Mobilität

Radfahrende sind an fast jedem dritten Unfall beteiligt

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Radfahren
Radfahrerinnen und Radfahrer leben besonders an Kreuzungen gefährlich. In einem Drittel der Fälle tragen sie aber eine Mitschuld, wenn es zum Unfall kommt.

Kreuzungen bleiben gefährliche Unfallschwerpunkte. Das zeigt eine neue Analyse zu Fahrradunfällen. Radfahrende werden demnach häufig von Autofahrenden übersehen. Dabei können beide Parteien etwas tun, um Kollisionen zu vermeiden.

Radfahrerinnen und Radfahrer sind im Straßenverkehr gefährdet, und besonders an Kreuzungen in städtischen Gebieten kommt es häufig zu Unfällen zwischen Rad- und Autofahrenden. Das ist eine Erkenntnis einer neuen Analyse zu schweren Fahrradunfällen an Kreuzungen, die durch die Kommission zur Untersuchung von Verkehrsunfällen (Havarikommissionen for Vejtrafikulykker) erstellt wurde.

„In der Eile übersehen“

Sie zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Unfälle dadurch verursacht wird, dass ein Pkw-Fahrender den Radfahrenden „in der Eile übersieht“. Dies war bei 24 der 27 von der Kommission untersuchten Unfällen der Fall. Diese ereigneten sich im Zeitraum von Januar bis August 2023, und die meisten davon in den drei größten Städten des Landes: Kopenhagen, Aarhus und Odense.

„Der Radfahrende wurde einfach übersehen, weil sich der Autofahrende nicht genügend Zeit nahm, sich zu orientieren. Bei mehreren der Unfälle war er zudem etwas zu schnell unterwegs“, sagt die Kommissionsvorsitzende Rikke Rysgaard laut Pressemitteilung.

Auch Ablenkung häufig Unfallursache

Demnach gab es auch mehrere Fahrzeuglenkende, die sich beim Fahren nicht die Zeit nahmen, anzuhalten, sondern den Verkehr beobachteten, ohne den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Andere waren damit beschäftigt, sich mit einem Mitfahrenden zu unterhalten oder nach einer Lücke im Verkehr zu suchen, vielleicht weil sie sich durch den nachfolgenden Verkehr bedrängt fühlten.

Rotlichtverstöße durch Radfahrende

Aber auch die Radfahrenden tragen einen Teil der Verantwortung. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass bei fast einem Drittel der Unfälle ihr Fahrverhalten zum Unfallhergang beigetragen hat. So fuhren einige auf ihrem Fahrrad über gelbe oder rote Ampeln. Andere fuhren trotz ihrer Weichpflicht bei schlechten Sichtverhältnissen los, was es für Autofahrende schwierig mache, zu reagieren, so Rikke Rysgaard.

Fast die Hälfte der 27 Radfahrenden, die an der Studie teilnahmen, trug zudem keinen Helm, was in vielen Fällen zu schweren Kopfverletzungen führte. Keiner wurde getötet. Nach Angaben von Danmarks Statistik verunglückten jedoch 19 andere Radfahrende im Jahr 2023 tödlich, während 473 schwer verletzt wurden.

Mehr Aufmerksamkeit, mehr Sichtbarkeit

Sie ermutigt sowohl Radfahrende als auch Autofahrende, an Kreuzungen aufmerksam zu sein und nicht zu glauben, dass man genug Zeit zum Überqueren hat. „Kreuzungen sind einer der kritischsten Punkte im Verkehr. Besonders, wenn die Ampeln umspringen, kann es gefährlich werden. Deshalb kann man nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen und langsam zu fahren.“ Wer mit Fehlern anderer rechnet, könne vielleicht Unfälle verhindern, so die Kommissionsvorsitzende.

Jens Peter Hansen, Vorsitzender des dänischen Radfahrendenverbands, hat mehrere Ratschläge. „Radfahrerinnen und Radfahrer sollten sich so sichtbar wie möglich machen. Natürlich sollte man bei Dunkelheit Licht eingeschaltet haben, aber man sollte sich auch reflektierende Kleidung zulegen, damit man besser zu erkennen ist.“

Autofahren ist große Verantwortung

Zu den Radfahrenden, die in der Analyse eine gelbe oder rote Ampel überfahren haben, sagt er: „Es fällt mir schwer zu verstehen, warum manche sich der Gefahr aussetzen wollen, so klare Verkehrsregeln wie eine Ampel nicht zu beachten. Letztlich ist es in erster Linie der Radfahrende selbst, der darunter leidet“, betont er. Denn wenn es eine Autofahrerin oder ein Autofahrer tut, kann das viel schwerwiegendere Folgen haben. „Weil man in einem Fahrzeug sitzt, das 1.500 Kilogramm oder mehr wiegt.“

Sein Appell sei daher, dass alle Verkehrsteilnehmenden aufmerksam sein müssen. Als Autofahrender habe man allerdings eine sehr große Verantwortung, besonders aufmerksam zu sein.