittag von Sofie Kurowski und Linn Reissner. Mit Gesang, Violine und Klavier begleiten sie die Veranstaltung – während die Gäste die letzten Krümel ihrer Brottorte mit der Gabel sammeln. Trotz der anfänglichen Entschuldigung, aufgrund von Linns Motorradunfall habe die Probenzeit gefehlt, begeistern die beiden Schülerinnen des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN) mit ihrem Talent.

Auch für sie ist die deutsche Bücherei fester Bestandteil ihres Alltags. „Ich nutze häufig das Online-Portal, besonders für Hörbücher“, erzählt Sofie. Linn ergänzt: „Besonders toll finde ich, wie sehr die Bücherei uns bei Prüfungen unterstützt. Sie suchen passende Literatur für unsere Themen heraus – das erleichtert uns die Arbeit enorm. Außerdem besorgen sie Bücherklassensätze, damit wir nichts selbst kaufen müssen.“

Die beiden Gymnasiastinnen Sofie Kurowski (links) und Linn Reissner sind Mitglieder der Minderheiten-Band Sihav.

Neben Pastor Alpen sitzt Anne Barten. Die 77-Jährige ist Lesekreis-Mitglied und beschreibt die Bücherei als ein Stück Heimat: „Die Bücherei war einer der Hauptgründe, warum ich nach Apenrade gezogen bin“, sagt sie.

Zum Abschluss treten Mareike Krügel und Jan Christophersen auf – zwei bekannte und gern gesehene Gäste der deutschen Bücherei. Im Wechsel lesen sie aus eigenen Texten. Krügel erhält mit Sätzen wie „Lesen ist echter Trost – denn so muss ich das echte Leben nicht immer aushalten“ leichtes zustimmendes Kopfnicken, und Christophersen rundet mit wissenschaftlichen Fakten ab, die die Anwesenden sicher wohlwollend zur Kenntnis nehmen: Lesen hat einen nachhaltigen, positiven Einfluss auf das Gehirn.

Die deutsche Bücherei ist eine wichtige Konstante in Anne Bartens Leben.

Und wenn das alle Nordschleswigerinnen, Nordschleswiger und darüber hinaus verinnerlichen, muss man sich um die nächsten 100 Jahre deutsche Büchereien in Nordschleswig – ein vielfach geäußerter Wunsch an diesem Tag – wohl keine Sorgen machen.

Mehr zum Thema 100 Jahre Bücherei

Die Gäste verfolgen den Gesang der beiden Sängerinnen.
Auch Hinrich Jürgensen ist nicht mit leeren Händen gekommen.

Anlässlich des Jubiläums hat „Der Nordschleswiger“ Geschichten, Erinnerungen und Entwicklungen rund um das Thema Bücherei beleuchtet. Alle Artikel und weitere spannende Schwerpunktthemen sammeln wir auf unserer Themenseite.