Fighter Wing Skrydstrup

Kampfjetwechsel in Skrydstrup: Fortschritt mit Fehlercode

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Das Jagdflugzeug vom Typ F-16 hat ausgedient – und damit, so scheint es, auch die Verlässlichkeit. Das Foto ist bei einem Tag der offenen Tür entstanden (Archivbild).

Dänemark verabschiedet seine F-16-Flotte. Der Nachfolger: Hightech mit Fehlercode. Über 45 Jahre lang war der Nachbrenner der F-16 ein Symbol militärischer Kontrolle und Verlässlichkeit. Jetzt endet diese Ära. Die F-35 fliegt, hinkt technisch aber ihren Möglichkeiten hinterher. Was bedeutet das für Nordschleswig und für ein Land mit nur einem Kampfjetstützpunkt?

Das Dröhnen des Nachbrenners gehört in Skrydstrup bald der Erinnerung an. Am kommenden Sonntag endet nach 45 Jahren die Ära der F-16-Flotte – eines Kampfjettyps, den Dänemark kontrollierte und der vor allem Nordschleswig geprägt hat. 

Hightech ersetzt Verlässlichkeit – doch zu welchem Preis?

Die Ära der dänischen F-16 begann im nordschleswigschen Skrydstrup vor nunmehr 45 Jahren.

Der Nachfolgetyp, die F-35 Lightning II, fliegt technologisch in einer anderen Liga. Tarnkappe, Sensorfusion, Datenvernetzung: Sie ist ein fliegender Computer. Hier sind zwei Softwarepakete entscheidend: TR-3 und Block 4. Beide sollen die Kampfflugzeuge fit machen für moderne Gefechtsführung – mit besserer Zielerfassung, vernetzter Kommunikation und erweiterten Waffenoptionen. Doch beide Updates verzögern sich erneut, stellt der druckfrische Mängelbericht des US-Verteidigungsministeriums vom Januar 2026 fest. Ohne sie bleibt die F-35 ein Milliardenprojekt mit eingeschränkten Fähigkeiten.

In Skrydstrup fliegen die Jets zwar, aber teils nur in Notfallkonfiguration. Deshalb mussten die nachgerüsteten F-16 länger durchhalten als geplant.

 

„Ausgereifte“ Kinderkrankheiten

Die „Kinderkrankheiten“ der F-35 haben sich laut jüngstem Pentagon-Bericht zu strukturellen Problemen ausgewachsen.

Auffällig am Bericht 2026 ist, dass das Pentagon die Probleme nicht mehr als Anfangsschwierigkeiten beschreibt, sondern als strukturell. Auch die USA erreichen ihre eigenen Bereitschaftsziele nicht. Der Bericht benennt vor allem Defizite in Logistik und Programmsteuerung beim Hersteller Lockheed Martin. Dänemark reagiert pragmatisch, um den Betrieb am Laufen zu halten: mit eigenen Lagerbeständen, mobilen Containerlösungen und zusätzlicher Infrastruktur am Luftwaffenstützpunkt in Skrydstrup.

Gripen statt F-35?

Dänemark hat überdies F-35-Nachschub bestellt und wird damit über 43 Jets verfügen. Es ist eine strategische Entscheidung: Nach Milliardeninvestitionen gilt die F-35 innerhalb der Nato als Standard.

Mit dem angekündigten Abschied von der F-16 ist in Nordschleswig und in Fachkreisen die Diskussion um den schwedischen Saab JAS 39 Gripen entbrannt. Das Kampfflugzeug gilt als kälteresistent. Betrieb, Einsatz und Software liegen bei den Betreiberländern. Der Gripen kommt ohne US-Steuerung aus; nur einzelne Bauteile stammen aus den USA. 
Gegen ihn sprach bislang vor allem die Praxis: Dänemark wollte kein zweites Servicezentrum, keine zusätzlichen Lager und keine parallelen Wartungsketten aufbauen. Ein pensionierter dänischer Konteradmiral hat die Debatte zuletzt befeuert und vorgeschlagen, statt weiterer F-35 über ein Gripen-Leasing nachzudenken.

Mehr als ein Tarnkappenjet

Mit dem Abschied von der F-16 Mitte Januar endet in Skrydstrup eine Phase militärischer Gewissheit. Die F-35 übernimmt – überzeugt bislang aber nicht auf ganzer Linie. Die vielen Kommentare in sozialen Netzwerken nach dem angekündigten Exit zeigen: Es geht für Dänemark, nicht zuletzt für die Menschen in Nordschleswig, längst nicht mehr nur um Technik, sondern um ein vertrautes Sicherheitsgefühl. Und um die Frage, wie viel strategische Abhängigkeit ein kleines Land mit nur einem Kampfjetstützpunkt akzeptieren will.

Eine F-16-Formation wie diese wird es in Dänemark künftig wohl nur noch auf Flugschauen geben (Archivbild).