Bahnverkehr

Milliardenschwere Investitionen in Schleswig-Holsteins Schienennetz nötig

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Das deutsche Schienennetz ist in die Jahre gekommen – und in Schleswig-Holstein ist es besonders sanierungsbedürftig.

Zahlen des Bundesverkehrsministers enthüllen: Allein für die Sanierung der Strecke Flensburg-Hamburg sind 1,5 Milliarden Euro (11,2 Milliarden Kronen) notwendig.

Das Schienennetz ist in Schleswig-Holstein so verschlissen wie nirgendwo sonst in Deutschland – und jetzt beziffert Bundesverkehrsminister Volker Wissing erstmals diesen Sanierungsstau: Er beläuft sich auf 2 Milliarden Euro (14,9 Milliarden Kronen). Das steht in einer Antwort von Wissings SPD-Staatssekretär Sören Bartol auf eine Anfrage des SSW-Bundestagsabgeordneten Stefan Seidler.

Demnach setzt sich der Sanierungsbedarf so zusammen: Für die Gleise in Schleswig-Holstein beträgt er rund 800 Millionen Euro, für Brücken 600 Millionen, für Stellwerke 200 Millionen, für Weichen 100 und für Bahnhöfe 70 Millionen. Weitere 200 Millionen beträgt die Sanierungslücke bei Bahnübergängen und sonstigen Einrichtungen.

Im jüngsten Netzzustandsbericht der Bahn-Netztochter DB Infrago hat das Schienennetz im Land daher nur die Note 3,34 erhalten – deutlich schlechter als der Bundesschnitt von 3,03. Staatssekretär Bartol weist aber auch darauf hin, dass alle Anlagen trotz des Investitionsstaus „grundsätzlich in einem für den Bahnbetrieb sicheren Zustand sind“.

DB Infrago rechnet mit noch höheren Zahlen

Laut internen Zahlen der DB Infrago ist sogar noch viel mehr Geld für die Überholung des Schienennetzes im Norden nötig. Allein für die Generalsanierungen der Hauptstrecken Hamburg-Lübeck in 2027 und Hamburg-Flensburg ab 2031 rechnet die Bahn mit Kosten von 2,25 Milliarden Euro (16,8 Milliarden Kronen) – davon 1,5 Milliarden (11,2 Milliarden Kronen) für die Linie nach Flensburg (Flensborg).

Weitere Sanierungen sind schon vorher an der Strecke Kiel-Hamburg und der Marschbahn nach Sylt (Sild) geplant sowie an größeren Bahnhöfen wie Kiel, Flensburg, Neumünster, Husum oder Westerland.

Milliardenschwere Neu- und Ausbauprojekte

„Wir sehen offene Sanierungsinvestitionen in Milliardenhöhe – die nötigen Bauarbeiten werden den Zugbetrieb und die Fahrgäste bei uns im Norden lange belasten“, resümiert SSW-Politiker Seidler. Er verlangt von der Bahn daher „abgestimmte Lösungen“, um Reisende möglichst wenig zu stören. Zumal die Bahn nicht nur Sanierungen plant, sondern auch Neu- und Ausbauten für Milliarden – allen voran 3,5 Milliarden Euro für die neue Strecke zum künftigen Fehmarnbelttunnel.

Der schon laufende Ausbau der S4 von Hamburg nach Ahrensburg kostet gut 1,8 Milliarden. Je eine halbe Milliarde Euro sollen Zusatzgleise bei Elmshorn und bei Bad Schwartau kosten sowie die Elektrifizierung der Marschbahn.

Marschbahn-Ausbau kostet 300 Millionen Euro

Zudem beziffert die DB den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn vor und auf Sylt inzwischen auf 300 Millionen Euro statt 220 Millionen. Ebenso plant sie 300 Millionen ein für die Modernisierung der Strecke Kiel-Lübeck zwischen Kiel und Preetz. Und 200 Millionen soll allein die erste Stufe des zweigleisigen Ausbaus der Trasse Bad Oldesloe – Neumünster kosten.

Hinzu kommen geplante Streckenreaktivierungen. So kostet die Wiederbelebung der Strecke Kiel-Schönberger Strand 86 Millionen Euro. Bei der Linie Wrist-Kellinghusen sind es 20 Millionen. Und die Wiedereröffnung zwischen Rendsburg und Seemühlen kostet 15 Millionen.

Offen ist allerdings, ob die Bahn vom Bund angesichts der Haushaltsnot überhaupt genug Geld für ihre Milliardenpläne im Norden erhält. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen richtet daher schon mal einen Appell an Berlin: „Die To-do-Liste der Bahn ist lang – die neue Bundesregierung muss sie mit Geld hinterlegen“, mahnt der CDU-Politiker. Denn Investitionen in Schienenwege seien „ein wichtiger Faktor, um Wirtschaftswachstum zu erzeugen“.