Schleswig-Holstein

Millionen aus Kiel: Fernbahnhof Flensburg-Weiche rückt näher

Veröffentlicht Geändert
Der Bahnsteig in Weiche und das Umfeld müssen zunächst auf Vordermann gebracht werden, bevor hier Fernzüge halten können.

Eine Bewilligung von 20 Millionen Euro bringt die Pläne für eine neue Infrastruktur für den Zugverkehr in Flensburg näher. Die Landtagsabgeordnete Sybilla Nitsch vom SSW geht davon aus, dass das Projekt im Infrastrukturplan des nächsten Jahres höchste Priorität haben wird.

Der Fernverkehrshalt in Flensburg-Weiche (Sporskifte) und die Nahverkehrshaltestelle am Busbahnhof (ZOB) in der Flensburger Innenstadt sind mit der Verabschiedung des Haushaltsplans im Kieler Landtag einen großen Schritt nähergekommen.

Bis 2031 sind demnach insgesamt 20 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Landes für den Bahnhof in Weiche, den stadtnahen Bahnhof und die notwendigen Gleisbögen, die gebaut werden müssen (Knotenpunkt Flensburg), vorgesehen. Und laut der SSW-Landtagsabgeordneten Sybilla Nitsch ist noch mehr zu erwarten.

„Das Projekt wird ganz sicher ganz oben auf der Prioritätenliste stehen, wenn wir nächstes Jahr einen neuen Infrastrukturplan erstellen, und das ist eigentlich der größte Erfolg. Und dann wird es natürlich mehr Geld geben“, sagt sie.

Der Stadtrat von Flensburg hat 2024 beschlossen, dass die Verwaltung sich für die Einrichtung eines Fernbahnhofs in Weiche einsetzen soll. Der Hintergrund dafür ist, dass immer weniger Züge den Bahnhof in Flensburg anfahren. So hält der Eurocity-Zug zwischen Kopenhagen und Hamburg in Pattburg (Padborg), fährt aber ohne Halt an Flensburg vorbei. 

Das Bundesland hat seit Langem einen Fernbahnhof mit der Einrichtung eines Nahverkehrsbahnhofs im Zentrum von Flensburg verbunden, und im Februar 2025 verabschiedete der Stadtrat einen entsprechenden Plan.

„Dies ist ein Wendepunkt. Wir haben lange dafür gekämpft, dass Flensburg nicht länger vom Fern- und Regionalverkehr ausgeschlossen bleibt. Jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit – und das auf der Grundlage unseres Stadtratsbeschlusses vom vergangenen Jahr, mit dem wir ein neues Eisenbahnkonzept für Flensburg auf den Weg gebracht haben“, sagt Mats Rosenbaum, Stadtrat des SSW in Flensburg.

Projekte müssen koordiniert werden

Vor diesem Hintergrund hat das Land nun Mittel im Haushalt bereitgestellt. Konkret sind zwei Millionen für 2027, sechs Millionen für 2029 und zwölf Millionen für 2031 vorgesehen, und laut Sybilla Nitsch wird es wohl erst um 2030 zu konkreten Baumaßnahmen kommen.

Die Mittel des Bundeslandes sind für den Nah- und Regionalverkehr bestimmt und fließen daher nicht direkt in den gewünschten Fernhalt in Weiche.

„Die Kommune ist für den Fernbahnhof zuständig, aber der muss natürlich mit dem Bahnhof verbunden werden. Es muss eine Fußgängerbrücke und etwas Infrastruktur rund um den Bahnhof gebaut werden, was der Staat bezahlt“, sagt Sybilla Nitsch.

ZOB-Halt rückt einen Schritt näher

Die Arbeiten an einer Haltestelle für Nahverkehrszüge am ZOB in Flensburg sind ebenfalls bereits im Gange, berichtet sie. Der Landtag hat Mittel für eine Voruntersuchung bewilligt, und das Verkehrsunternehmen Nah.SH und die Stadt Flensburg sind bereits dabei. „Nun ist es also sehr, sehr sicher, dass das Projekt in Flensburg eine hohe Priorität im Infrastrukturplan erhält“, sagt die Landtagsabgeordnete.

Stefan Seidler, der für den Südschleswigschen Wählerverband im Bundestag sitzt, hat sich ebenfalls für bessere Bahnlösungen in Flensburg eingesetzt.

„Ich freue mich besonders, dass die Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes jetzt direkt und schnell bei uns im Grenzgebiet investiert werden können. Genau das habe ich mir gewünscht, als ich im Bundestag für das Sondervermögen gestimmt habe. Nun ist es wichtig, dass Flensburg nachzieht. Die Stadt sollte sich an den Landtag wenden und die notwendigen Investitionen aus dem Anteil Flensburgs am Sondervermögen bereitstellen, damit schnell mit dem Bau einer Fernbahnstation in Weiche begonnen werden kann“, sagt Stefan Seidler.

Die Nachricht über die Förderung ist jedoch noch nicht über die offiziellen Kanäle bei der Verwaltung in Flensburg angekommen.

„Wir haben noch keine Nachricht erhalten. Aber wir freuen uns, wenn Gelder bewilligt wurden, damit wir loslegen können. Wir hoffen, dass Kiel sich mit uns in Verbindung setzt, damit wir darüber sprechen können, wie es weitergeht“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf.

Stefan Seidler glaubt jedoch, dass die Chancen für die Realisierung der Fernzughaltestelle jetzt besonders gut stehen – und in Berlin Geld zu holen ist.

„Ich gehe davon aus, dass die Landesregierung nun kurzfristig einen Antrag auf Förderung des Verkehrsknotenpunkts Flensburg nach Berlin schicken wird. Die Fördermittel des Bundes sind groß, aber auch sehr begehrt. Deshalb darf man keine Zeit verlieren. Da das Projekt bereits in den Deutschlandtakt-Plan des Bundes aufgenommen wurde, stehen die Chancen für eine Förderung in Millionenhöhe gut, meint Stefan Seidler.

Große Freude beim SSW

Der Plan für einen Fernbahnhof in Weiche und die Einrichtung einer Stadtbahn mit einer ZOB-Haltestelle ähnelt stark dem 2016 abgelehnten Plan für einen Grenzbahnhof. Sowohl im Stadtrat von Flensburg als auch im Landtag hat sich der SSW jedoch für eine Lösung dieser Art eingesetzt, weshalb die aktuelle Bewilligung auch Sybilla Nitsch freut.

„Wir haben zwei bis drei Jahre daran gearbeitet. Wir haben jede Woche bei der Regierung nachgehakt, und hätten wir keinen politischen Druck ausgeübt, hätten wir diese Mittel für Flensburg wahrscheinlich nicht bekommen. Wir freuen uns, dass die anderen Parteien nun mitziehen“, sagt Sybilla Nitsch.